Gute Nacht mit… Fünf Freunde und der Zauberer Wu


Ebenfalls eine atmosphärisch großartige Folge aus der Feder von Enid Blyton. Dazu noch Hans Paetsch, passt.

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[Review] Gabriel Burns (34+35): Ich weiss, was Angst ist & Das Haus der Seele


Gabriel Burns (34+35): Ich weiss, was Angst ist + Das Haus der SeeleGabriel Burns (34/35):
Ich weiss, was Angst ist
Das Haus der Seele

Idee & Konzeption: Decision Products
Regie: Volker Sassenberg
Musik: Matthias Günthert und Volker Sassenberg
Drehbuch: Andreas Gloge und Volker Sassenberg
Tontechnik & Schnitt: Volker Sassenberg & Marc Sander
Tonassistenz: Kay Müller
Illustration: Ingo Masjoshusmann
Grafik: Marion Mühlberg
Produktion: Volker Sassenberg

Veröffentlicht: Folgenreich / Decision Products, 2010

Sprecher:
Jürgen Kluckert, Hans Paetsch, Andreas Ksienzyk, Bernd Vollbrecht, Ernst Meincke, Bianca Krahl, Björn Schalla, Mario von Jascheroff, Norman Matt, Karl Schulz, Silke Super, Stefan Müller-Ruppert, Daniela Thuar.

Inhaltsangabe (34) des Verlags:

In den hölzernen Götzen-Schreinen am Ufer loderten kleine Feuer. Menschen drängten sich um eine Schar barfüßiger Priester. Ein Rauschen, wie die Schwingen eines großen Raubvogels, fiel über das Dorf. Er hatte sie gefunden …

Der Legende nach befand sich in Jangal Mandir der Zugang zur Unsterblichkeit. Hier verschwand der Strom der Seelen …

Von Schlingpflanzen halb bedeckt zeigten die Enden der Steinpritschen raubtierhafte Fratzen. Die Metallröhre mit dem Stein von Akhilesh hing an einem Ledergurt über Bakermans Schulter. Seine Hand ruhte auf dem Verschluss. Hinter den Fensternischen formten sich weitere Mönche aus dem Nassgrau der fahlen Nacht.

Inhaltsangabe (35) des Verlags:

Er lag unter herabgestürztem Schutt begraben. Regen drang durch das Loch im Dach. Und schwemmte das Blut von seiner Stirn. Das Tal hatte sich geöffnet! Die Schächte offenbarten vertikal abfallende Tunnelwände, in deren Flanken hunderte von Grabmälern eingelassen waren. Der Fahle Ort strebte seiner Erfüllung entgegen. Jangal Mandir ertrank im Tosen des Monsuns.

Die Zerstörungskraft von tausend Sonnen, gebündelt in einem menschlichen Herz. Umgeben von der Allgegenwart des Alten Feindes. Gabriel erhob sich unter den Seinen. Er war frei.

Hier … auf der anderen Seite …

Meinung:

Die Steven-Burns-freie Zeit ist vorbei und die Gesamthandlung nimmt hier endlich mal richtig Fahrt auf: In Indien kreuzen sich die Wege von Steven Burns, Larry Newman, Joyce Kramer, Cardieu, Schmidt und Bakerman wieder und es werden einige Dinge enthüllt, die man wirklich nicht mehr als “Kleinigkeiten” bezeichnen kann.

Storytechnisch muss ganz klar gesagt werden, dass Andreas Gloge auf dem besten Wege ist, die Serie zu ihrer alten Stärke zurückzuführen. Hier bekommt man einen Hochhgeschwindigkeits-Plot serviert, der nicht mit Enthüllungen geizt (die allerdings auch gleichsam teilweise für neue Möglichkeiten und Fragen sorgen), sondern der einen trotz aller Ereignisse nicht wie ein ICE überrollt, sondern die Burns-typische, sedierende Art und Weise beibehält, die sich schnell zum Markenzeichen der Serie entwickelte und im Kontext der Serie essentieller Bestandteil der einmaligen Atmosphäre ist.

Zu den Sprechern kann man einzig sagen: Hoch die Tassen! Volker Sassenberg versteht es nicht nur, großartige Namen richtig für die Rollen zu besetzen, unter seiner Regie laufen die Sprecherinnen und Sprecher auch zu Hochleistungen auf und dabei ist es egal, ob es die alten Burns-Recken Bernd Vollbrecht, Bianca Krahl, Ernst Meincke oder Björn Schalla oder Sprecher wie Mario von Jascheroff sind.

