MindNapping (2): Die 9mm-Erbschaft


MindNapping (2): Die 9mm-Erbschaft (Idee und Buch: Raimon Weber; Audionarchie e.K., 2011)MindNapping (2): Die 9mm-Erbschaft
Idee und Buch: Raimon Weber

Erschienen: Audionarchie e.K., 2011

Sprecher:
Gordon Piedesack, Rüdiger Schulzki, Patrick Bach, Christine Pappert, Martin May, Sylvie Nogler, Wolf Frass, Konrad Halver, Sascha Rotermund, John Ment

Inhaltsangabe des Verlags:

Erst der Selbstmord ihres Vaters bringt die Brüder Richard und Brendan wieder zusammen.
Sie besuchen die Orte ihrer glücklosen Kindheit. Tief in den Wäldern der amerikanischen Ostküste. Doch sie sind nicht allein. Etwas folgt ihnen. Schlägt immer wieder brutal zu. Konfrontiert die Brüder mit den Schrecken der Vergangenheit. Und treibt sie in den Wahnsinn …

Meinung:

Nach dem gelungenen Einstieg in die Reihe, liegt mit der zweiten Folge ein Hörspiel aus der Feder von Raimon Weber und ein absolutes Kontrastprogramm zum Vorgänger vor.

Webers Stärken kommen auch hier voll zum Einsatz: Kaum jemand schafft es derart albtraumartige Beklemmung in fulminanter, düster-eleganter, teilweise elegischer Wortkunst zu zelebrieren ohne dabei die Geschichte an sich zu vernachlässigen, wie er.

Die Story an sich, das sei ohne Spoiler verraten, fußt natürlich wieder in der Realität, obschon einige Begebenheiten im Reich des Übernatürlichen angesiedelt scheinen. „MindNapping“ bleibt Psychothriller, kein „Sixth Sense“.

Die Sprecher erneut vortrefflich gewählt und eingesetzt. Gordon Piedesack als Erzähler erweist sich als As im Ärmel, denn entgegen Folge 1 trägt hier der Erzähler einen Großteil des Hörspiels und Piedesack erweckt die Düsternis in Webers Texten zu einem substantiellen ‚Hauptdarsteller‘.

Patrick Bach glänzt als Bredan Monroe, dem die schwierige Kindheit unter seinem Vater deutlich zugesetzt hat. Während er den eher labilen, verstörten Bruder gibt, darf Martin May das totale Gegenteil spielen: Sein Richard Monroe ist deutlich extrovertierter, zielgerichteter. Schöner Punkt, daß hier zwei gegensätzliche „Trauma-Verarbeitungsergebnisse“ integriert wurden.
Rüdiger Schulzki spielt den „Alten“ James Edward Monroe mit hörbarem Spaß an diesem durchaus verabscheuungswürdigen Charakter, trifft seine hämischen, böswilligen und gefühllosen Seiten genau.
Definitiv erwähnenswert ist auch Wolf Frass, der hier als Linus Reed den ortskundigen Führer in den endlosen Wäldern der Ostküste gibt und mit seiner leicht grummeligen, dennoch netten Art auch diesen Charakter voll und ganz trifft.

Musik und Effekte – ich wiederhole mich gern aus Folge 1: Passt, dezent, atmosphärisch. Musikalisch ein definitiv gelungener Kniff: Das Titelthema zieht sich durch die Folge – sogar mit Variationen. Mal orchestral, mal solo, wechselnde Instrumente – und durchweg passend und die Atmosphäre verstärkend.

Als Fazit bleibt erneut: Patrick Holtheuer wird auch mit dieser Folge seinem Anspruch gerecht und liefert einen extrem atmosphärischen und nicht minder spannenden Thriller, dessen Stärken hier vor allem die Wortgewaltigkeit eines Raimon Weber in Kombination mit einem hervorragenden Sprecherensemble und einer trefflichen Musik- und Effektuntermalung sind. Kontrastprogramm zum „Quasi-Kammerspiel“ von Folge 1 – wer Thriller mag, einfach mal „frischen Wind“ in seine Hörspielsammlung bringen oder einen „Kurztrip“ in eine wunderbar atmosphärische Hörwelt machen möchte, sollte hier definitiv zugreifen.

