Stefan Frädrich: Günter, der innere Schweinehund, lernt verkaufen.


Cover zu Günter, der innere Schweinehund, lernt verkaufen. Autorenlesung von Dr. Stefan Frädrich. Erschienen im GABAL Verlag.Günter, der innere Schweinehund, lernt verkaufen.

Autorenlesung von Dr. Stefan Frädrich.
GABAL Verlag GmbH

Inhaltsangabe des Verlags:

Eigentlich wissen wir ganz genau, was wir beim Verkaufen tun sollten: Begeisterung zeigen, fleißig Angebote schreiben und zum Kunden immer freundlich sein. Ja, eigentlich … Aber wir kennen auch diese lästige Stimme in uns. Sie sagt: »Verkaufen ist nichts für dich!«, »Den Kunden kriegst du sowieso nicht.« oder »Freundlich sein? – Wie lästig!« Diese Stimme kommt von Günter.

Günter ist unser innerer Schweinehund. Günter hat vom Verkaufen keine Ahnung, aber dafür lauter fiese Vorurteile und eine negative innere Einstellung. Besser also, wir erklären Günter zuerst, wie Verkaufen wirklich funktioniert. Hören Sie dazu die 100 Tipps – und Ihr innerer Schweinehund wird ein prima Verkäufer!

Meine Meinung:

Ein Verkaufsratgeber als Hörbuch. Halleluja, das muß ja eine staubtrockene Angelegenheit sein… – Überraschung: Ist es nicht. Das Gegenteil ist der Fall: In 100 Schritten wird man mit Günter, dem inneren Schweinehund bekannt gemacht und erfährt verdammt viele brauchbare Informationen rund um das Thema Verkauf, die für Verkäufer nicht nur essentiell wichtig, sondern gerade auch im Bezug auf eine funktionierende Beziehung zwischen Kunde und Verkäufer lehrreich ist. Wer mit dem Gedanken ins Verkäuferleben startet, Verkaufen diene nur und ausschließlich der einseitigen Gewinnmaximierung, der wird hier sicherlich „überrascht“ sein, daß eben nicht der Verkäufer, sondern der Kunde und seine Wünsche und Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen – und wie man sowohl seinen eigenen „Günter“ domestiziert, als auch diesen dann zum „Verbündeten“ machen kann um den Kunden eben das zu bieten, was braucht, ergo das Richtige zu verkaufen – und nicht dem Kunden unnötiges Zeug aufzuschwatzen.
Somit gibt es einen absolut gelungenen „Rundum-Schlag“, von den Grundlagen bis zu Verhandlungstaktiken. Und immer dabei: Fairness. Denn Leute, die selbst ihre Großmutter dem Teufel verkauften, würden Günter nur in seinen anfänglichen Vorurteilen gegenüber Verkäufern bestärken :).

Wie bereits erwähnt geht es bei „Günter“ alles andere als trocken zu. Wer die Bücher kennt, wird sicherlich schon öfters über die Illustrationen von Timo Wuerz geschmunzelt haben. Nun ist klar, daß diese natürlich nicht in Hörform eingebaut werden können. Dafür aber lässt Autor und Sprecher Stefan Frädrlich höchstselbst den Schweinehund lebendig werden. Das lockert die gut strukturierten Schritte unglaublich auf und man mag es kaum glauben, aber selbst bei einem Sachhörbuch kann man vor Lachen schon mal auf dem Boden liegen. Das heißt nicht, daß das Hörbuch zu einer Slapstick-Komödie verkommt, keineswegs – aber staubtrockene Vorträge, bei denen der Hörer schon mal gern die Skip- oder gar Eject-Taste betätigt, sucht man hier vergeblich.

Fazit:
Ein Traum von einem Sachbuch und ein Traum von einem Hörbuch. Gelesen und gespielt von einem sowohl ernsthaften, aber gleichsam auch lockeren und motivierenden Stefan Frädrich. Einen besseren (und obendrein unterhaltsameren) Einstieg in das „Zauberwerke“ des Verkaufens gibt es wohl kaum. So macht das Domestizieren des inneren Schweinehunds Spaß!