Herausheben möchte ich allerdings Jürgen Kluckert. Er hat in dieser Folge zwar auch den Part des Erzählers einmal mehr großartig absolviert, bietet indes auch eine kleine Überraschung, die ich an dieser Stelle nicht verraten möchte. Nur soviel: Gänsehaut garantiert.

Beim Sound ist und bleibt Burns eine Bank. Eine derart dichte und durchdachte Atmosphäre bekommt man selten geboten – einmal mehr kann man sich kaum der durch dieses brillante Sounddesign erschaffenen Atmosphäre kaum entziehen und wird unweigerlich in diesen düsteren Trip hineingezogen. Auch hier sei jedem Hörer angeraten, sich die Folgen auch über Kopfhörer anzuhören – was das Team um Volker Sassenberg hier erneut erschaffen hat, verdient Respekt.

Als Fazit:
Die Serie bleibt auf Kurs und hält derzeit eine gute und vor allem gut funktionierende Waage zwischen “bei der Stange halten” und Auflösungen. Vorgetragen von einem verdammt guten Sprecherensemble unter einer hervorragenden Regie, begleitet von einem Sounddesign auf höchstem Niveau, werden die Hörer hier auf einen bizarren Trip mitgenommen, den man sich gern auch mehrfach geben kann. Bitte weiter so!

http://www.hergehoert.de/gabriel_burns__34+35.html

[Review] Point Whitmark (26): Die Diener der Pest | Point Whitmark feat. Corvus Corax


Point Whitmark (26): Die Diener der PestPoint Whitmark (26): Die Diener der Pest
Nach einer Erzählung von Bob Lexington

Idee & Konzeption: Volker Sassenberg
Drehbuch: Andreas Gloge & Decision Products
Musik: Matthias Günthert, Volker Sassenberg, Markus Segschneider & Manuel Rösler
Saltarello/Ductia/Trotto“ Interpret und Komponist: Corvus Corax (Originalversion vom Album „Inter Deum Et Diabolum Semper Musica Est“, Pica Records 1993) www.corvuscorax.de
Ton & Schnitt: Volker Sassenberg & Marc Sander
Illustration: Ingo Masjoshusmann
Regie und Produktion: Volker Sassenberg
Veröffentlicht: Decision Products / Folgenreich, 2009

Länge: Ca. 54 Min.
1 Audio-CD

Sprecher:
Jürg Löw, Sven Plate, Kim Hasper, Gerritt Schmidt-Foss, Heike Weber, Engelbert von Nordhausen, Klaus-Peter Beyer, Sonja Spuhl, Olaf Reichmann, Marius Götze-Claren, Dierk Prawdzik, Gerald Paradies, Wolfgang Wagner, Rüdiger Evers, Karin Buchholz, Till Endemann

Inhaltsangabe des Verlags:

Victoria Thornton ist – in Dereks Augen – das schönste Mädchen der High School. Als sie von einer Gruppe mittelalterlicher Spielleute an ein düsteres Familienkapitel erinnert wird, stehen ihr Jay, Tom und Derek zur Seite.

Die Karte des Brandanio führt die Jungen nach Amberville und Jahrhunderte zurück in der Zeit. Gepanzerte Waffenknechte und der unheimliche Pestträger stellen sich ihnen in den Weg. Als das Krächzen der hungrigen Raben ertönt, werden Jay und Tom an den Pranger gestellt. Das Urteil ist verhängnisvoll …

Meinung:

Bereits zum sechsundzwanzigsten Mal geht es nach Point Whitmark, dem idyllischen Küstenörtchen in New Hampshire. Die Ferien brechen an und für Jay, Tom und Derek geht es nach kurzer Einführung direkt auf Reisen: Amberville steht auf dem Programm – ein Dörfchen, das ganz seinen frühen europäischen Wurzeln frönt. Hier spielt man Mittelalter, doch scheint die Grenze zwischen Spiel und Realität zu verschwimmen…

Um es vorweg zu nehmen: Die Folge lebt von der altertümlichen Atmosphäre. Die Story verkommt dabei eher zur Nebensache; man möchte fast sagen „leider“, denn hätte man hier noch eine *richtig* gute Geschichte mit ein paar mehr Wendungen oder weniger „Kommissar Zufall“ hingezaubert, die Folge hätte durchaus die beste der Serie werden können. So ist die Story leider „nur“ gutes Mittelmaß, was jedoch durch die absolut erstklassig inszenierte Umsetzung der Atmosphäre und die Lebendigkeit des Dorfes abgemildet wird.

