Don Harris (8): Triaden-Terror


DON HARRIS (8): TRIADEN-TERROR.
Hörspiel, 2010. Erschienen bei folgenreich.
Regie: Oliver Döring.
Sprecher:
Douglas Welbat, Dietmar Wunder, Claudia Urbschat-Mingues, Bernd Rumpf, Gerrit Schmidt-Foß, Oliver Stritzel, Tanja Geke, Martin Keßler, Thomas Petruo, F.G. Beckhaus, Helmut Krauss, Sebastian Rüger, Felix Hoffmann, Peter Flechtner u.a.

Don Harris findet in seiner Londoner Wohnung einen geflochtenen Seidenschal – eine Todesbotschaft der chinesischen Triaden?
Sein Freund Terry Sheridan rät ihm, in dieser Angelegenheit dessen Bekannte Li um Rat zu bitten. Als Harris schließlich Li aufsucht, entgehen beide nur knapp einem Anschlag. Don Harris scheint in das Fadenkreuz der Triaden geraten zu sein, die ihre bösartigen Machenschaften nicht mehr nur in Asien betreiben. Oder stecken hinter all dem die Höllensöhne…?

MEINUNG:

Nach dem mystisch angehauchten Abenteuer Don Harris’ in Sibirien, spielt die aktuelle Folge komplett in Good Ol’ London: Die ‘Höllensöhne’ nehmen von den Triaden ‘Eintrittsgeld’ nach Europa: Liegt Don Harris 6 ft. under, darf die Organisation auch in Europa agieren…
Die Hatz auf Harris entpuppt sich als schiere Tempogranate – Verfolgungen, Attentate, Entführungen, Killer – Don fliegt hier viel und vor allem wortwörtlich um die Ohren. Den Hörer freut’s, die kurzweilige Episode besticht durch hohes Tempo, hollywoodreif inszenierte Szenen, die jedem guten Actionthriller gut zu Gesicht ständen und eine gesunde Portion Härte. Im Gesamtkontext der Serie durchaus eine der besten Folgen überhaupt, die zudem über einen nicht zu verleugnenden Wiederhörwert hat.

Bei den Sprechen, ja – hm… Oliver Döring fischt mal wieder sämtliche Haare vorab aus der Suppe 🙂 – will heißen: Einmal mehr tummeln sich hier die Synchrongrößen und liefern erneut die gewohnte Professionalität ab. Das bereitet dem Hörer natürlich erneut einen extrem einfachen Zugang zu den dargestellten Charakteren – hier ist und bleibt man auf dem gewohnten Level, den man von Döring gewohnt ist. Stark besetzt, stark gesprochen – mehr kann man nicht verlangen.

Die Effekte sind ebenfalls wieder ‘top notch’. Es kracht, es knallt, die Umgebungsgeräusche lassen die Locations lebendig rüberkommen und vor allem die Stürmungssequenz der Spezialeinheit gegen Ende der Folge ist derart großartig und wuchtig in Szene gesetzt (auch wenn sie eigentlich im ‘Hintergrund’ abläuft), daß man hier einmal mehr nur den virtuellen Hut ziehen kann – man erwartet regelrecht den Kugelhagel aus den Boxen.

Als Fazit:
Folge 8, ‚Don Harris: Triaden-Terror‘, besticht -wie immer- durch einen großartigen und großartig aufgelegten Sprechercast, brilliant inszenierte Untermaltungen und Geräuscheffekte, die “Don Harris” tatsächlich zu großem ‘Action-Kino für die Ohren’ werden lassen.

Dazu noch die diesmal extremst kurzweilige Story mit Wiederhörcharakter, voila: Fertig ist eine Produktion, die zeigt, wie moderne Action in Hörspielen inszeniert werden kann. Bom-bas-tisch!

Mark T. Sullivan: Limit


Mark T. Sullivan: Limit.
Gelesen von Simon Jäger.
Erschienen im Argon Verlag, 2010.