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[Review] Gruselkabinett: Das Schloß des weissen Lindwurms (Bram Stoker)


Gruselkabinett: Das Schloss des weißen Lindwurms (nach Bram Stoker; Titania Medien, 2009)Gruselkabinett: Das Schloß des weißen Lindwurms
Basierend auf dem Roman von Bram Stoker

Regie: Marc Gruppe
Veröffentlicht: Titania Medien; 2009

SPRECHER:
Markus Pfeiffer, Hasso Zorn, Joachim Pukaß, Katja Nottke, David Nathan, Melanie Hinze, Peter Reinhardt, Anja Stadlober.

1 Audio-CD
ISBN-Nr.: 978-3-7857-3825-2

Inhaltsangabe des Verlags:

Der junge Australier Adam Salton folgt der Einladung seines einzigen noch lebenden Verwandten nach Lesser Hill. Richard Salton hofft, dass sein Großneffe dort eines Tages sein Erbe antreten wird. Der Familiensitz liegt in einer äußerst geschichtsträchtigen Gegend, der es nicht an exzentrischen Bewohnern mangelt. Eine von ihnen ist die faszinierende Lady Arabella March, die Herrin eines auf einer Halbinsel gelegenen Schlosses…

Meinung:

Das Schloss des weißen Lindwurms“ erzählt die dramatischen Erlebnisse des jungen Australiers Adam Salton, der auf Wunsch seines Großonkels Richard Salton dessen Erbe auf Lesser Hill antreten soll. Samt Hab, Gut und Mungo Mr. Bagles macht sich der junge Salton auf nach England und findet sehr zu seinem Entzücken neben neben einem sehr netten Großonkel und einem loyalen, alten Freund (gewisse Ähnlichkeiten zu einem Abraham van Helsing sind sicherlich nicht ganz zufällig…) auch eine junge Dame, die seinen Annäherungsversuchen nicht abgeneigt ist.

Soweit, so gut? Nicht ganz, denn Stoker ist bekanntlich nicht der „Gute Laune“-Papst unter den Schriftstellern. So schleicht, oder besser gesagt: Schlängelt sich hier das Grauen heimlich, still und leise ein, denn nach und nach entdeckt Adam, daß die an sich so idyllische Gegend eine nicht ganz idyllische Geschichte hat.

Vorab sei erwähnt, daß es sich bei der vorliegenden Version keinesfalls um eine 1:1-Umsetzung handelt. Einige Dinge wurden gestrafft, andere weggelassen. Dennoch, oder gerade deshalb, gelingt es Gruppe einmal mehr, einen ordentlichen Spannungsbogen über die gesamte Laufzeit zu spannen – bis auf das Ende, denn dieses ist  in meinen Ohren leider nicht glücklich gewählt: Der “Showdown” ist dramaturgisch schlicht zu knapp gehalten. Überhaupt kam das titelgebende Fabelwesen viel zu kurz weg, so daß eine tatsächlich greifbare Bedrohung kaum vorhanden ist. Hier wäre es definitiv wünschenswert, hätte man sich an den Originalroman gehalten.

Neben der imho zu kurz geratenen Einbindung des Lindwurms, kommt leider auch Lady Arabella nicht ganz so bösartig und bedrohlich rüber, wie sie es sollte. Exemplarisch sei erwähnt, daß Arabella im Hörspiel zwar nicht gerade freundlich auf Saltons Mungo reagiert, dies in der Vorlage jedoch deutlich drastischer ausfällt… – auch hier kommt man nicht richtig auf „Betriebstemperatur“, leider – und so stiehlt der eigentliche „Nebenfiesling“ Edgar Caswell (herrlich-schmierig gesprochen von David Nathan) der „Hauptschurkin“ dann auch die Show, was dramaturgisch gesehen ebefalls absolut unglücklich ist.

Technisch gesehen punktet das Hörspiel jedoch wieder auf ganzer Linie: Neben einem erstklassigen Sprecherensemble ist das gesamte Hörspiel -einmal mehr- mit brillanten und brilliant eingesetzten Geräuscheffekten unterlegt, begleitet von einer sich nahtlos in die Atmosphäre einfügenden Musik. Hier ist Titania Medien seit Jahr und Tag vorbildlich und untermauert dies gekonnt mit dieser Folge.