Zu den Sprechern muss man nicht mehr viel sagen: Jürg Löw, Sven Plate, Kim Hasper und Geritt Schmidt-Foss sind seit Jahr und Tag mit „ihren“ Charakteren vertraut – da gibt es auch diesmal nichts zu beanstanden. Dazu gesellen sich Namen wie Engelbert von Nordhausen und Gerald Paradies, die ebenfalls ihrem guten Ruf gerecht werden und vollauf überzeugen.

Erwähnenswert erscheint mir, gerade im Angesicht diverser Falschmeldungen anderer „Rezensionen“ im Netz, die Richtigstellung, daß Corvus Corax keineswegs von Corvus Corax selbst, sondern von den Synchronsprechern Marius Götze-Claren (Tritonus der Teufel) und Olaf Reichmann (Castus Rabensang) gesprochen werden. Corvus Corax selbst steuerten die Titel „Saltarello / Ductia / Trotto“ bei.

Musik und Geräuscheffekte gehen in dieser Folge eine, wenn nicht gar die stärkste bisher präsentierte Kombination ein – die Musik untermalt hier nicht nur, sie ist ob des Settings der Folge tatsächlich in den jeweiligen Szenen präsent und somit essentieller Bestandteil der vertonten ‚Realität‘, was in Kombination mit den einmal mehr vorbildlich genutzten Geräuschen durchaus angetan ist, die obligatorische „Mauer“ in die Realität zu durchbrechen, in dem die Musik nämlich selbst Teil des Geschehens wird. Ein bemerkenswerter Schachzug, der voll und ganz aufgeht!

Fazit:
Folge 26, Die Diener der Pest, untermauert einmal mehr, daß Point Whitmark eine der besten Kinder- und Jugendserien im Bereich Mystery und Krimi ist – und die schlicht brillante Umsetzung der aussergewöhnlichen Mittelalteratmosphäre, die Lebendigkeit des Dorfes, lassen durchaus über die eher durchschnittliche Geschichte hinwegsehen. Hätte man in diese noch ein wenig mehr „Pepp“ reingebracht, diese Folge hätte die beste der Serie bislang werden können. So bleibt „nur“ ein verdammt gutes Hörspiel, das von einer aussergewöhnlichen und aussergewöhnlich gut umgesetzten Atmosphäre und einem gut aufgelegten Sprecherensemble lebt – und dem ich trotz des kleinen Kratzers „Story“ gern eine Kaufempfehlung ausspreche – nicht nur für Fans der Serie, sondern für alle, die mal wieder eine gepflegte Portion Spannung und eine faszinierende Atmosphäre haben möchten.

[Review] Don Harris (7): Drei Gräber in Sibirien


Don Harris - Psycho-Cop (7): Drei Gräber in SibirienDon Harris (7): Drei Gräber in Sibirien

Buch: Gerry Streberg und Oliver Döring
Regie: Oliver Döring
Sounddesign & Schnitt: ear2brain productions
Produktion: WortArt/ AS Hörspiel GmbH
Realisation: Pe Simon
Illustration: Vladimir Bondar
Artworkgestaltung: Friedemann Weise
Product Management: dp

Sprecher:
Douglas Welbat, Dietmar Wunder, Claudia Urbschat-Mingues, Bernd Rumpf, Torsten Michaelis, Marion von Stengel, Engelbert von Nordhausen, Martin Keßler, Viktor Neumann,  Rainer Fritzsche, Jan Spitzer, Tobias Kluckert, Nico Sablik, Detlef Bierstedt, Philipp Schepmann, Martin May, Boris Tessmann u.a.

Inhaltsangabe des Verlags:

Alan Bancroft, ein erfolgreicher Journalist und inoffizieller Informant des MI6 und der ESI, verschwindet spurlos während seiner Recherchen über Grigori Rasputin in Sibirien.

Mit der Hilfe von Larissa Chamova, einer russischen FSB-Agentin, soll Don Harris aufklären, was mit dem Verschollenen geschehen ist. Das letzte Lebenszeichen Bancrofts liefert Harris nur wenige Hinweise: Rasputin und die Höllensöhne. Die Suche führt sie in ein entlegenes Kloster nahe dem sibirischen Bergdorf Mutow. Es birgt ein unheilvolles Geheimnis, das die ganze Welt verändern könnte …

Meinung:

Nach einer extrem langen Pause geht es mit dem „Psycho-Cop“ Don Harris endlich weiter.

