Wulf Dorn: Kalte Stille


Wulf Dorn: Kalte Stille (2010, Lübbe Audio. Gelesen von David Nathan)Wulf Dorn: Kalte Stille
Gelesen von David Nathan
Veröffentlicht: 2010, Lübbe Audio

6 Audio-CDs
Länge: 431 Minuten
ISBN: 978-3-7857-4439-0

Inhaltsangabe des Verlags:

Wenn die Stille zum Alptraum wird …
Eine Tonbandaufzeichnung, die in abrupter Stille endet – unerträglicher Stille. Mehr ist Jan Forstner von seinem kleinen Bruder nicht geblieben. Vor dreiundzwanzig Jahren ist Sven spurlos verschwunden. In derselben Nacht verunglückte auch sein Vater unter rätselhaften Umständen. Beide Fälle konnten nie aufgeklärt werden. Als Jan gezwungen ist, an den Ort seiner Kindheit zurückzukehren, holt ihn die Vergangenheit wieder ein. Ein mysteriöser Selbstmord führt ihn zu einem schrecklichen Geheimnis.

MEINUNG

Wulf Dorn ist mit “Kalte Stille” ein Thriller der tatsächlich leisen Töne gelungen – statt auf Krawall, Massaker, Hektoliter Blut und herumfliegende Gedärme im Sekundentakt, präsentiert er hier einen kühlen, stillen Thriller, verstörend in Handlung und Charakterisierung und dennoch ungemein fesselnd. Tatsächlich ist in “Kalte Stille” so gut wie kein Charakter seelisch heil, was nicht nur als Ausgangspunkt wunderbar funktioniert, sondern den Hörer auch mit ihnen im weiteren Verlauf der Geschichte mitfühlen lässt. Dorn umschifft die Klippe, daß Charaktere auf den ersten Blick zwar interessant erscheinen, im weiteren Verlauf jedoch zu wandelnden Klischeeinkarnationen verkommen. Gewiss, einige Male wird auch hier in der Klischeekiste gerührt, doch driftet Dorn nie in Gefilde ab, die auch nur ansatzweise beim Hörer ein Zucken im Finger in Richtung “Stopp”-Taste hervorrufen. Die Geschichte ist vom Anfang bis zum Ende packend erzählt – Dorn lässt den Leser, respektive Hörer bei wichtigen Aspekten immer schön lange “zappeln”, baut Spannung auf und löst dann auf – und das in einer Atmosphäre, die die Kälte aus dem Titel durchaus verdient.

Allerdings sollte eines beachtet werden: “Kalte Stille” kann durchaus als bedrückend empfunden werden – es ist gewiss kein “mal eben Gute Laune hören”-Hörbuch.

Gelesen wird das Werk von David Nathan – allein die Erwähnung des Namens dürfte mittlerweile nicht nur Kennern als Garant für superbe Erzählungen sein. Nathan belegt mit seiner Leistung bei “Kalte Stille” einmal mehr, daß er zu den absoluten Top-Sprechern Deutschlands zählt. Er charakterisiert die Charakter, spielt sie realistisch, kein Overacting, keine Aussetzer – David Nathan ist und bleibt pures Stimmgold und macht “Kalte Stille” zu einem atmosphärischen Erlebnis, das trotz abstinenten Bombasts der Handlung fesselt – oder gerade deshalb.

Musikalisch wie immer Minimalkost – Intro und Outro, dazu noch ein Wechseljingle am Ende jeder CD. “Lübbe as usual”.

Als Fazit bleibt eine tatsächlich eher stille Geschichte, die in ihrer streckenweisen Kälte und der Thematik gleichsam bedrückend wie faszinierend ist, Spannung fernab von Gesplatter und Krachbumm bietet und von einem verflucht guten David Nathan gespielt wird, der einmal mehr seine herausragenden Fähigkeiten als Erzähler unter Beweis stellt.

 

http://www.hergehoert.de/review_wulf-dorn_kalte-stille.html

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