Markus Heitz: Fetzer


Markus Heitz: FetzerMarkus Heitz: Fetzer

Regie: Günter Merlau
Autor: Markus Heitz
Musik: Günter Merlau

Sprecher:
Jürgen Holdorf, Wolfgang Berger, Ranja Bonalana, Dorothea Hagena, Uwe Hügle, Gwenyth Dimonye.

Veröffentlicht: 2010, LAUSCH – Phantastische Hörspiele

1 Audio-CD
ISBN: 9783939600725

Inhaltsangabe des Verlags:

München, 2015.
Seit dem Ausbruch des Carnivor-Virus wandeln Untote unter den Menschen. Doch diese Tatsache birgt nicht nur Schrecken, sondern auch Möglichkeiten für die Medienindustrie neue Märkte zu erschließen. Zombiefilme mit “echten” Darstellern und „echten“ Metzeleien boomen und haben den Filmgesellschaften eine neue Blütezeit beschert. Nur die vom Seuchenschutz als Zwangscarnivoren bezeichneten Zombies, die ihren Blutdurst nicht unter Kontrolle haben, werden von einer Spezialeinheit bekämpft. Als das Team um Einsatzleiter Botschinski jedoch versehentlich einen der „Star-Zombies“ der Fetzer-Filmstudios ausschaltet, wird schnell klar, dass es weitaus grausamere Gegner gibt, als die wandelnden Untoten…

Meinung:

Vorab eine Anmerkung: “Fetzer” als Hörspiel anzusehen beschert ein ernüchterndes Erlebnis – unter der Prämisse “Hörspiel” kamen mir mehrfach nicht nur drei ??? in den Gedankenstrom. Ich persönlich ordne “Fetzer” vielmehr in den Bereich Hörbücher ein – eine inszenierte Lesung, wenn man möchte. Der Erzähleranteil ist nämlich regelrecht verinnahmend, die Spieleinwürfe hingegen  nehmen einen geringen Anteil ein.

Ok, nachdem das nun vom Tisch ist und ich “Fetzer” als Hörbuch in meine Gehörgänge gelassen habe, kann ich nun folgendes konstatieren:

“Fetzer” ist ein Glanzstück, allerdings -auch dies sei explizit erwähnt- ein reines Genrestück! Mainstream geht anders – Gott sei Dank. Hier wird der Zombiethematik in Reinkultur gefrönt, Hirnfressende Zombies, Blut, abgetrennte Gliedmaßen, Sarkasmus in Reinkultur und ein anständiger Schuß Gesellschaftskrtik – Erinnerungen an Herrn Romero werden nicht nur einmal wach. Heitz hat, man verzeihe mir den Ausdruck, aber er passt hier einfach, Eier in der Hose – “Fetzer” haut rein, schreibt nicht schön, sondern atmet das Genre regelrecht in jeder einzelnen Sekunde.

Umgesetzt wurde es von LAUSCH, und einmal mehr zeigt sich, daß Günter Merlau ein wortwörtlicher Künstler ist, der geschickt Konventionen brechen kann – und das Ganze dadurch umso faszinierender daherkommt, aber sicher nicht jedermanns Geschmack treffen wird (und will).

Die Umsetzung ist -um mal Politikerdeutsch zu bemühen- “brutalst möglich” passiert: Die (mal mehr, mal verdammt viel weniger) debile Zombiebrut frühstückt sich mit derart beängstigend realistischer Untermalung durch die Gegend, daß es für Genrefans ein reines Freudenfest ist. Auch die Gadgets der Spezialeinheit, die der Freßorgie der hirngeilen Leckermäulchen gern ein feuergeladenes Ende bereitet, lassen förmlich Filmflair aufkommen. Und dann darf man natürlich die Sprecher nicht vergessen, insbesondere Hauptsprecher und Erzähler Jürgen Holdorf, der für den fließenden Übergang zwischen Spiel und Erzähltext sorgt.

Nun, das Haar in der Suppe – auch das gibt es, allerdings ist hier für mich lediglich die Alterserwähnung etwas schräg: Die freundliche Frau Michelsberger, eine angeblich 40jährige Powerfrau und Chefin der Fetzer Filmstudios – nun, Powerfrau: ja. Fies, verschlagen, verachtenswert gespielt (im positiven Sinne): ja. Aber 40jährig? Definitiv nein.

Musikalisch ist das Werk ebenfalls sehr eigen – aber keineswegs “schlecht”; im Gegenteil: Das vornehmlich verwendete Elektrothema unterstreicht nicht nur die Genrezugehörigkeit der Geschichte, sondern verleiht der Produktion ein minimalistisches Gesicht, das rundherum passt.

Fazit:
Wer ein ZombiehörSPIEL erwartet, wird massiv enttäuscht sein, denn ein Spiel ist es wohl kaum – dafür nehmen die Erzähleranteile zuviel Platz ein und aus dem Spiel Tempo raus.
Wem allerdings eine inszenierte Lesung  liegt, wird hier feiern – da überzeugt “Fetzer” nämlich durchweg.

http://www.hergehoert.de/markus-heitz_fetzer.html

Ein Gedanke zu “Markus Heitz: Fetzer

  1. Apropos Eier in der Hose, bei der „Vorstellung“ auf der Hörspiel bzw. dem Gespräch u.a. mit Markus Heitz, bei dem eine schön splatterige Szene lief, merkte man ihm an, dass ihm das etwas geschockte Publikum doch etwas peinlich war … 😉

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