Direkt positiv zu vermerken: Der Don ist nach wie vor ein Garant für ordentliche Action mit einfach gestrickten, allerdings ungemein kurzweiligen Plot. Die Jagd auf die „Höllensöhne“ geht weiter und selbige verfolgen selbstredend nach wie vor ihre zwei Hauptziele: Das Machtpaket XXL inkl. ewigem Leben und die Fortsetzung der „Mach den Don tot“-Show, die diesmal für eine weitere praktische Fähigkeit bei eben jenem sorgt, die einigen Leuten, nun, Kopfzerbrechen bereitet.

Die Handlung an sich greift Rasputin auf, einen Trank, der angeblich ewiges Leben gewährt und der zudem Tote wieder zum Leben erwecken soll. Was sich in Kombination mit dem Autoren Jason Dark wie „Sinclair 2.0“ liest, entpuppt sich jedoch keinesfalls als Dämonenlastiges Gruselactionspektakel, sondern als reinrassiger Actionthriller. Im Kontext der Rahmenhandlung funktioniert die Folge ebenfalls und bringt diese gerade im Bezug auf Harris einen deutlichen Schritt nach vorn.

Bei den Sprechern bleibt alles wie gehabt: Oliver Döring ist und bleibt ein Garant für Sprecherleistungen, die, egal in welchem Genre er sich austobt, einfach passen und rundum überzeugen. Dazu noch eine Prise Selbstironie, die man beispielsweise aus der ebenfalls unter Dörings Regie entstandenen „John Sinclair Classics“-Serie kennt, und fertig ist das für Döring typische Rundum-Sorglos-Hollywood-für-die-Ohren Gesamtpaket.

Effekttechnisch geht es ebenfalls fett zu und wie immer sind besonders Dons Gaben, die Visionen und seine neue Fähigkeit (Spoiler: Gedankenkontrolle anderer Menschen), hervorzuheben – auch hier ist und bleibt man dank ear2brain Productions ein Vorzeigeprodukt und transportiert Blockbusterwürdige Bilder in Tonform ins Ohr.

Fazit:
Lang hat’s gedauert, doch das Warten hat sich definitiv gelohnt. Don Harris gibt auch in Folge 7 Vollgas, sowohl was die einfache, indes extrem kurzweilige Handlung, als auch die Sprecher nebst deren Leistungen und die musikalisch und effekttechnische Untermalung betrifft. SO muss moderne Action klingen.

http://www.hergehoert.de/don-harris_7_drei-graeber-in-sibirien.html

[Review] Morton Rhue: Ich knall euch ab!


Morton Rhue: Ich knall euch ab! (OT: Give a boy a gun; GoyLit / Jumbo Verlag)Morton Rhue: Ich knall euch ab!
(OT: Give a boy a gun)

Gelesen von Julia Nachtmann, Jürgen Uter, Samuel Weiss u.a.

Veröffentlicht: GoyaLiT / Jumbo Verlag, 2009

2 Audio-CDs
ISBN-Nr. 978-3-8337-2290-5

Inhaltsangabe des Verlags:

Gary und Brendan sind Außenseiter. In ihrer Schule herrscht eine klare Trennung zwischen Sportlern auf der einen und Nicht-Sportlern auf der anderen Seite. Demütigungen sind an der Tagesordnung. Die Lehrer schauen weg. Der Hass auf die Mitschüler wächst, und nach und nach reift in der Phantasie der beiden Jungen der Plan, es den anderen richtig heimzuzahlen. Ihr Vorbild: Die Amokläufer der Columbine Highschool in Littleton. Aus der Phantasie wird Realität: die Situation eskaliert beim Abschlussball in der Turnhalle.

Meinung:

Amokläufe an Schulen schockieren ohne Frage – doch was treibt bereits Jugendliche dazu, ihr Leben meist „wegzuwerfen“ und andere Personen dabei in einem Strudel aus blankem Hass und Gewalt mitzureißen?

Es ist das Paradoxon schlechthin: Die Massenmedien, die eigentlich einen Informationsauftrag verfolgen sollten, haben sich seit Jahr und Tag ihre eigene quotenträchtige Wahrheit erfunden und entsprechend einsetig wird auch über derartige Tragödien berichtet – die wahren Ursachen werden bewusst ignoriert.

