Kolumne: ‚Scheiss auf’s Herzblut!‘


Man kennt das Phänomen nicht erst seit gestern aus dem Forenleben:

Es gibt Bereiche, die sind qualitativ gesehen sehr tolerant. Toleranz ist per se ja nichts Schlechtes, weiß Gott nicht – einzig wenn es geradezu bigotte Formen annimmt, kann einem schon mal die Halskrause schwillen.

Nun, Thema: Ein Klein(st)label ist am Start. Die ersten paar Folgen sieht man Schwächen nach, ok. Danach kann man realistisch bleiben, oder man gehört zu obig bereits erwähnter Spezies, die sich den auch nach den Folgen 4, 5 nicht besser werdenden Schrott mit dem Argument “Aber man muss das doch auch mal so sehen: Da steckt aber doch soooo viel Herzblut drin…” schönhören.

Sorry, Leute: Einen Scheiß muss ich!
Ich muss für das Produkt zahlen – *das* muss ich.

Ja, Anfangsschwierigkeiten kann und wird es überall geben – aber nach einer gewissen Zeit erwarte ich natürlich auch Verbesserungen (Ausnahme natürlich, wenn ein junges Label gleich mit quasi-perfekten Produktionen daherkommt -mehrfach passiert). Wer indes kritik- und qualitätsresistent ist und sich mit triefendem Gutmenschentum selbst den grausigsten Hörkot zur Rettung des angeschlagenen Mediums Hörspiel schönredet, der belügt nicht nur sich selbst, sondern richtet auch in zwei weiteren Punkten durchaus Schaden an. Zum einen freut sich Label X, Label Y darüber, daß sie Komplimente kriegen; ergo: Verbessunerungen nicht nötig, schließlich liefert man ja schon die perfekten Produktionen ab, wozu also noch groß Zeit in Verbesserungsüberlegungen investieren?

Ok – daß Qualität nicht immer ein Garant für das Durchsetzen am Markt ist, haben wir gerade im Jahr 2010 erlebt. Aber wenn sich Kunden die Abfeierei durchlesen, beherzt zu CD oder legalem Download greifen und sich dann letztlich die Frage stellen, ob sie tatsächlich das gleiche Hörspiel gehört haben wie die Abfeier-Truppen, *dann* wird es kritisch. Denn genau diese Leute werden dann sicher nicht mehr so schnell zugreifen.

Zum anderen hat diese sinnlose Abfeierei und das Schönreden durchaus Potential, das Hörspiel als Ganzes einmal mehr zu diskreditieren, frei nach dem Motto: “Auf was diese HSP-Nerds so abfeiern, un-fuckin’-believable. Naja, ist halt nur so ein Spaten-Medium, mit Qualität hat das nichts zu tun.

Letztlich stehe ich auf dem Standpunkt:
Herzblut ist sicher nicht verkehrt, aber ist das Ergebnis auf Dauer suboptimal (oder, geradeheraus gesagt: Dauer-Scheiße), sollte man dies auch sagen und dazu stehen dürfen. Denn schlussendlich will derjenige, der produziert, natürlich Geld dafür haben – aus lauter Spaß an der Freude geht wohl kaum einer auf den Markt.  Und sobald ich für etwas Geld zahle, erwarte ich eine Gegenleistung. Strebt die gen Null, dann heißt es für mich definitiv:

Scheiß auf’s Herzblut –  Qualität ist wichtiger!

Im semiprofessionellen Bereich und bei Amateurhörspielen ist mir das peng. Da geht es tatsächlich um Spaß an der Freud.
Betreibt man das Produzieren von Hörspielen indes kommerziell, hat man eine Verantwortung dem Medium und eine Verpflichtung dem Kunden gegenüber. That’s it.

Wenn die Qualität nicht stimmt, sind mir als Kunde letztlich Zeit und Geld zu schade – und das kann nicht im Interesse eines Labels sein. Trotz Herzblut.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s