–> Wer noch ein paar weitere Infos zu „Günter, dem inneren Schweinehund“ möchte, der kann sich gern einmal das Special zur Reihe anschauen:
hergehoert.de-Special „Günter, der innere Schweinehund“.

Jean Marc Ligny: AQUA™


Cover zum Hörbuch "Aqua" von Jean Marc Ligny, gelesen von Matthieu Carriere. Erschienen bei Lübbe Audio, 2009.Jean Marc Ligny: Aqua™
Gelesen von Matthieu Carriere
Erschienen bei Lübbe Audio
Länge: Ca. 600 Minuten, 8 Audio-Cds
ISBN-Nr. 978-3-7857-3829-0

 

Inhaltsangabe des Verlags:

2030: Hurricanes, Überschwemmungen, Hitze. Die Klimakatastrophe ist Wirklichkeit, die Welt lebt im Chaos. Eine Sekte begeht mörderische Attentate, um die Ausrottung der Menschheit zu beschleunigen. Bei der Sprengung eines Damms sterben Hunderttausende, auch Rudy verliert Frau und Kind. Als Flüchtling in einem Auffanglager schließt er sich einer Gruppe an, die gegen die Ungerechtigkeit kämpft. Als ein Wasserreservoir entdeckt wird, auf das die amerikanische Regierung Anspruch erhebt, beginnt für die Gruppe ein Wettlauf gegen die Zeit, um das Lebenselixier für alle zu sichern…

 

Meine Meinung:

Das Hauptkonstrukt von „Aqua TM“ ist gut und auch die Umsetzung des selbigen ist Ligny vorzüglich gelungen. Eine derart heruntergekommene Zukunft braucht keinen Weichspüler und Gott sei Dank fährt Ligny einen sprachlichen Kurs, der direkt, teils vulägr, jedoch schlicht angemessen ist und zudem passend eingesetzt wird. Ligny will provozieren, er will die sich bereits heute abzeichnenden Missstände zur Sprache bringen – und das geht nun mal nicht mit “alles Sonne, überall Blumen”.

Der Plot per se bietet viel Abwechslung und vor allem jede Menge Spannung. Die Wechsel zwischen globalen Schauplätzen, sozialen Problemen und Charakterentwicklungen sind größtenteils  stimmig, nur muß man definitiv einiges im Bezug auf afrikanische Magie abkönnen, ansonsten wird man insbesondere im letzten Drittel wohl mehrfach den Kopf schütteln.

Positiv ist, daß Ligny hier keine strahlenden Helden gezeichnet hat. Es gibt jede Menge „Graustufen“ und so hat auch der „Held“ einige Flecken auf der ganz sicher nicht so strahlend weißen Weste, bei denen man dezent ins Grübeln gerät.

Missfallen hat mir lediglich Lignys offenkundiger Drang, eine Art „Öko-Porno“ zu implementieren. Der Sinn dahinter, Sexualität zum einen als Machtinstrument, zum anderen als Festigung wahrhafter Liebe einzubringen, ist ok, jedoch wirkt es oft nur als Selbstzweck, wenn hier jegliche Körperöffnung literarisch erkundet wird und man doch mehr als nur einmal an eine „Sex for Sex‘ sake“-Einstellung denken muß.

Gelesen wird dieses Epos von Matthieu Carriére, der sich -trotz leichten Akzents gerade bei hektische gesprochener/gespielter Szenen- als wunderbare Bereicherung der „üblichen Verdächtigen“ im Bereich Lesung empfiehlt. Er geht mit dem Stoff, spielt die Szenen, schreit, zischt, färbt die Charaktere und verwandelt das apokalyptische Szenario im Kopf des Hörers in einen packenden Film.