6 Audio-CDs
Länge: 414 Minuten
ISBN: 978-3-8398-9000-4

Wie gewissenlos muss man sein, um ein Milliarden-Vermögen anzuhäufen? Im exklusiven Jefferson Club in Montana machen die sieben reichsten Männer der Welt an Silvester die Erfahrung, dass man mit Geld nicht alles kaufen kann. Denn die »Dritte Front«, eine militante Organisation, will Gerechtigkeit für Alle. Sie haben den Club überfallen und sämtliche Gäste als Geiseln genommen. Die Reichen sollen büßen für ihre Habgier. Für Mickey Hennessy, den Sicherheitschef des Clubs, beginnt ein Wettlauf mit dem Tod, denn seine drei Kinder befinden sich ebenfalls in der Gewalt der Killer.

MEINUNG:
Stirb langsam meets Tick, Trick & Track meets Wall Street.
Diese augenscheinlich abstruse Mischung bringt Sullivans Werk recht gut auf den Punkt. “Limit” ist nicht weniger als ein großartiges Werk auf mehreren Ebenen. Unterhält es? Auf jeden Fall! Der Handlungsstrang um Mickey Hennesy allein wäre schon Stoff genug für einen  großartigen “Stirb langsam”-Teil. Doch dabei belässt es Sullivan nicht. Tempo – ja. Action – haufenweise. Thrillerelemente – ja. Spannung – auf jeden Fall. De für mich größte Stärke ist jedoch die  Gesellschaftskritik.  Auf den ersten Blick natürlich die Hochfinanz, spielt doch die Zockerei an und die Manipulation der Finanzmärkte ohne Rücksicht auf (menschliche) Verluste eine große Rolle. Doch Sullivan geht noch weiter – und landet einen meiner Meinung nach großartigen Coup: Als reißerisches Element inszeniert er das, was passiert, wenn man “der anonymen Masse” die Wahl über Leben und Tod lässt: Natürlich will der geifernde Mob, immer schön unter dem Deckmäntelchen “Gerechtigkeit”, Blut fließen sehen…

Nun hält Sullivan allerdings kaum die “ganze Menschheit” für widerwärtig, und so bleibt das “Abfeiern” der Entscheidung über Leben und Tod als Kritikpunkt auch lediglich dem bigotten Mob via Internet vorbehalten – der im Nachhinein sogar noch im Abgang einen Denkzettel verpasst bekommt (Stichwort: Leichtgläubigkeit…). Der Gros der agierenden Erwachsenen ist von den auf Internetbasis beruhenden “Urteilen”, die die “Dritte Front” über die reichsten Menschen der Welt fällt, angewidert, allerdings auch fast zum Nichtstun verdammt, weil Dienstwege und Bürokratie Aktionen unterbinden. Einzig der Jugend gewährt Sullivan direktes Eingreifen zu und so wechselt das Agieren von Hennessy zu Beginn der Geiselnahme hin zu seinen Kindern, bis sich die Wege aller erneut kreuzen.

Gelesen wird “Limit” von Simon Jäger und hier muss ich ganz klar sagen: Der Mann hört einfach nicht auf mich zu begeistern. Gerade ein Kaliber wie “Limit”, in dem Charaktere jedweder Coleur agieren, verlangt einem Sprecher verdammt viel ab – und Jäger schafft dies mit einer scheinbaren Leichtigkeit, die fast schon gruselig ist. Egal ob Raubein Hennessy, die auf Wirtschaftskriminalität spezialisierte FBI-Agentin Cheyenne O’Neill, der barsche “General” der ‚Dritten Front‘, die Milliardärsfrauen – Jäger schafft es, jedem seinen passenden Charakter zu verleihen und hält dies durch. Kein Overacting, nichts – man hat einfach direkt die Charaktere vor Augen. Und bei der Interpretation selbst unterschiedlichster Emotionen, sowie dem passenden Tempo der Erzählpassagen macht man Jäger ohnehin nichts vor.