Es ist traurig, daß hier die Fiktion die Realität begreiflicher rüberbringt, als es das Informationssystem an sich tut: Rhue ersann zwar ein fiktives Szenario, basierend jedoch auf der grausamen Realität. Im Gegensatz zu den Massenmedien zwingt Rhue den Leser dazu, ein Gesamtbild zu betrachten: Soziales Umfeld, Eltern, Freunde, Schule, Sport, Freizeit – und genau darin liegt die Stärke des Romans: Ohne die Moralkeule zu bemühen, ohne die von den Medien etablierten Klischees zu bedienen, zeichnet Rhue ein Bild erschreckender Nachvollziehbarkeit und hält der Gesellschaft ein nachdenklich stimmendes Bild vor. Heraus kommt ein Zusammenspiel vieler Aspekte, das -so sollte man eigentlich den menschlichen Verstand einschätzen- ohnehin bereits auf der Hand liegt. „Doom“ und „CounterStrike“ machen aus Jugendlichen keine Tötungsmaschinen. Nicht jede Kritik an der Person legt gleich den Schalter auf „Amok“ um. Aber es muss darüber nachgedacht werden, wie wir -die Gesellschaft- mit uns und vor allem mit unseren Kindern umgehen. Und dazu kann jeder etwas beitragen.

Dies vermittelt Rhue, und im Falle von „Ich knall euch ab“ tut er dies obendrein mit einer gewagten, indes gänzlich überzeugenden Stilform: Als Nachbereitung. So kommen mehrere Personen aus dem Leben der zwei fiktiven Amokläufer zu Wort, wie auch die beiden Täter selbst – in ihren Abschiedsbriefen.

Es ist keine Erzählung an sich. Es gibt keine Linearität, keine Abfolge von Handlungspunkten. Es werden Kommentare abgegeben – von eben den Personen, die die (Gefühls-)Welt der beiden Amokläufer seit dem siebten Schuljahr bis hin zur Tat beleuchten.

Es mag anfangs gewöhnungsbedürftig sein, doch gerät das Ziel, ein Gesamtbild der Tat sowie deren Wurzeln zu vermitteln, mit diesem Kniff wesentlich authentischer als man es mit einer typischen, spannungsorientierten Handlung hätte erreichen können.

Passend ist zudem, daß die unterschiedlichen Charaktere auch von jeweils unterschiedlichen Sprecherinnen und Sprechern gelesen werden – viele zudem noch unbekannt und gerade deshalb um ein vieles authentischer, als wenn man den obligatorischen „Hollywood-Kader“ vor’s Mikrofon gebeten hätte.

Ob seiner  andauernden Aktualität und der erschreckend authentisch wirkenden Hörbuchversion ist „Ich knall euch ab“ eine klare Empfehlung – und es bleibt die Hoffnung, daß wenn die Fiktion ein derart nachhaltig zum Denken anregendes Bild zu zeichnen vermag, auch die Massenmedien und somit ein Teil der Bevölkerung umdenken und zu handeln vermögen – im Sinne einer Gesellschaft und nicht der modernen Hexenjagd auf quotenträchtige „schwarze Peter“.

http://www.hergehoert.de/morton_rhue__ich_knall_euch_ab.html

[Review] Chuck Palahniuk: Fight Club


Chuck Palahniuk: Fight Club (gelesen von Tobais Meister)Chuck Palahniuk: Fight Club
erschienen in der Reihe TV Movie Kopfkino
Gelesen von Tobias Meister

4 Audio-CDs
Spieldauer: 295 Minuten
ISBN: 978-3-86604-561-3

Label: Random House Audio
Vertrieb: Edel Distribution GmbH

Inhaltsangabe des Verlags:

FIGHT CLUB. In einem Underground-Boxclub prügeln sich desillusionierte Männer mit der nackten Faust die Leere und Langeweile ihres Lebens aus dem Leib. Nach und nach entwickelt sich aus dem Club eine Organisation, die es sich zum Ziel setzt, die gesamte moderne Zivilisation zu zerstören.
CHUCK PALAHNIUK wurde 1962 in Pasco/USA geboren. Gewalt ist Teil seiner Familiengeschichte: Sein Großvater tötete erst seine Ehefrau und dann sich selbst, sein Vater wurde vom Ex-Mann seiner Geliebten erschossen. Palahniuk veröffentlichte bisher sieben Romane.
TOBIAS MEISTER ist die deutsche Synchronstimme von Hollywood-Star Brad Pitt. Den Roman „Fight Club“ liest er exklusiv für TV Movie.