Fazit: Die Art, *wie* die Thematik vermittelt wird, ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Ligny ist direkt, hart, ehrlich. Er ist kein Freund von Schönschreiberei. Hass, Gewalt, Zynismus und einige sehr explizit geschilderte Sexszenen könnten bei sensiblen Hörerinnen und Hörern durchaus auf Ablehnung stoßen. Dennoch ist Ligny ein Werk gelungen, das den Hörer fesselt, packt, verdammt gut unterhält – und sicherlich auch zum Nachdenken veranlasst. Plottechnischer Schwachpunkt ist  jedoch der Teil der „Konfliktlösung“ mittels afrikanischer Magie, der zwar für mich gut ins Gesamtkonstrukt funktioniert, doch dürften Hörer, die einen rein faktischen Thriller erwarten, mit eben diesen Momenten ihre Schwierigkeiten haben.

Matthieu Carriére als Erzähler lässt zwar einige Male einen Azkenzt durchblicken, hat sich mit diesem Epos jedoch eine uneingeschränkte Empfehlung für weitere Produktionen ausgestellt: Er spielt mit hörbarem Enthusiasmus, füllt Lignys literarische Apokalypse mit Leben und lässt diese Produktion trotz der 8 CDs zu einem extrem kurzweiligen „Blockbuster für die Ohren“ werden.

Greg Rucka: Dschihad


Greg Rucka: Dschihad (Lübbe Audio)Greg Rucka: Dschihad
(OT: A Gentlemen’s Game)

Erzählt von Arianne Borbach
Umfang: 4 CDs
ISBN: 978-3-7857-3582-4
Erschienen bei: Lübbe Audio

= = = INHALTSANGABE DES VERLAGS = = =

Nach einem Brandanschlag auf die Londoner U-Bahn mit vielen Todesopfern beschließt die englische Regierung einen Vergeltungsschlag gegen den Dschihad: eine Aufgabe für die operative Abteilung des MI6. Die Wahl fällt auf Tara Chace, die ehrgeizige und begabte Agentin, deren Disziplin allerdings manchmal zu wünschen übrig lässt, besonders wenn es um Männer geht.

= = = MEINUNG = = =

Vorab: Selten habe ich ein zwiespältigeres Hörbuch gehört. Großartig und „WTF“ geben sich hier durchaus die Klinke in die Hand. Woran das liegt, mögen die nächsten Zeilen erläutern.

Zunächst zur Geschichte:
Man merkt, daß Rucka keineswegs fantasielose, eindimensionale Terror-/Antiterrorklischees bedienen möchte. Die Verwicklungen und Intrigen, die Geheimdienste, Außen- wie Innenministerien manches mal ersinnen, steigern die ohnehin schon spannende Geschichte um „Minder 1“, Tara Chase, ihres Zeichens Frontfrau einer auf Field Operations spezialisierten Abteilung des britischen Geheimdienstes und laufen letzten Endes geschickt gestrickt mit ihr zusammen. Die Fiktion wirkt durchgehend authentisch und auch wenn es um radikalisierte Islamisten geht, so reitet Rucka glücklicherweise nicht auf der typischen Schwarz-Weiß-Malerei rum, sondern gibt eben jenen Charakteren einen Hintergrund – die Radikalisierung wird somit greifbar, wird indes nicht glorifiziert oder schlicht verteufelt. Ruckas Charaktere sind rund, überzeugen, und das eben genau deshalb, weil der Autor ihnen eine nachvollziehbare Motivation mit auf den Weg gibt.
So weit, so gut. Doch leider, leider begeht Rucka einen -in meinen Ohren- fatalen Fehler. So gut er Story und Charaktere kreierte, so schlimm steht es um die Erzählweise. Da Rucka sich als scheinbar größter Fan von Hauptsätzen entpuppt, wirkt die Erzählung per se sehr abgehackt, es will kein rechter „Fluß“ entstehen, was dem Durchhören durchaus nicht zuträglich ist.

