Top Secret: Schwarzes Blut


Nichts für Arachnophobiker: Maritims "Top Secret - Akte 004: Schwarzes Blut" lässt einen achtbeinigen Hör-Albtraum auf die Hörer los.Top Secret – Akte 004: Schwarzes Blut
Erschienen bei vgh Audio / Maritim

Sprecher:

Klaus-Dieter Klebsch, Christine Pappert, Thomas Karallus, Wolfgang Condrus, Edgar Bessen, Michael Harck, Anke Reitzenstein, Sascha Draeger, Eberhard Prüter, Erich Räucker, Melanie Manstein u.a.

Inhaltsangabe des Verlags:

Den einen ist es das verlorene Paradies. Der unberührte Garten Eden. Anderen ist es die Hölle auf Erden. Der zornige Gott, der dieses Reich beherrscht, ernährt sich vom Fleisch seiner wehrlos zuckenden Opfer. Und er duldet keine anderen Götter neben sich…. niemals….

Meine Meinung:

Ich mache es kurz: Um ein Haar hätte ich das Hörspiel nach nicht einmal 10 Minuten ausgeschaltet.
10 Minuten, in denen ich mehrfach ungläubig den Kopf ob der Dinge schütteln musste, die ich vernahm. Doch nein, natürlich habe ich *nicht* ausgeschaltet – ansonsten hätte ich mir nämlich keine Meinung bilden können zu einem Hörspiel, welches nunmehr bereits mehrfach auf dem iPod abgespielt wurde. Nicht, weil ich spontan Schaum vor dem Mund brauche (den krieg ich auch anders :)), sondern weil sich “Schwarzes Blut” unglaublich mausert und trotz des verqueren Starts zu einem verdammt starken Stück Grusel wird – und durchaus zu einem meiner liebsten Gruselhörspiele überhaupt.

Doch der Reihe nach: Was mir zu Beginn regelrecht Unglauben ins Gesicht trieb, sind zwei Dinge: Das geringere Übel sind die problematischen Namensaussprachen. Mal wird der Professor “Steven” richtig ausgesprochen, dann heißt er wieder “Steffen”. Erinnerungen an andere Maritim-Produktionen wurden wach, doch es bleibt glücklicherweise bei diesem einen Ausrutscher. Viel gewichtiger war die völlig aus dem Ruder laufende Dramaturgie: Wenn jemand in einer extrem gefährlichen Situation (im Hörspiel: Eingeschlossen in einer Grube mit einem gefährlichen und aggressiven Spinnentier) erstmal ellenlang über die Beschaffenheit des Bodens, über die Möglichkeit, daß die Spinne aus den Baumwipfeln gefallen sein könnte, daß vielleicht noch mehr kommen könnten und daß Pfeilgiftfrösche ja auch fast ihr ganzes Leben in den luftigen Gipfeln verbrächten, philosophiert – was soll man da sagen? “Hallo? Herr Professor, Ihre Assistentin wird gerade von einem fetten Achtbeiner bedroht, aber halten Sie doch erstmal eine Vorlesung?” Wohl kaum…

Auch der dramaturgisch imho fehlgeschlagene Kniff, die Bedrohung in die Dialoge zu verlagern, mutet in eben jender Szene geradezu grotesk an: Wenn es in obig genannter Grube keinen Ausweg gibt und die Panik bei der Dame auf dem Vormarsch ist, würde ein geistesgegenwärtiger Prof. dann wohl sagen: “Und beten Sie lieber, daß uns keine weiteren dieser Tiere von da oben auf den Kopf regnen?” Ja? Nein? Eben…

So, genug gemeckert. Denn nach dieser, zugegeben: hanebüchenen Szene geht es steil aufwärts: Die Story gestaltet sich spannend, streckenweise wirklich unheimlich gruselig und extrem temporeich. Die Settings sind ausgezeichnet gewählt – und abgesehen von einer etwas spätpubertär anmutenden und leider deplatziert wirkenden Erotikeinlage, entpuppt sich “Schwarzes Blut” als verdammt spannend.

Sprechermäßig ist alles im grünen Bereich – vor allem Edgar Bessen liefert eine erstklassige Leistung ab (für die bizarren Dialoge, die ihm in den Mund gelegt werden, kann er ja nichts).

Die Effekte überzeugen ebenfalls – zweckdienlich, passend und ohne übertriebenes Krachbumm, wird die krabbelnde Bedrohung gut umgesetzt. Sucht man unbedingt das Haar in der Suppe, könnte man das Zischen der Spinne anführen, aber hey: Das hier ist keine Dokumentation über Spinnen, sondern ein trashiges Gruselhörspiel – und da darf es schon mal “larger than life” sein.

 

Bleibt als Fazit: Ein recht bizarres Ergebnis: Erst “Hals”, dann Freudentänze.

Durchhalten ist die Devise- wer die ersten Minuten mit all ihren Seltsamkeiten im Bereich Dramaturgie und Regie “übersteht”, bekommt ein extrem packendes Hörspiel geliefert, daß nicht nur zum mehrfachen Hörben verleitet, sondern zudem wirklich fiesen Grusel bietet.
Gerne mehr davon, allerdings “mit ohne” bizarre Beschreibungsdialoge, bitte.

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