Als Fazit bleibt für mich:
Mit “Limit” ist Mark T. Sullivan ein großartiger und extrem kurzweiliger Actionthriller gelungen, der action- und temporeich ist, allerdings auch, oder gerade durch die Thematiken “Rücksichtslosigkeit der Hochfinanz”, “Bigotterie der Masse”, erfreulich ‚anders‘ daherkommt.
Simon Jäger erweist sich einmal mehr als großartiger Leser, liest und spielt absolut überzeugend und umschifft die Klippe des Overactings mit Leichtigkeit.
Klare Empfehlung für Action- und Thrillerhungrige.

Dorian Hunter (12): Das Mädchen in der Pestgrube


Cover zum Hörspiel "Dorian Hunter (12): Das Mädchen in der Pestgrube". Erschienen bei folgenreich, 2010.

Dorian Hunter (12): Das Mädchen in der Pestgrube
Erschienen bei folgenreich, 2010

SPRECHER:
Thomas Schmuckert, Stefan Zorn, Klaus-Dieter Klebsch, Bernd Rumpf, Luise Lunow, Jessy Rameik, Thomas Nicolai, Steffi Kirchberger, Oliver Kalkofe, Regina Vlek, Marco Göllner, Daniela Sachse, Simona Pahl.

1 Audio-CD
Laufzeit: Ca. 75 Minuten
ISBN: 978-3-8291-2380-8

In Wien hofft Dorian Hunter einen Hinweis zu finden, wie er seinem Erzfeind und „Vater“ Asmodi, dem Lord der Schwarzen Familie, zu Leibe rücken kann: Angeblich existiert ein Pfand, das Asmodi vor vielen Jahren in der Obhut der Schwestern Elisabeth und Marie Reichnitz legte. Doch als Hunter in der Wohnung der Schwestern eintrifft, erwartet ihn eine böse Überraschung – und die Erkenntnis, dass Asmodi ihm stets einen Schritt voraus zu sein scheint.

MEINUNG
Der Verlauf der Geschichte lässt von der Art der Inszenierung her Erinnerungen an Quentin Tarantinos nonlineare Erzählweisen aufkommen. Die Folge beginnt in der Mitte, erzählt dann vom Anfang her weiter, bis man wieder bei der Mitte angelangt ist, garniert mit diversen Einwürfen anderer Handlungsstränge und führt dann zum Ende, das in der Tat nicht nur einiges für Dorian Hunter und den Hörer verändern dürfte. Gewöhnungsbedürftig, in der Tat, und somit sei dem Hörer durchaus angeraten, *genau* hinzuhören.
Per se ist die Geschichte solide – es wird erneut zwischen mehreren Zeitebenen hin- und hergesprungen, mehrere Handlungsstränge laufen zusammen – und mit solide meine auch genau das: Gute Unterhaltung, aber kein massiver “Ausreißer nach oben”. Da spielen exemplarisch die Folgen “Freaks” oder “Die Schwestern der Gnade” doch noch eine Liga höher.

Bei den Sprechern mache ich es kurz: Göllner as usual – egal ob es Douglas Welbat als großartig dargestellter Michael Zamis ist, Thomas Schmuckert als titelgebender Dorian Hunter, oder natürlich Klaus-Dieter Klebsch als Höllenfürst mit einer Vorliebe für eindeutig-zweideutige Oneliner: Keine negativen Ausreißer, alles auf gewohnt hohem Niveau.  Und Freunde der Serie “Jack Slaughter” dürften bei Klebschs Interpretation Asmodis, gerade in Interaktion mit seinem Schergen “Creeper”, grinsen – man wartet förmlich darauf, dass im Hintergrund noch ein Delphin “rumfloppert”.

Effekte und Musik bieten ebenfalls genau das, was man von “Dorian Hunter” erwartet – in Kombination mit den ausgezeichneten Sprecherleistungen einmal mehr die perfekte Symbiose aus Sprache, Musik und Klängen, die die Surrealität des Hunter-Universums nicht nur hör-, sondern regelrecht greifbar machen.