Da kann auch die grundsolide Leistung von Erzählerin Arianne Borbach nicht mehr viel reißen, die ruhig durch Ruckas Thriller führt. Durch die immer wieder aneinandergereihten Haputsätze entsteht eine Art „Stakkato“, eine Abfolge ewig gleicher Betonungen in fast immer gleichem Rhythmus, so daß man sich streckenweise schon fast wie bei einer Gebetslesung fühlt. Explizit möchte ich dennoch darauf hinweisen, daß dies nicht an Frau Borbach liegt, denn die Ursache liegt hier in obig erwähnter Erzählweise des Autors begründet. Arianne Borbach für sich gesehen, macht daraus das Beste, was man machen kann.

So bleibt als Fazit ein sehr zwiespältiges Werk:
Story und Charaktere sind verdammt stark, Ruckas Erzählweise indes verhindert, daß „Dschihad“ eine absolut runde Sache wurde. Eine ruhig agierende Arianne Borbach liefert einen grundsoliden Job ab, der jedoch durch den Hauptsatz-Overkill des Autors jeglichen Fluß der Erzählung verhindert.
Für Thriller-Fans durchaus geeignet, aber sicherlich nicht als wirklich gelungen zu bezeichnen.

[RD]


[Review] Tom Angleberger: Yoda ich bin! Alles ich weiß!


Tom Angleberger: Yoda ich bin! Alles ich weiß!Tom Angleberger: Yoda ich bin! Alles ich weiß!

Gelesen von Maximilian Artajo, Maximiliane Häcke, Luca Kämmer, Finn Kirschner, Moritz Meid, Nina Mölleken, Patrick Mölleken, Hannah Schepmann, Julia Schepmann.

Veröffentlicht: Baumhaus Verlag, Lübbe Audio; 2011

2 Audio-CDs
Länge: 124 Minuten
ISBN: 978-3-8339-5232-6

Inhaltsangabe des Verlags:

Dwight gibt seinen Mitschülern plötzlich verblüffend kluge Ratschläge.  Er kann das, weil er eine Yoda-Fingerpuppe aus Papier gebastelt hat. Mit der rennt er jetzt durch die Schule – und diese altkluge Origami-Figur berät die Schüler von nun an in allerlei Fragen: Wann steht der nächsten Test an? Und wer hat die Shakespeare-Figur gestohlen? Plötzlich glauben einige an Origami-Yoda, andere meinen, es sei nur ein Stück Papier. Bald ist klar: Wer die Puppe hat, hat die Macht.  Aber ein Kind will die Wahrheit herausfinden…

Meinung:

Vorab: Mir sagte weder der Name Tom Angleberger etwas, noch hatte ich eine Idee, worum es in diesem (Hör-)Buch überhaupt ging. Wichtig war für mich: Yoda ist irgendwie dabei. Nuff said! Als Star Wars Fan, insbesondere des kleinen grünen Jedimeisters mit der eigentümlichen Satzbauweise, war für mich klar: Das Teil *musst* du hören.

Ein nerdiger Sechstklässler, ein reinrassiger Loser, taucht eines Tages mit einer Yoda-Origamipuppe in der Schule auf und diese verteilt dann reihenweise bizarre, aber im Resultat gute Ratschläge. Das Hörbuch an sich ist eine Nachbereitung dieser fiktiven Episoden, die aus der jeweiligen Sicht der verschiedenen Charaktere geschildert wird, zusammengefasst als „Untersuchung“ der Vorkommnisse.

Nun muss man fairerweise vorab sagen: Wer hier eine Star Wars-lastige Erzählung erwartet, der wird schwer enttäuscht sein. Angleberger hat sich die obligatorischen Probleme seiner Alterszielgruppe vorgenommen und so finden sich statt Raumschlachten oder anderweitiger SciFi-Elemente hier durchweg Probleme des (vornehmlichen Schul-)Alltags angehender Teenager. Der Origami-Yoda allerdings spricht in der Tat in der gleichen eigentümlichen Art, wie Yoda es in den ‚Star Wars‘-Filmen tat. Dazu gibt es natürlich auch jeweils kurze Erwähnungen oder Verweise auf diverse Helden der Popkultur, wie eben Yoda, Obi-Wan Kenobi, Spiderman oder Gandalf. Da kommt durchaus hier und da „Fanboy“-Feeling auf.

