Jean Marc Ligny: AQUA™


Cover zum Hörbuch "Aqua" von Jean Marc Ligny, gelesen von Matthieu Carriere. Erschienen bei Lübbe Audio, 2009.Jean Marc Ligny: Aqua™
Gelesen von Matthieu Carriere
Erschienen bei Lübbe Audio
Länge: Ca. 600 Minuten, 8 Audio-Cds
ISBN-Nr. 978-3-7857-3829-0

 

Inhaltsangabe des Verlags:

2030: Hurricanes, Überschwemmungen, Hitze. Die Klimakatastrophe ist Wirklichkeit, die Welt lebt im Chaos. Eine Sekte begeht mörderische Attentate, um die Ausrottung der Menschheit zu beschleunigen. Bei der Sprengung eines Damms sterben Hunderttausende, auch Rudy verliert Frau und Kind. Als Flüchtling in einem Auffanglager schließt er sich einer Gruppe an, die gegen die Ungerechtigkeit kämpft. Als ein Wasserreservoir entdeckt wird, auf das die amerikanische Regierung Anspruch erhebt, beginnt für die Gruppe ein Wettlauf gegen die Zeit, um das Lebenselixier für alle zu sichern…

 

Meine Meinung:

Das Hauptkonstrukt von „Aqua TM“ ist gut und auch die Umsetzung des selbigen ist Ligny vorzüglich gelungen. Eine derart heruntergekommene Zukunft braucht keinen Weichspüler und Gott sei Dank fährt Ligny einen sprachlichen Kurs, der direkt, teils vulägr, jedoch schlicht angemessen ist und zudem passend eingesetzt wird. Ligny will provozieren, er will die sich bereits heute abzeichnenden Missstände zur Sprache bringen – und das geht nun mal nicht mit “alles Sonne, überall Blumen”.

Der Plot per se bietet viel Abwechslung und vor allem jede Menge Spannung. Die Wechsel zwischen globalen Schauplätzen, sozialen Problemen und Charakterentwicklungen sind größtenteils  stimmig, nur muß man definitiv einiges im Bezug auf afrikanische Magie abkönnen, ansonsten wird man insbesondere im letzten Drittel wohl mehrfach den Kopf schütteln.

Positiv ist, daß Ligny hier keine strahlenden Helden gezeichnet hat. Es gibt jede Menge „Graustufen“ und so hat auch der „Held“ einige Flecken auf der ganz sicher nicht so strahlend weißen Weste, bei denen man dezent ins Grübeln gerät.

Missfallen hat mir lediglich Lignys offenkundiger Drang, eine Art „Öko-Porno“ zu implementieren. Der Sinn dahinter, Sexualität zum einen als Machtinstrument, zum anderen als Festigung wahrhafter Liebe einzubringen, ist ok, jedoch wirkt es oft nur als Selbstzweck, wenn hier jegliche Körperöffnung literarisch erkundet wird und man doch mehr als nur einmal an eine „Sex for Sex‘ sake“-Einstellung denken muß.

Gelesen wird dieses Epos von Matthieu Carriére, der sich -trotz leichten Akzents gerade bei hektische gesprochener/gespielter Szenen- als wunderbare Bereicherung der „üblichen Verdächtigen“ im Bereich Lesung empfiehlt. Er geht mit dem Stoff, spielt die Szenen, schreit, zischt, färbt die Charaktere und verwandelt das apokalyptische Szenario im Kopf des Hörers in einen packenden Film.

Fazit: Die Art, *wie* die Thematik vermittelt wird, ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Ligny ist direkt, hart, ehrlich. Er ist kein Freund von Schönschreiberei. Hass, Gewalt, Zynismus und einige sehr explizit geschilderte Sexszenen könnten bei sensiblen Hörerinnen und Hörern durchaus auf Ablehnung stoßen. Dennoch ist Ligny ein Werk gelungen, das den Hörer fesselt, packt, verdammt gut unterhält – und sicherlich auch zum Nachdenken veranlasst. Plottechnischer Schwachpunkt ist  jedoch der Teil der „Konfliktlösung“ mittels afrikanischer Magie, der zwar für mich gut ins Gesamtkonstrukt funktioniert, doch dürften Hörer, die einen rein faktischen Thriller erwarten, mit eben diesen Momenten ihre Schwierigkeiten haben.

Matthieu Carriére als Erzähler lässt zwar einige Male einen Azkenzt durchblicken, hat sich mit diesem Epos jedoch eine uneingeschränkte Empfehlung für weitere Produktionen ausgestellt: Er spielt mit hörbarem Enthusiasmus, füllt Lignys literarische Apokalypse mit Leben und lässt diese Produktion trotz der 8 CDs zu einem extrem kurzweiligen „Blockbuster für die Ohren“ werden.

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