Bleibt als Fazit:
Das Schloss des weissen Lindwurms“ ist sicherlich ein gutes und atmosphärisches Hörspiel, allerdings diesmal nicht in der Titania üblichen Referenzklasse. Dafür gibt es leider einige dramaturgische Punkte, die dies verhindern – da hätte der eine oder andere ausgelassene Punkt der Vorlage einiges retten können, doch kommen in der vorliegenden Version leider kaum Bedrohung und Bösartigkeit der Hauptschurkin auf, ebensowenig wie der titelgebende Lindwurm für greifbaren Grusel sorgt.

Gewiss, Freunde gruseliger Klassiker können auch hier wieder bedenkenlos zugreifen, doch ist man von Titania durchaus andere „Kaliber“ gewohnt – höre „Die Familie des Vampirs“, „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“, „Der Fall Charles Dexter Ward“ oder „Spuk im Hill House“.

 

[Review] Gruselkabinett: Der fliegende Holländer (nach Heinrich Heine)


Gruselkabinett: Der fliegende Holländer (nach Heinrich Heine; Titania Medien, 2007)Gruselkabinett: Der fliegende Holländer
Basierend auf Motiven von Heinrich Heine

Regie: Marc Gruppe
Veröffentlicht: Titania Medien; 2007

SPRECHER:
David Nathan, Wolfgang Condrus, Roland Hemmo, Barbara Adolph, Uli Krohm, Simon Jäger, Tommy Morgenstern, Nicolas Artajo, Thomas Nero Wolff, Dascha Lehmann und Heinz Ostermann.

1 Audio-CD
ISBN-Nr.: 978-3-7857-3350-9

Inhaltsangabe des Verlags:

Bis in alle Ewigkeit verflucht, muss das Geisterschiff des fliegenden Holländers die Weltmeere auf der Suche nach der ersehnten Erlösung der Mannschaft durchstreifen. Unheil droht demjenigen, der dem rotglühenden Dreimaster in stürmischer Nacht begegnet. Verderben hingegen wird dem zuteil, der sich mit dem verfluchten Kapitän des Seglers einlässt …

Meinung:

Lang bevor Disney mit dem „Fluch der Karibik“ die Geister der See wieder einer breiten Masse zugänglich machte und Kapitän Jack Sparrow auf den zu ewigen Leben verdammten Barbossa traf, spukte eine ähnlich klingende Geschichte durch die Welt und fand sich in allerlei Kunstgattungen wieder, in denen sich zwei besonders bekannte Namen befinden. Richard Wagner, der seine gewaltige Oper 1843 uraufführte – und diese nie hätte komponieren können, wäre er nicht einige Jahre zuvor über Heinrich Heines „Die Memoiren des Herren von Schnabelewopski” gestolpert.
Auf Motiven selbiger basiert der bereits zweiundzwanzigste Eintrag in der erfolgreichen Historie von Titania Mediens „Gruselkabinett”.

Marc Gruppe und Stephan Bosenius haben sich von Anfang an der Schauerromantik verschrieben, respektive keine sinn- und handlungslosen Metzelorgien, in denen uninteressante Klischeeinkarnationen durch langweilige Handlungsversätze, so man sie so nennen möchte, von einem Blutbad zum nächsten waten. Sowohl Gruppe, als auch Bosenius haben in den bereits über zwei Dutzend umfassenden Geschichten des „Gruselkabinetts” bewiesen, daß es um mehr geht: Charaktere, die beim Hörer Empathie wecken und Emotionen, die nicht durch hektoliterweise vergossenes (Hör)Blut erzeugt werden können.

In exakt dieser Tradition präsentiert sich auch „Der fliegende Holländer”, und ist, mehr noch als die vorigen Folgen, Aushängeschild für den Begriff „Schauerromantik”. Geradezu brilliant ist die „Erzählung in der Erzählung in der Erzählung”. Das Skript ist von herausragender Qualität, offeriert diese Art der Erzählweise doch gleich etliche Fallen, die indes galant umgangen wurden. Der letztliche Kern aus Protagonisten und antagonistischen Kräften, der beiderseitige Konflikt sowohl auf Seiten des verfluchten Kapitäns, als auch der hübschen Katharina, die beide ihrem Willen nach für einander bestimmt sind und doch scheitern müssen, offenbart in jeder Minute was der Begriff „Schauerromantik” bedeutet.