Die Thematiken, die Angleberger behandelt, dürften wohl so ziemlich allen 12-, 13jährigen zumindest in ähnlicher Form bekannt sein. Einen massiven Pluspunkt verzeichnet ‚Yoda ich bin – Alles ich weiß‘ dadurch, daß der Origami-Yoda für ältere eigentlich bekannte „Lebensweisheiten“ in passender Form einbringt – Pluspunkt eben deshalb, weil die Kids wohl regulär wenig empfänglich für sowas wären, da solche Tipps gemeinhin von Eltern oder Lehrern oder anderweitig „uncoolen“ Personen kommen. Dadurch jedoch, daß es hier ‚Yoda‘ macht, umschifft man eben diese Klippe der Ablehnung, denn so merkwürdig es vielleicht für Erwachsene klingen mag: Yoda dürfte für Kids und junge Teenager wohl zugänglicher sein, als wenn die „Alte“ oder der „Alte“ wieder ihre weisen Ratschläge anbringen müssen, wo in der richtigen Laune eh nach 5 Sekunden die „Ohr an Hirn“-Leitung bewusst unterbrochen wird.

Gesprochen werden die unterschiedlichen Figuren von jeweils unterschiedlichen Sprechern. Ähnlich Morton Rhues „Ich knall euch ab!“ in Hörbuchform, erweist sich die Aufteilung der jeweils unabhängigen ‚Berichte‘ an jeweils eigene Sprecherinnen und Sprecher als Pluspunkt. Unter den Namen finden sich Maximilian Artajo und Patrick Mölleken, die beide einen hervorragenden Job abliefern, doch auch die restlichen Sprecher machen ihre Sache solide bis sehr gut und man darf gespannt sein, was dieser „Nachwuchs“ in den kommenden Jahren abliefern wird.

Effektmäßig überrascht positiv, daß man beim Lesen auch auf ‚Audioanpassungen‘ setzte, so werden SMS oder Interviews via Diktiergerät (oder Handy-Aufnahme) entsprechend klanglich wiedergegeben, was ebenfalls dem Realismus verdammt gut zu Gesicht steht.

Musikalisch gibt es als Jingle ein sehr stark an John Williams‘ „Star Wars Theme“ angelegtes Stück – schade, daß es nicht tatsächlich das Original ist, aber da wäre vermutlich ein Lizenzchaos losgebrochen, denn die Lizenz von LucasArts bezieht sich ja „nur“ auf die Vorlage.

Spaßiges Gimmick am Rande: Das Booklet der CDs enthält eine Bastelanleitung für den eigenen Origami-Yoda.

Bleibt als Fazit:
Yoda ich bin – Alles ich weiß“ ist ein amüsantes, sehr liebevoll gemachtes und zeitgemäßes Hörbuch für Kids und angehende Teeanger. Es werden humorvoll Probleme des (Schul-)Alltags der Jüngeren mit ‚Lebensweisheiten‘ kombiniert, die eben durch den Fakt, daß sie von einem Origami-Yoda vermittelt werden und nicht von „uncoolen Spießern“ (Eltern etc.), durchaus auf offene Ohren bei der Zielgruppe stoßen können.
Solide bis sehr gut gelesen von mehreren Sprechern, inszeniert, diverse Verweise auf Popkultur-Ikonen, dazu Yodas seltsame Sprache, fertig ist ein Hörbuch, das vor allem bei der Zielgruppe gut ankommen wird.

 

http://www.hergehoert.de/yoda-ich-bin-alles-ich-weiss.html

[Review] F. Paul Wilson: Handyman Jack – Schmutzige Tricks


F. Paul Wilson: Handyman Jack - Schmutzige Tricks (gelesen von Detlef Bierstedt)F. Paul Wilson:  Handyman Jack – Schmutzige Tricks
Gelesen von Detlef Bierstedt

Regie, Produktion & Dramaturgie: Lars Peter Lueg
Veröffentlicht: LPL Records, 2008

Länge: 210 Minuten
3 Audio-CDs
ISBN-Nr.: 978-3-7857-3552-7

Inhaltsangabe des Verlags:

Wenn der Abfluß mal verstopft ist, sollte man Handyman Jack lieber nicht rufen. Jack repariert nämlich andere Sachen: Probleme, mit denen sonst niemand fertig wird. Er kümmert sich für gutes Geld darum, daß Unrecht bestraft wird. Dabei verlässt er sich auf eine Kombination aus Können und Dreistigkeit.