Meinung:
Die erste Regel lautet: Man verliert kein Wort über den Fight Club.
Die zweite Regel lautet: Man verliert KEIN Wort über den Fight Club!
Die dritte Regel lautet: Gehört wird ohne Hemd und ohne Schuhe und die CDs dauern so lange, wie sie dauern müssen.

Fight Club‚ ist einer jener seltenen Filme, die über ihr Entstehungsjahr oder -jahrzehnt Bestand haben. Einer jener Filme, die sich in die Filmgeschichte eingebrannt haben. Mit seiner schonungslosen, harten, dreckigen und düsteren Optik inszenierte seiner Zeit David Fincher nicht nur einen brillianten Thriller, sondern gleichzeitig auch knallharte Gesellschaftskritik und Psychogramm gleichermaßen.

Nun liegt mit „Fight Club“ der erste Teil der schlichtweg begrüßenswerten TV Movie Kopfkino-Hörbuchreihe vor – angepriesen als „Schlag in die Magengrube“. Und in der Tat: Das Hörbuch ist genau dies!

Chuck Palahniuk verfasste mit „Fight Club“ einen Roman, der direkt, dreckig, hart und ehrlich der Gesellschaft regelrecht die Anarchie ins Gesicht kotzt! Wer sich über die überdeutliche Wortwahl wundert: Sie ist angemessen. Palahniuk geht es nicht um Schönes, nicht um gehobenes Niveau, es geht ihm schlicht und einfach nur darum, einen der wichtigsten und einprägsamsten Romane der letzten Jahre zu verfassen, der sich -wie auch schon Bret Easton Ellis- nicht um gesellschaftliche Verklemmtheiten, Normen und Regeln schert, sondern einen Sturm der Anarchie entfesselt, dem man sich nicht entziehen kann.

Tyler Durden. Robert Paulson. Du hast meine Mutter gekocht. Ich bin so ZEN! Nichts ist statisch – alles zerbricht. Weltraumaffen. Worte, die man so schnell nicht mehr aus dem Ohr kriegen wird, denn Palahniuk versteht es geradezu meisterlich stilistische Elemente wie übergreifende Wiederholungen und Variationen, Simultanschaltung von Vergangenem und Gegenwärtigen, sowie nahezu schon lyrischer Gewalt zu einem Erlebnis zu verknüpfen, das weit über das normale Erzählen hinausgeht. „Fight Club“ ist inhaltlich, wie auch vom Stil her brilliant.

Und diese Brillianz findet sich in der Erzählkunst von Tobias Meister wieder, der selbst Tyler Durden im Film synchron gesprochen hat. Dachte ich anfangs noch, Meister ist gut, keine Frage – aber im Film hat Andreas Fröhlich den größeren Monologanteil als namenloser Hauptcharakter. Wieso also…? Spätestens nach der ersten (akkustischen) Begegnung mit Tyler Durden wirft man diese Frage über Board. Meister IST Durden. Er LEBT diese Anarchie voll aus, er SPIELT und er rotzt dem Hörer diese Kaltschnäuzigkeit, diese (fragwürdige) Autorität geradewegs entgegen. Perfekt. Auf den Punkt.
Dabei versteht Tobias Meister es während der sarkastisch-zynischen Passagen gekonnt mit einem gewissen, jedoch nicht unpassenden Humor zu kokettieren, während in den harten Passagen der raue Ton die Oberhand hält. Daß er zudem noch den eigenwilligen Schreibstil Palahniuks zu einem gelungenen Audiotrip werden lässt, ist dann noch das Tüpfelchen auf dem i.

Bleibt als Fazit:
Uph! Das hat gesessen. Ein Hörbuch, wie man es wohl nur selten zu hören bekommt. Hier wurde ein brilliant geschriebener, stilistisch sehr abgefahrener Anarcho-Hammer dank Tobias Meisters wortwörtlich meisterlicher Lese- bzw. Spielkunst zu einer 4CD langen Tour de Force, die man kaum unterbrechen mag. Schlichtweg brilliant – oder eben als treffendes Wortspiel: Ein Meisterstück!