Greg Rucka: Dschihad


Greg Rucka: Dschihad (Lübbe Audio)Greg Rucka: Dschihad
(OT: A Gentlemen’s Game)

Erzählt von Arianne Borbach
Umfang: 4 CDs
ISBN: 978-3-7857-3582-4
Erschienen bei: Lübbe Audio

= = = INHALTSANGABE DES VERLAGS = = =

Nach einem Brandanschlag auf die Londoner U-Bahn mit vielen Todesopfern beschließt die englische Regierung einen Vergeltungsschlag gegen den Dschihad: eine Aufgabe für die operative Abteilung des MI6. Die Wahl fällt auf Tara Chace, die ehrgeizige und begabte Agentin, deren Disziplin allerdings manchmal zu wünschen übrig lässt, besonders wenn es um Männer geht.

= = = MEINUNG = = =

Vorab: Selten habe ich ein zwiespältigeres Hörbuch gehört. Großartig und „WTF“ geben sich hier durchaus die Klinke in die Hand. Woran das liegt, mögen die nächsten Zeilen erläutern.

Zunächst zur Geschichte:
Man merkt, daß Rucka keineswegs fantasielose, eindimensionale Terror-/Antiterrorklischees bedienen möchte. Die Verwicklungen und Intrigen, die Geheimdienste, Außen- wie Innenministerien manches mal ersinnen, steigern die ohnehin schon spannende Geschichte um „Minder 1“, Tara Chase, ihres Zeichens Frontfrau einer auf Field Operations spezialisierten Abteilung des britischen Geheimdienstes und laufen letzten Endes geschickt gestrickt mit ihr zusammen. Die Fiktion wirkt durchgehend authentisch und auch wenn es um radikalisierte Islamisten geht, so reitet Rucka glücklicherweise nicht auf der typischen Schwarz-Weiß-Malerei rum, sondern gibt eben jenen Charakteren einen Hintergrund – die Radikalisierung wird somit greifbar, wird indes nicht glorifiziert oder schlicht verteufelt. Ruckas Charaktere sind rund, überzeugen, und das eben genau deshalb, weil der Autor ihnen eine nachvollziehbare Motivation mit auf den Weg gibt.
So weit, so gut. Doch leider, leider begeht Rucka einen -in meinen Ohren- fatalen Fehler. So gut er Story und Charaktere kreierte, so schlimm steht es um die Erzählweise. Da Rucka sich als scheinbar größter Fan von Hauptsätzen entpuppt, wirkt die Erzählung per se sehr abgehackt, es will kein rechter „Fluß“ entstehen, was dem Durchhören durchaus nicht zuträglich ist.

Da kann auch die grundsolide Leistung von Erzählerin Arianne Borbach nicht mehr viel reißen, die ruhig durch Ruckas Thriller führt. Durch die immer wieder aneinandergereihten Haputsätze entsteht eine Art „Stakkato“, eine Abfolge ewig gleicher Betonungen in fast immer gleichem Rhythmus, so daß man sich streckenweise schon fast wie bei einer Gebetslesung fühlt. Explizit möchte ich dennoch darauf hinweisen, daß dies nicht an Frau Borbach liegt, denn die Ursache liegt hier in obig erwähnter Erzählweise des Autors begründet. Arianne Borbach für sich gesehen, macht daraus das Beste, was man machen kann.

So bleibt als Fazit ein sehr zwiespältiges Werk:
Story und Charaktere sind verdammt stark, Ruckas Erzählweise indes verhindert, daß „Dschihad“ eine absolut runde Sache wurde. Eine ruhig agierende Arianne Borbach liefert einen grundsoliden Job ab, der jedoch durch den Hauptsatz-Overkill des Autors jeglichen Fluß der Erzählung verhindert.
Für Thriller-Fans durchaus geeignet, aber sicherlich nicht als wirklich gelungen zu bezeichnen.

[RD]


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s