Handyman Jack ist ein Held – aber auch ein Rätsel. Er lebt im Untergrund. Niemand kenn seine Identität. Jack verkörpert eine tödliche Mischung aus “Zorro” und Bruce Willis.

Meinung:

Wenn Stephen King und Dean Koontz nahezu unisono auf ein Werk regelrecht abfeiern, dann hat dies durchaus Signalwirkung. Wenn sich King zudem noch als „Präsident des Handyman Jack Fanclubs“ zu Lobeshymnen hinreißen lässt und Koontz die Figur von F. Paul Wilson als “eine der originellsten und faszinierendsten Figuren zeitgenössischer Literatur” beschreibt, dann sollte man vielleicht mal mehr als nur ein Auge oder ein Ohr riskieren.

In der Tat, die Geschichte um das “Phantom” Jack zieht einen von der ersten Sekunde an in ihren Bann. Wilson schafft es, den Hauptcharakter nebst seiner Fähigkeiten, aber auch seiner liebenswerten Spleens in packenden Geschichten agieren zu lassen, die Thrillerunterhaltung mit, insbesondere in «Zwischenspiel im Drugstore» vorhandenem, triefend schwarzem Humor verquicken, daß es einem Quentin Tarantino zu Ehren gereichte. Jack selbst kommt dabei wie eine Kreuzung aus Ein-Mann-Version des “A-Teams” und John McClane daher.

Die Stories sind hart, schnell, spannend und “pulp”. Wilson hetzt seinen Hauptcharakter durch irrwitzige, teils geradezu abstruse Situationen, gesatattet ihm “Macken” wie die alljährliche Kranzniederlegung auf dem Empire State Building zu Ehren King Kongs oder Shurikentraining mit Kakerlake – und all dies ohne daß dieser scheinbare Widerspruch zwischen  Suspense und Humor negativ zu Buche schlägt, im Gegenteil: Es zeichnet gerade die Einführung aus und passt perfekt in die Welt des titelgebenden “Handyman”.

Handlungstechnisch spielen sich drei Geschichten in diesem Hörbuch ab, alle drei gänzlich unterschiedlich und zu keinem Moment auch nur ansatzweise langweilend. Diese schräge Tour de force scheint auch Erzähler Detlef Bierstedt zu gefallen, denn mit hörbarem Spaß an dieser skurrilen Figur agiert er, wie ich ihn bislang noch nicht als Erzähler erlebte. Nicht distanziert, sondern” mittendrin”, Bierstedt spielt die unterschiedlichen Figuren, verleiht ihnen eine jeweils passende Couleur und reißt den Hörer von Anfang an mit in die Welt des Autors und die irrwitzigen Episoden um den Titelcharakter. Detlef Bierstedt liefert hier eine in jedem Punkt grandiose Erzählung ab, bringt genau die richtige Portion augenzwinkernder “Unernsthaftigkeit” ein, die zu den harten und ja, auch durchaus brutalen Thrillparts den für Pulp typischen Gegensatz bildet und die man fürchterlich hätte übertreiben  können.

Doch Bierstedt gelingt die Wanderung auf diesem äußerst schmalen Grat zwischen reinem Thrillermodus und dem schwarzen Humor Wilsons auf schlicht brilliante Art und Weise.

Mit “Handyman Jack” lässt LPL Records eine neue und äußerst gelungene Hörbuchreihe auf den Markt los, die sich wie Tarantinos Filme gewohnten Konventionen verschließt, dafür jedoch als völlig (positiv gemeint:) irre Spielwiese mit interessanten Charakteren, einer ordentlichen Portion Härte und nicht zuletzt mit packenden Geschichten und einer Prise Augenzwinkern erfrischend anders und unkonventionell daherkommt.