Getragen wird das Hörspiel von den Sprechern, insbesondere durch die Leistungen von Roland Hemmo, Dascha Lehmann, Barbara Adolph, Wolfgang Condrus und natürlich David Nathan, der dem verfluchten Kapitän genau das richtige Maß an Tragik und Verzweiflung einhaucht.
Gruppe hat ein ungemein gutes Gespür dafür, wie er die Sprecherinnen und Sprecher zu wahren Höchstleistungen führen.

Auch musikalisch gerät das vorliegende Werk ebenfalls zu einer der besten Folgen der Reihe. Oft wird auf die Oper von Wagner verwiesen – kein Wunder also, daß es beeindruckend und regelrecht pompös zugeht und doch passt die Musik in jedem einzelnen Einsatz perfekt und lässt, unterstützt vom ebenfalls vorbildlichen Einsatz von Geräuscheffekten, eine Atmosphäre entstehen, der sich der Hörer kaum zu entziehen vermag.

So kann auch „Der fliegende Holländer” aus dem Hause Titania Medien einzig mit einer deutlichen Empfehlung bedacht werden. Durch die Verquickung aus bestechendem Skript, den zugänglichen Charakteren, perfekt agierenden Sprecherinnen und Sprechern, einer absolut wasserdichten musikalischen und effektmäßigen Untermalung, sowie einer daraus resultierenden, unglaublich dichten Atmosphäre, untermauern Gruppe und Bosenius einmal mehr ihre Fertigkeit, in Zeiten von in Blut ertränkten Schockern mit filigranen und in der Tat schaurig-romantischen Klassikern einen Gegenpol zu setzen, der nicht mit dem Ende der CD in Vergessenheit gerät.

 

[Review] Tom Angleberger: Yoda ich bin! Alles ich weiß!


Tom Angleberger: Yoda ich bin! Alles ich weiß!Tom Angleberger: Yoda ich bin! Alles ich weiß!

Gelesen von Maximilian Artajo, Maximiliane Häcke, Luca Kämmer, Finn Kirschner, Moritz Meid, Nina Mölleken, Patrick Mölleken, Hannah Schepmann, Julia Schepmann.

Veröffentlicht: Baumhaus Verlag, Lübbe Audio; 2011

2 Audio-CDs
Länge: 124 Minuten
ISBN: 978-3-8339-5232-6

Inhaltsangabe des Verlags:

Dwight gibt seinen Mitschülern plötzlich verblüffend kluge Ratschläge.  Er kann das, weil er eine Yoda-Fingerpuppe aus Papier gebastelt hat. Mit der rennt er jetzt durch die Schule – und diese altkluge Origami-Figur berät die Schüler von nun an in allerlei Fragen: Wann steht der nächsten Test an? Und wer hat die Shakespeare-Figur gestohlen? Plötzlich glauben einige an Origami-Yoda, andere meinen, es sei nur ein Stück Papier. Bald ist klar: Wer die Puppe hat, hat die Macht.  Aber ein Kind will die Wahrheit herausfinden…

Meinung:

Vorab: Mir sagte weder der Name Tom Angleberger etwas, noch hatte ich eine Idee, worum es in diesem (Hör-)Buch überhaupt ging. Wichtig war für mich: Yoda ist irgendwie dabei. Nuff said! Als Star Wars Fan, insbesondere des kleinen grünen Jedimeisters mit der eigentümlichen Satzbauweise, war für mich klar: Das Teil *musst* du hören.

Ein nerdiger Sechstklässler, ein reinrassiger Loser, taucht eines Tages mit einer Yoda-Origamipuppe in der Schule auf und diese verteilt dann reihenweise bizarre, aber im Resultat gute Ratschläge. Das Hörbuch an sich ist eine Nachbereitung dieser fiktiven Episoden, die aus der jeweiligen Sicht der verschiedenen Charaktere geschildert wird, zusammengefasst als „Untersuchung“ der Vorkommnisse.

Nun muss man fairerweise vorab sagen: Wer hier eine Star Wars-lastige Erzählung erwartet, der wird schwer enttäuscht sein. Angleberger hat sich die obligatorischen Probleme seiner Alterszielgruppe vorgenommen und so finden sich statt Raumschlachten oder anderweitiger SciFi-Elemente hier durchweg Probleme des (vornehmlichen Schul-)Alltags angehender Teenager. Der Origami-Yoda allerdings spricht in der Tat in der gleichen eigentümlichen Art, wie Yoda es in den ‚Star Wars‘-Filmen tat. Dazu gibt es natürlich auch jeweils kurze Erwähnungen oder Verweise auf diverse Helden der Popkultur, wie eben Yoda, Obi-Wan Kenobi, Spiderman oder Gandalf. Da kommt durchaus hier und da „Fanboy“-Feeling auf.

