Mark T. Sullivan: Limit


Mark T. Sullivan: Limit.
Gelesen von Simon Jäger.
Erschienen im Argon Verlag, 2010.

6 Audio-CDs
Länge: 414 Minuten
ISBN: 978-3-8398-9000-4

Wie gewissenlos muss man sein, um ein Milliarden-Vermögen anzuhäufen? Im exklusiven Jefferson Club in Montana machen die sieben reichsten Männer der Welt an Silvester die Erfahrung, dass man mit Geld nicht alles kaufen kann. Denn die »Dritte Front«, eine militante Organisation, will Gerechtigkeit für Alle. Sie haben den Club überfallen und sämtliche Gäste als Geiseln genommen. Die Reichen sollen büßen für ihre Habgier. Für Mickey Hennessy, den Sicherheitschef des Clubs, beginnt ein Wettlauf mit dem Tod, denn seine drei Kinder befinden sich ebenfalls in der Gewalt der Killer.

MEINUNG:
Stirb langsam meets Tick, Trick & Track meets Wall Street.
Diese augenscheinlich abstruse Mischung bringt Sullivans Werk recht gut auf den Punkt. “Limit” ist nicht weniger als ein großartiges Werk auf mehreren Ebenen. Unterhält es? Auf jeden Fall! Der Handlungsstrang um Mickey Hennesy allein wäre schon Stoff genug für einen  großartigen “Stirb langsam”-Teil. Doch dabei belässt es Sullivan nicht. Tempo – ja. Action – haufenweise. Thrillerelemente – ja. Spannung – auf jeden Fall. De für mich größte Stärke ist jedoch die  Gesellschaftskritik.  Auf den ersten Blick natürlich die Hochfinanz, spielt doch die Zockerei an und die Manipulation der Finanzmärkte ohne Rücksicht auf (menschliche) Verluste eine große Rolle. Doch Sullivan geht noch weiter – und landet einen meiner Meinung nach großartigen Coup: Als reißerisches Element inszeniert er das, was passiert, wenn man “der anonymen Masse” die Wahl über Leben und Tod lässt: Natürlich will der geifernde Mob, immer schön unter dem Deckmäntelchen “Gerechtigkeit”, Blut fließen sehen…

Nun hält Sullivan allerdings kaum die “ganze Menschheit” für widerwärtig, und so bleibt das “Abfeiern” der Entscheidung über Leben und Tod als Kritikpunkt auch lediglich dem bigotten Mob via Internet vorbehalten – der im Nachhinein sogar noch im Abgang einen Denkzettel verpasst bekommt (Stichwort: Leichtgläubigkeit…). Der Gros der agierenden Erwachsenen ist von den auf Internetbasis beruhenden “Urteilen”, die die “Dritte Front” über die reichsten Menschen der Welt fällt, angewidert, allerdings auch fast zum Nichtstun verdammt, weil Dienstwege und Bürokratie Aktionen unterbinden. Einzig der Jugend gewährt Sullivan direktes Eingreifen zu und so wechselt das Agieren von Hennessy zu Beginn der Geiselnahme hin zu seinen Kindern, bis sich die Wege aller erneut kreuzen.

Gelesen wird “Limit” von Simon Jäger und hier muss ich ganz klar sagen: Der Mann hört einfach nicht auf mich zu begeistern. Gerade ein Kaliber wie “Limit”, in dem Charaktere jedweder Coleur agieren, verlangt einem Sprecher verdammt viel ab – und Jäger schafft dies mit einer scheinbaren Leichtigkeit, die fast schon gruselig ist. Egal ob Raubein Hennessy, die auf Wirtschaftskriminalität spezialisierte FBI-Agentin Cheyenne O’Neill, der barsche “General” der ‚Dritten Front‘, die Milliardärsfrauen – Jäger schafft es, jedem seinen passenden Charakter zu verleihen und hält dies durch. Kein Overacting, nichts – man hat einfach direkt die Charaktere vor Augen. Und bei der Interpretation selbst unterschiedlichster Emotionen, sowie dem passenden Tempo der Erzählpassagen macht man Jäger ohnehin nichts vor.

Als Fazit bleibt für mich:
Mit “Limit” ist Mark T. Sullivan ein großartiger und extrem kurzweiliger Actionthriller gelungen, der action- und temporeich ist, allerdings auch, oder gerade durch die Thematiken “Rücksichtslosigkeit der Hochfinanz”, “Bigotterie der Masse”, erfreulich ‚anders‘ daherkommt.
Simon Jäger erweist sich einmal mehr als großartiger Leser, liest und spielt absolut überzeugend und umschifft die Klippe des Overactings mit Leichtigkeit.
Klare Empfehlung für Action- und Thrillerhungrige.

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