Thrillerfreunde im Gesamten und Pulp-Liebhaber im Besonderen kommen an dieser Reihe nicht vorbei. Jack rockt!

[Review] David Ignatius: Der Mann, der niemals lebte


David Ignatius: Der Mann, der niemals lebte (Audiobuch Verlag, 2007. Gelesen von Johannes Steck)David Ignatius: Der Mann der niemals lebte
Gelesen von Johannes Steck
Veröffentlicht: Audiobuch Verlag, 2007

Länge: 428 Minuten
6 Audio-CDs
ISBN-Nr.: 978-3-89964-302-2

Inhaltsangabe des Verlags:

Die CIA ist ratlos: Jeder Versuch, einen Maulwurf bei Al-Quaida einzuschleusen, mißlingt. Da kommt der in Jordanien stationierte Agent Ferris auf eine zündende Idee: Wenn man die Organisation nicht infiltrieren kann, muß man eben so tun als ob. Es wird eine Leiche im Libanon plaziert. Und tatsächlich: Das trojanische Pferd erzielt den gewünschten Erfolg. Doch dann wird Ferris plötzlich selbst entführt …

Meinung:

Ein Thriller, der sich den “Krieg gegen den Terrorismus” zum Thema nimmt, kann völlig danben gehen. Glücklicherweise ist David Ignatius dieses Dilemma erspart geblieben, denn mit “Body of Lies”, bzw. “Der Mann, der niemals lebte” liefert er den Beweis dafür, daß intelligente Agententhriller keine triefenden Klischees brauchen, um zu funktionieren.

Gleich vorweg: Wer “heroische Amerikaner schlagen bösen Terroristen (natürlich islamistischen Glaubens) wieder so richtig klischeebeladen ein Schnippchen” erwartet, sollte sich andere Kost suchen. Ignatius hat keine saubere CNN-Variante gezaubert, sondern einen Roman, der auf beiden Seiten, sowohl der Amerikaner, als auch der Araber, das triefende Schwarz/Weiß-Getue verbannt und zeigt, daß auf beiden Seiten Menschen agieren, die manipulieren können, die betrügen, belügen, aber auch lieben und für ihre Prinzipien eintreten können.

Nun ist “Der Mann, der niemals lebte” kein Islam-Bashing, ebensowenig wie ein Anti-Amerika Pamphlet. Exemplarisch hat der “normale” Held in Agenthrillern immer eine reine Weste, schafft ohne ernsthafte Probleme alles – nur hat Roger Ferris weder eine reine Weste, noch durchschreitet er das Intrigenspiel ohne Blessuren.

Andersrum agieren auch die sonst in ähnlichen Romanen immer als rückständig und/oder sinnlos brutal agierenden Araber hier auch nicht den allseits bekannten Klischees entsprechend. Und auch die amerikanische CIA, insbesondere personifiziert durch Ed Hoffman, bekommt eine ordentliche Portion Kritik an der amerikanischen Überheblichkeit den Arabern gegenüber ab, also imho durchaus realistisch(er) als viele andere Romane dieses Genres. Niemand hat in diesem Thriller den “Gut”- oder “Böse”-Schein in reinem Schwarz oder reinem Weiß gepachtet – das darzustellen und vor allem als essentiellen Bestandteil seiner bitterböse durchdachten Handlung zu etablieren, ist Ignatius perfekt gelungen.

Vorgetragen wird das Ganze von Johannes Steck, der nicht nur eine verdammt markante, sondern auch eine passende Stimme hat, wenn es darum geht, Thriller zu tragen.
Steck erweist sich durchweg als Glücksgriff. Er haucht den Figuren Leben ein, variiert den Tonus seiner Stimme entsprechend und lässt auch den hier und da nötigen arabischen Dialekt passend und imo (in meinen Ohren) nicht unfreiwillig komisch einfließen. Steck verleiht zudem den Emotionen der Akteure Gewicht. Er schreit, er röchelt, er flucht – und lässt durch die Authentizität den “Film im Kopf” entstehen.