Die Thematiken, die Angleberger behandelt, dürften wohl so ziemlich allen 12-, 13jährigen zumindest in ähnlicher Form bekannt sein. Einen massiven Pluspunkt verzeichnet ‚Yoda ich bin – Alles ich weiß‘ dadurch, daß der Origami-Yoda für ältere eigentlich bekannte „Lebensweisheiten“ in passender Form einbringt – Pluspunkt eben deshalb, weil die Kids wohl regulär wenig empfänglich für sowas wären, da solche Tipps gemeinhin von Eltern oder Lehrern oder anderweitig „uncoolen“ Personen kommen. Dadurch jedoch, daß es hier ‚Yoda‘ macht, umschifft man eben diese Klippe der Ablehnung, denn so merkwürdig es vielleicht für Erwachsene klingen mag: Yoda dürfte für Kids und junge Teenager wohl zugänglicher sein, als wenn die „Alte“ oder der „Alte“ wieder ihre weisen Ratschläge anbringen müssen, wo in der richtigen Laune eh nach 5 Sekunden die „Ohr an Hirn“-Leitung bewusst unterbrochen wird.

Gesprochen werden die unterschiedlichen Figuren von jeweils unterschiedlichen Sprechern. Ähnlich Morton Rhues „Ich knall euch ab!“ in Hörbuchform, erweist sich die Aufteilung der jeweils unabhängigen ‚Berichte‘ an jeweils eigene Sprecherinnen und Sprecher als Pluspunkt. Unter den Namen finden sich Maximilian Artajo und Patrick Mölleken, die beide einen hervorragenden Job abliefern, doch auch die restlichen Sprecher machen ihre Sache solide bis sehr gut und man darf gespannt sein, was dieser „Nachwuchs“ in den kommenden Jahren abliefern wird.

Effektmäßig überrascht positiv, daß man beim Lesen auch auf ‚Audioanpassungen‘ setzte, so werden SMS oder Interviews via Diktiergerät (oder Handy-Aufnahme) entsprechend klanglich wiedergegeben, was ebenfalls dem Realismus verdammt gut zu Gesicht steht.

Musikalisch gibt es als Jingle ein sehr stark an John Williams‘ „Star Wars Theme“ angelegtes Stück – schade, daß es nicht tatsächlich das Original ist, aber da wäre vermutlich ein Lizenzchaos losgebrochen, denn die Lizenz von LucasArts bezieht sich ja „nur“ auf die Vorlage.

Spaßiges Gimmick am Rande: Das Booklet der CDs enthält eine Bastelanleitung für den eigenen Origami-Yoda.

Bleibt als Fazit:
Yoda ich bin – Alles ich weiß“ ist ein amüsantes, sehr liebevoll gemachtes und zeitgemäßes Hörbuch für Kids und angehende Teeanger. Es werden humorvoll Probleme des (Schul-)Alltags der Jüngeren mit ‚Lebensweisheiten‘ kombiniert, die eben durch den Fakt, daß sie von einem Origami-Yoda vermittelt werden und nicht von „uncoolen Spießern“ (Eltern etc.), durchaus auf offene Ohren bei der Zielgruppe stoßen können.
Solide bis sehr gut gelesen von mehreren Sprechern, inszeniert, diverse Verweise auf Popkultur-Ikonen, dazu Yodas seltsame Sprache, fertig ist ein Hörbuch, das vor allem bei der Zielgruppe gut ankommen wird.

 

http://www.hergehoert.de/yoda-ich-bin-alles-ich-weiss.html

MindNapping (1) – Auf gute Nachbarschaft


MindNapping (1) - Auf gute Nachbarschaft (Audionarchie, 2011)MindNapping (1): Auf gute Nachbarschaft

Idee: Patrick Holtheuer und Marcus Görner
Buch: Marcus Görner
Veröffentlicht: 2011, Audionarchie e.K.

SPRECHER:
Sascha Rotermund, Reinhilt Schneider, Konrad Halver, Jan-David Rönfeldt, Detlef Bierstedt, Stephan Chrzescinski, Gordon Piedesack, John Ment.