Bleibt als Fazit:
Ein gelungener Jahresausklang für den “Dämonenkiller”, der eine solide, im Gesamtverlauf der Serie allerdings schwächere Story mit starken Sprecherleistungen, grandiosem Sounddesign und dem mittlerweile “typischen” ‘Göllner-Flair” wettmacht. [rd]

Thomas Thiemeyer: KoroNa


Cover des Hörbuchs "Korona", nach dem Roman von Thomas Thiemeyer.Thomas Thiemeyer: Korona
Gelesen von Dietmar Wunder
Argon Verlag, 2010.

6 Audio-Cds
Länge: 476 Minuten
ISBN: 978-3-8398-1053-8

Mit dem Eintreffen eines neuen Teammitglieds in Uganda beginnt für die Gorillaforscherin Imelda Walker ein Abenteuer, das ihre kühnsten Träume übersteigt. Bei einer Expedition ins Hochgebirge stößt ihr Team auf die Ruinen einer versunkenen Hochkultur, die die Forscher vor unerklärliche Phänomene stellt. Bald kann sich die Biologin der Wahrheit nicht länger verschließen: Ihr Team hat das Portal zu einer fremden Dimension durchschritten. Und für die Rückkehr ist es längst zu spät…

MEINUNG:
Was inhaltlich wie eine Mischung aus “Stargate”, “Planet der Affen”, angereichert mit einer Prise “Indiana Jones” klingen mag, entpuppt sich trotz der obig genannten Einflüsse als gänzlich eigenständiges Werk. Thomas Thiemeyer kombiniert einmal mehr fantastische Elemente mit wissenschaftlichen Phänomen und Fakten, so daß trotz aller Fantastik die Geschichte auf einem soliden Fundament aus Glaubwürdigkeit fußt und nicht in unglaubliche Fantastik abdriftet.
Die Einführung der Charaktere und der Ausgangslokalitäten benötigt ein wenig Zeit – beim Ersthören mag man dies als Schwachpunkt ankreiden. Die Stärke dieser scheinbaren Schwäche indes entpuppt sich später überdeutlich: Dadurch, daß Thiemeyer sich recht viel Zeit für die Charaktersierungen nimmt, entsteht eine für das Genre fast untypische Charaktertiefe, die natürlich durch die emotionale Bindung gerade im Abschluß umso stärker ins Gewicht fällt, als wenn man mit eindimensionalen Klischeeinkarnationen gearbeitet hätte.
Und kaum sind die Grundvoraussetzungen geschaffen, schnellt der Spannungsbogen massivst nach oben und bleibt dort bis zum Ende. Die konstant hohe Spannung wird zudem durch die “Mini-Cliffhanger” beim Wechsel zwischen den parallel laufenden Handlungen gehalten, bzw. noch weiter gesteigert.

Gelesen wird das Werk von Dietmar Wunder, der unter anderem auch Thiemeyers “Chroniken der Weltensucher” (Die Stadt der Regenfresser, Der Palast des Poseidon) las. Er nimmt den Hörer hier mit auf eine grandiose Reise – die für sich bereits ungemein packende Abenteuer-Mär gerät dank der Leistung Wunders zu einem famosen ‘Hörfilm’. Die Färbungen der einzelnen Charaktere, das Fingerspitzengefühl beim Erzählen – hier passt schlicht alles.

Als Fazit bleibt:
Eine wortwörtlich abenteuerliche Geschichte, die mit starken Charakteren und trotz genrebekannter Parallelen zu bekannten Filmthemen eigentständig und unglaublich spannend daherkommt und zum wahren CD-Turner wird.
Vorgetragen von einem spielfreudigen und rundum überzeugenden Dietmar Wunder, wird Thomas Thiemeyers “Korona” zu einem Hörbuch, das man durchaus auf den Shortlists der besten Hörbücher 2010 finden sollte. Oder kurz gesagt: Ein Traum von einem Hörbuch.