[Review] Chuck Palahniuk: Fight Club


Chuck Palahniuk: Fight Club (gelesen von Tobais Meister)Chuck Palahniuk: Fight Club
erschienen in der Reihe TV Movie Kopfkino
Gelesen von Tobias Meister

4 Audio-CDs
Spieldauer: 295 Minuten
ISBN: 978-3-86604-561-3

Label: Random House Audio
Vertrieb: Edel Distribution GmbH

Inhaltsangabe des Verlags:

FIGHT CLUB. In einem Underground-Boxclub prügeln sich desillusionierte Männer mit der nackten Faust die Leere und Langeweile ihres Lebens aus dem Leib. Nach und nach entwickelt sich aus dem Club eine Organisation, die es sich zum Ziel setzt, die gesamte moderne Zivilisation zu zerstören.
CHUCK PALAHNIUK wurde 1962 in Pasco/USA geboren. Gewalt ist Teil seiner Familiengeschichte: Sein Großvater tötete erst seine Ehefrau und dann sich selbst, sein Vater wurde vom Ex-Mann seiner Geliebten erschossen. Palahniuk veröffentlichte bisher sieben Romane.
TOBIAS MEISTER ist die deutsche Synchronstimme von Hollywood-Star Brad Pitt. Den Roman „Fight Club“ liest er exklusiv für TV Movie.

Meinung:
Die erste Regel lautet: Man verliert kein Wort über den Fight Club.
Die zweite Regel lautet: Man verliert KEIN Wort über den Fight Club!
Die dritte Regel lautet: Gehört wird ohne Hemd und ohne Schuhe und die CDs dauern so lange, wie sie dauern müssen.

Fight Club‚ ist einer jener seltenen Filme, die über ihr Entstehungsjahr oder -jahrzehnt Bestand haben. Einer jener Filme, die sich in die Filmgeschichte eingebrannt haben. Mit seiner schonungslosen, harten, dreckigen und düsteren Optik inszenierte seiner Zeit David Fincher nicht nur einen brillianten Thriller, sondern gleichzeitig auch knallharte Gesellschaftskritik und Psychogramm gleichermaßen.

Nun liegt mit „Fight Club“ der erste Teil der schlichtweg begrüßenswerten TV Movie Kopfkino-Hörbuchreihe vor – angepriesen als „Schlag in die Magengrube“. Und in der Tat: Das Hörbuch ist genau dies!

Chuck Palahniuk verfasste mit „Fight Club“ einen Roman, der direkt, dreckig, hart und ehrlich der Gesellschaft regelrecht die Anarchie ins Gesicht kotzt! Wer sich über die überdeutliche Wortwahl wundert: Sie ist angemessen. Palahniuk geht es nicht um Schönes, nicht um gehobenes Niveau, es geht ihm schlicht und einfach nur darum, einen der wichtigsten und einprägsamsten Romane der letzten Jahre zu verfassen, der sich -wie auch schon Bret Easton Ellis- nicht um gesellschaftliche Verklemmtheiten, Normen und Regeln schert, sondern einen Sturm der Anarchie entfesselt, dem man sich nicht entziehen kann.

Tyler Durden. Robert Paulson. Du hast meine Mutter gekocht. Ich bin so ZEN! Nichts ist statisch – alles zerbricht. Weltraumaffen. Worte, die man so schnell nicht mehr aus dem Ohr kriegen wird, denn Palahniuk versteht es geradezu meisterlich stilistische Elemente wie übergreifende Wiederholungen und Variationen, Simultanschaltung von Vergangenem und Gegenwärtigen, sowie nahezu schon lyrischer Gewalt zu einem Erlebnis zu verknüpfen, das weit über das normale Erzählen hinausgeht. „Fight Club“ ist inhaltlich, wie auch vom Stil her brilliant.

Und diese Brillianz findet sich in der Erzählkunst von Tobias Meister wieder, der selbst Tyler Durden im Film synchron gesprochen hat. Dachte ich anfangs noch, Meister ist gut, keine Frage – aber im Film hat Andreas Fröhlich den größeren Monologanteil als namenloser Hauptcharakter. Wieso also…? Spätestens nach der ersten (akkustischen) Begegnung mit Tyler Durden wirft man diese Frage über Board. Meister IST Durden. Er LEBT diese Anarchie voll aus, er SPIELT und er rotzt dem Hörer diese Kaltschnäuzigkeit, diese (fragwürdige) Autorität geradewegs entgegen. Perfekt. Auf den Punkt.
Dabei versteht Tobias Meister es während der sarkastisch-zynischen Passagen gekonnt mit einem gewissen, jedoch nicht unpassenden Humor zu kokettieren, während in den harten Passagen der raue Ton die Oberhand hält. Daß er zudem noch den eigenwilligen Schreibstil Palahniuks zu einem gelungenen Audiotrip werden lässt, ist dann noch das Tüpfelchen auf dem i.

Bleibt als Fazit:
Uph! Das hat gesessen. Ein Hörbuch, wie man es wohl nur selten zu hören bekommt. Hier wurde ein brilliant geschriebener, stilistisch sehr abgefahrener Anarcho-Hammer dank Tobias Meisters wortwörtlich meisterlicher Lese- bzw. Spielkunst zu einer 4CD langen Tour de Force, die man kaum unterbrechen mag. Schlichtweg brilliant – oder eben als treffendes Wortspiel: Ein Meisterstück!

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