Inhaltsangabe des Verlags:

Nach dem Tod seiner Eltern fällt der Schriftsteller Hank Lewis in ein tiefes Loch. Bis ein mysteriöser Fremder in das Nachbarhaus einzieht. Hank hat von nun an keine ruhige Minute mehr. Der neue Nachbar scheint ihm nachzustellen und schreckt auch nicht vor Gewalt zurück. Was ist das Motiv des Fremden? Während eines Unwetters kommt es zum grauenvollen Finale …

Meinung:

Mit „MindNapping (1): Auf gute Nachbarschaft“ gibt Patrick Holtheuers Label „Audionarchie“ sein Debüt. Nicht jedoch auf den allgemein florierenden Horrorbereich setzend, sondern mit Psychothrillern soll die Hörerschaft unterhalten werden. Dafür vorab schonmal ‚Daumen hoch‘, denn leichter wäre es sicherlich mit Dämonenjäger No. 123456 gegangen – doch hier wurde bewußt ein anderer Weg gewählt.

Zur Story:
Übernatürliche Elemente fehlen, stattdessen wird tatsächlich das geboten, was die Serie verspricht: Ein reinrassiger Psychothriller. Der Spannungsbogen wird konsequent gesteigert, ist gespickt mit Hinweisen, die auf das Ende hindeuten, welches dann genregetreu böse ausfällt und sich nicht an obligatorische Happy-End-Zwänge hält. Der Verzicht auf einen Erzähler bringt die Handlung wesentlich intimer herüber – eine kluge Entscheidung.

Sprechermäßíg gibt es durch die Konzentration auf den Hauptcharakter Hank Lewis und seine Nemesis ein recht kleines Ensemble – dafür aber durchweg klangvolle Namen: Sascha Rotermund gibt einen großartigen Hank Lewis am Rande des Wahnsinns, Reinhilt Schneider mit ihrer unvergleichlichen Stimme Hanks besorgte Tante. Konrad Halver liefert einen wunderbar grantigen Nachbarn, doch den Vogel abgeschossen hat definitiv Jan-David Rönfeldt: Sein Elan Whisk kommt wirklich beängstigend böse rüber. Kein Overacting, nicht der typische „Ich muss alles erklären und halte ellenlange dumme Monologe“-Bösewicht, sondern ein wirklich unglaublich bedrohlicher Geselle dank einer exquisiten Leistung von Rönfeldt.

Musik und Effekte werden passend eingestzt; gerade die Geräusche steigern in Kombination mit dem abstinenten Erzähler die bizarr-realistische Atmosphäre noch. Die Musikuntermalung, bewußt minimal gehalten, bringt die permanente Bedrohung und das mysteriöse Treiben auf den Punkt und verleiht der Folge ein akustisches Gesicht, welches sie beispielsweise von Folge 2 schon komplett unterscheidet.

Summa summarum:
Ein verflucht starker Einstieg in den Markt. Eine durch Genrekenntnis und diverse Hinweise im Hörspiel selbst zu entschlüsselnde Grundidee wird souverän in einen verdammt guten Klangmantel gepackt. Das Spiel der Sprecher kann man, insbesondere auf Sascha Rotermund und Jan-David Rönfeldt bezogen, nur als großartig bezeichnen. Effekte und Musik werden dezent eingesetzt, verleihen der Episode ein eigenständiges, akustisches „Gesicht“ und zaubern eine wunderbar gruselig-intime Atmosphäre, was durch das Fehlen eines Erzählers noch verstärkt wird. „Auf gute Nachbarschft“ kann ich nicht nur Thriller-Freunden, sondern uneingeschränkt empfehlen.

 

[Review] F. Paul Wilson: Handyman Jack – Schmutzige Tricks


F. Paul Wilson: Handyman Jack - Schmutzige Tricks (gelesen von Detlef Bierstedt)F. Paul Wilson:  Handyman Jack – Schmutzige Tricks
Gelesen von Detlef Bierstedt

Regie, Produktion & Dramaturgie: Lars Peter Lueg
Veröffentlicht: LPL Records, 2008

Länge: 210 Minuten
3 Audio-CDs
ISBN-Nr.: 978-3-7857-3552-7

Inhaltsangabe des Verlags:

Wenn der Abfluß mal verstopft ist, sollte man Handyman Jack lieber nicht rufen. Jack repariert nämlich andere Sachen: Probleme, mit denen sonst niemand fertig wird. Er kümmert sich für gutes Geld darum, daß Unrecht bestraft wird. Dabei verlässt er sich auf eine Kombination aus Können und Dreistigkeit.

