[Review] Cody Mcfadyen: Ausgelöscht


Cody Mcfadyen: Ausgelöscht (Lübbe Audio, 2010)Cody Mcfadyen: Ausgelöscht

Gelesen von Franziska Pigulla
Veröffentlicht: Lübbe Audio, 2010

6 Audio-CDs
427 Minuten
ISBN: 978-3-7857-4331-7

Inhaltsanagebe des Verlags:

Während Smoky Barrett und die anderen Gäste auf das Brautpaar am Altar blicken, hält ein Lieferwagen vor der Kirche und eine Frau wird hinausgestoßen. Ihr Kopf ist kahl geschoren, ihre Haut ist blutig. Die Frau wurde vor sieben Jahren entführt. Weitere Frauen werden aufgefunden, die seit Jahren verschwunden waren. Sie alle können nicht mehr sprechen, denn ihnen wurden zentrale Nervenbahnen im Gehirn durchtrennt …

 

Meinung:

Ausgelöscht“ – um es knallhart zu sagen: Der Name ist Programm; leider im negativen Sinne.

Ausgelöscht scheint nämlich Mcfadyens Gespür für nervenzerrende Spannungsbögen mit einem dauerhaft vorhandenen Unterton subtiler Bedrohung. Eben jene Elemente, die er so meisterhaft in „Die Blutlinie“ und „Der Todeskünstler“ zelebrierte. Und es ist gewiss nicht der für Mcfadyen ungewohnt zahme Bodycount, denn Spannung lässt sich bekanntlich nicht nach Anzahl der zerstückelten Leichen pro Minute berechnen. Nein, was dieser Geschichte fehlt, sind die unberechenbaren Momente, Augenblicke, in denen man glaubt, alles könne passieren. Doch diese sind rar gesäät, an derer statt findet sich Mcfadyen diesmal leider knietief im Sumpf der Banalitäten und Vorhersehbarkeiten wieder und lässt zudem kein Klischee aus. Zugegeben, auch seine Vorgängerromane erfanden das Rad gewiss nicht neu und suhlten sich streckenweise in Klischees, indes spielte Mcfadyen geradezu virtuos auf der Genreklaviatur, wohingegen er diesmal, bildlich gesprochen, lediglich den Flohwalzer zum Besten gibt.

Das ist bitte nicht falsch zu verstehen und gewiss lesen sich die ersten Zeilen härter, als sie gemeint sind. Im Vergleich: Waren obig genannte „Blutlinie“ und „Todeskünstler“ bluttriefende, zugleich ungeheuer raffiniert angemachte Gourmet-Gänge, so ist „Ausgelöscht“ nach „Das Böse in uns“ nur der konsequente Weitergang in ein Fastfood-Restaurant: Schmack-, aber nicht nahrhaft.

Was also macht „Ausgelöscht“ dennoch schmackhaft?

Zwei Dinge: Zunächst hat man bei der Scriptbearbeitung und der Regie verdammt gut gearbeitet und das, was die Story hergibt, gut zusammengestrichen und arrangiert. Definitiver Pluspunkt.

Zum anderen natürlich ist es einmal mehr Franziska Pigulla, die mit ihrer unverwechselbaren Stimme etliche Macken der Story wettmacht. Pigulla schafft es immer wieder, eine ganz eigene Atmosphäre entstehen zu lassen, wenn sie die unterschiedlichsten Charaktere lebensecht im „Kopfkino“ entstehen lässt – und das ist insbesondere bei einer schwachen Story wie „Ausgelöscht“ ein Rettungsanker, der das Hörbuch zwar nicht in höchste Höhen, aber zumindest über den Durchschnitt reißt.

Somit bleibt als Fazit ein Hörbuch mit der bislang schwächsten Story Mcfadyens, welches jedoch durch die Scriptbearbeitung, die Regie und vor alem durch Franziska Pigullas Leistung aus dem “Absturz” gerettet wird. Ähnlich einem guten Burger „schmeckt“ dieses Hörbuch zwar beim Hören, aber es hat keinen nachhaltigen Mehrwert. Es macht durchaus Spaß, doch bleibt die Hoffnung, daß Mcfadyen sich für den nächsten Band wieder auf seine Stärken besinnt.
Solange können sich Smoky-Barrett-Fans mit „Ausgelöscht“ zwar behelfen, eine generelle Thrillerempfehlung mit Nachhaltigkeit kann ich diesmal jedoch leider nicht aussprechen – und das geht wirklich allein auf die Kappe Mcfadyens.

http://www.hergehoert.de/review__cody-mcfadyen__ausgeloescht.html

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