Handyman Jack ist ein Held – aber auch ein Rätsel. Er lebt im Untergrund. Niemand kenn seine Identität. Jack verkörpert eine tödliche Mischung aus “Zorro” und Bruce Willis.

Meinung:

Wenn Stephen King und Dean Koontz nahezu unisono auf ein Werk regelrecht abfeiern, dann hat dies durchaus Signalwirkung. Wenn sich King zudem noch als „Präsident des Handyman Jack Fanclubs“ zu Lobeshymnen hinreißen lässt und Koontz die Figur von F. Paul Wilson als “eine der originellsten und faszinierendsten Figuren zeitgenössischer Literatur” beschreibt, dann sollte man vielleicht mal mehr als nur ein Auge oder ein Ohr riskieren.

In der Tat, die Geschichte um das “Phantom” Jack zieht einen von der ersten Sekunde an in ihren Bann. Wilson schafft es, den Hauptcharakter nebst seiner Fähigkeiten, aber auch seiner liebenswerten Spleens in packenden Geschichten agieren zu lassen, die Thrillerunterhaltung mit, insbesondere in «Zwischenspiel im Drugstore» vorhandenem, triefend schwarzem Humor verquicken, daß es einem Quentin Tarantino zu Ehren gereichte. Jack selbst kommt dabei wie eine Kreuzung aus Ein-Mann-Version des “A-Teams” und John McClane daher.

Die Stories sind hart, schnell, spannend und “pulp”. Wilson hetzt seinen Hauptcharakter durch irrwitzige, teils geradezu abstruse Situationen, gesatattet ihm “Macken” wie die alljährliche Kranzniederlegung auf dem Empire State Building zu Ehren King Kongs oder Shurikentraining mit Kakerlake – und all dies ohne daß dieser scheinbare Widerspruch zwischen  Suspense und Humor negativ zu Buche schlägt, im Gegenteil: Es zeichnet gerade die Einführung aus und passt perfekt in die Welt des titelgebenden “Handyman”.

Handlungstechnisch spielen sich drei Geschichten in diesem Hörbuch ab, alle drei gänzlich unterschiedlich und zu keinem Moment auch nur ansatzweise langweilend. Diese schräge Tour de force scheint auch Erzähler Detlef Bierstedt zu gefallen, denn mit hörbarem Spaß an dieser skurrilen Figur agiert er, wie ich ihn bislang noch nicht als Erzähler erlebte. Nicht distanziert, sondern” mittendrin”, Bierstedt spielt die unterschiedlichen Figuren, verleiht ihnen eine jeweils passende Couleur und reißt den Hörer von Anfang an mit in die Welt des Autors und die irrwitzigen Episoden um den Titelcharakter. Detlef Bierstedt liefert hier eine in jedem Punkt grandiose Erzählung ab, bringt genau die richtige Portion augenzwinkernder “Unernsthaftigkeit” ein, die zu den harten und ja, auch durchaus brutalen Thrillparts den für Pulp typischen Gegensatz bildet und die man fürchterlich hätte übertreiben  können.

Doch Bierstedt gelingt die Wanderung auf diesem äußerst schmalen Grat zwischen reinem Thrillermodus und dem schwarzen Humor Wilsons auf schlicht brilliante Art und Weise.

Mit “Handyman Jack” lässt LPL Records eine neue und äußerst gelungene Hörbuchreihe auf den Markt los, die sich wie Tarantinos Filme gewohnten Konventionen verschließt, dafür jedoch als völlig (positiv gemeint:) irre Spielwiese mit interessanten Charakteren, einer ordentlichen Portion Härte und nicht zuletzt mit packenden Geschichten und einer Prise Augenzwinkern erfrischend anders und unkonventionell daherkommt.

Thrillerfreunde im Gesamten und Pulp-Liebhaber im Besonderen kommen an dieser Reihe nicht vorbei. Jack rockt!

[Review] David Ignatius: Der Mann, der niemals lebte


David Ignatius: Der Mann, der niemals lebte (Audiobuch Verlag, 2007. Gelesen von Johannes Steck)David Ignatius: Der Mann der niemals lebte
Gelesen von Johannes Steck
Veröffentlicht: Audiobuch Verlag, 2007

Länge: 428 Minuten
6 Audio-CDs
ISBN-Nr.: 978-3-89964-302-2

Inhaltsangabe des Verlags:

Die CIA ist ratlos: Jeder Versuch, einen Maulwurf bei Al-Quaida einzuschleusen, mißlingt. Da kommt der in Jordanien stationierte Agent Ferris auf eine zündende Idee: Wenn man die Organisation nicht infiltrieren kann, muß man eben so tun als ob. Es wird eine Leiche im Libanon plaziert. Und tatsächlich: Das trojanische Pferd erzielt den gewünschten Erfolg. Doch dann wird Ferris plötzlich selbst entführt …

Meinung:

Ein Thriller, der sich den “Krieg gegen den Terrorismus” zum Thema nimmt, kann völlig danben gehen. Glücklicherweise ist David Ignatius dieses Dilemma erspart geblieben, denn mit “Body of Lies”, bzw. “Der Mann, der niemals lebte” liefert er den Beweis dafür, daß intelligente Agententhriller keine triefenden Klischees brauchen, um zu funktionieren.

Gleich vorweg: Wer “heroische Amerikaner schlagen bösen Terroristen (natürlich islamistischen Glaubens) wieder so richtig klischeebeladen ein Schnippchen” erwartet, sollte sich andere Kost suchen. Ignatius hat keine saubere CNN-Variante gezaubert, sondern einen Roman, der auf beiden Seiten, sowohl der Amerikaner, als auch der Araber, das triefende Schwarz/Weiß-Getue verbannt und zeigt, daß auf beiden Seiten Menschen agieren, die manipulieren können, die betrügen, belügen, aber auch lieben und für ihre Prinzipien eintreten können.

Nun ist “Der Mann, der niemals lebte” kein Islam-Bashing, ebensowenig wie ein Anti-Amerika Pamphlet. Exemplarisch hat der “normale” Held in Agenthrillern immer eine reine Weste, schafft ohne ernsthafte Probleme alles – nur hat Roger Ferris weder eine reine Weste, noch durchschreitet er das Intrigenspiel ohne Blessuren.

Andersrum agieren auch die sonst in ähnlichen Romanen immer als rückständig und/oder sinnlos brutal agierenden Araber hier auch nicht den allseits bekannten Klischees entsprechend. Und auch die amerikanische CIA, insbesondere personifiziert durch Ed Hoffman, bekommt eine ordentliche Portion Kritik an der amerikanischen Überheblichkeit den Arabern gegenüber ab, also imho durchaus realistisch(er) als viele andere Romane dieses Genres. Niemand hat in diesem Thriller den “Gut”- oder “Böse”-Schein in reinem Schwarz oder reinem Weiß gepachtet – das darzustellen und vor allem als essentiellen Bestandteil seiner bitterböse durchdachten Handlung zu etablieren, ist Ignatius perfekt gelungen.

Vorgetragen wird das Ganze von Johannes Steck, der nicht nur eine verdammt markante, sondern auch eine passende Stimme hat, wenn es darum geht, Thriller zu tragen.
Steck erweist sich durchweg als Glücksgriff. Er haucht den Figuren Leben ein, variiert den Tonus seiner Stimme entsprechend und lässt auch den hier und da nötigen arabischen Dialekt passend und imo (in meinen Ohren) nicht unfreiwillig komisch einfließen. Steck verleiht zudem den Emotionen der Akteure Gewicht. Er schreit, er röchelt, er flucht – und lässt durch die Authentizität den “Film im Kopf” entstehen.

Bleibt als Fazit:
Der Mann, der niemals lebte” gehört in die Sammlung eines jeden, wirklich jeden Agententhriller-Fans, der einem Schuß Realismus nicht abgeneigt ist. David Ignatius ist ein brillanter Thriller gelungen, der den Hörer in eine ziemlich ungeschönte Welt der Spionage zieht und auf tumbe Schwarz/Weiß-Malerei verzichtet.

Vorgetragen von einem verdammt gut aufgelegten Johannes Steck, avanciert “Der Mann, der niemals lebte” zu einem ungheuer intensiven “Film im Kopf”, den sich Hörbuchfans im Gesamten, Thrillerfreunde im Besonderen definitiv nicht entgehen lassen können.