Bleibt als Fazit:
Der Mann, der niemals lebte” gehört in die Sammlung eines jeden, wirklich jeden Agententhriller-Fans, der einem Schuß Realismus nicht abgeneigt ist. David Ignatius ist ein brillanter Thriller gelungen, der den Hörer in eine ziemlich ungeschönte Welt der Spionage zieht und auf tumbe Schwarz/Weiß-Malerei verzichtet.

Vorgetragen von einem verdammt gut aufgelegten Johannes Steck, avanciert “Der Mann, der niemals lebte” zu einem ungheuer intensiven “Film im Kopf”, den sich Hörbuchfans im Gesamten, Thrillerfreunde im Besonderen definitiv nicht entgehen lassen können.

 

[Review] Morton Rhue: Ich knall euch ab!


Morton Rhue: Ich knall euch ab! (OT: Give a boy a gun; GoyLit / Jumbo Verlag)Morton Rhue: Ich knall euch ab!
(OT: Give a boy a gun)

Gelesen von Julia Nachtmann, Jürgen Uter, Samuel Weiss u.a.

Veröffentlicht: GoyaLiT / Jumbo Verlag, 2009

2 Audio-CDs
ISBN-Nr. 978-3-8337-2290-5

Inhaltsangabe des Verlags:

Gary und Brendan sind Außenseiter. In ihrer Schule herrscht eine klare Trennung zwischen Sportlern auf der einen und Nicht-Sportlern auf der anderen Seite. Demütigungen sind an der Tagesordnung. Die Lehrer schauen weg. Der Hass auf die Mitschüler wächst, und nach und nach reift in der Phantasie der beiden Jungen der Plan, es den anderen richtig heimzuzahlen. Ihr Vorbild: Die Amokläufer der Columbine Highschool in Littleton. Aus der Phantasie wird Realität: die Situation eskaliert beim Abschlussball in der Turnhalle.

Meinung:

Amokläufe an Schulen schockieren ohne Frage – doch was treibt bereits Jugendliche dazu, ihr Leben meist „wegzuwerfen“ und andere Personen dabei in einem Strudel aus blankem Hass und Gewalt mitzureißen?

Es ist das Paradoxon schlechthin: Die Massenmedien, die eigentlich einen Informationsauftrag verfolgen sollten, haben sich seit Jahr und Tag ihre eigene quotenträchtige Wahrheit erfunden und entsprechend einsetig wird auch über derartige Tragödien berichtet – die wahren Ursachen werden bewusst ignoriert.

Es ist traurig, daß hier die Fiktion die Realität begreiflicher rüberbringt, als es das Informationssystem an sich tut: Rhue ersann zwar ein fiktives Szenario, basierend jedoch auf der grausamen Realität. Im Gegensatz zu den Massenmedien zwingt Rhue den Leser dazu, ein Gesamtbild zu betrachten: Soziales Umfeld, Eltern, Freunde, Schule, Sport, Freizeit – und genau darin liegt die Stärke des Romans: Ohne die Moralkeule zu bemühen, ohne die von den Medien etablierten Klischees zu bedienen, zeichnet Rhue ein Bild erschreckender Nachvollziehbarkeit und hält der Gesellschaft ein nachdenklich stimmendes Bild vor. Heraus kommt ein Zusammenspiel vieler Aspekte, das -so sollte man eigentlich den menschlichen Verstand einschätzen- ohnehin bereits auf der Hand liegt. „Doom“ und „CounterStrike“ machen aus Jugendlichen keine Tötungsmaschinen. Nicht jede Kritik an der Person legt gleich den Schalter auf „Amok“ um. Aber es muss darüber nachgedacht werden, wie wir -die Gesellschaft- mit uns und vor allem mit unseren Kindern umgehen. Und dazu kann jeder etwas beitragen.

Dies vermittelt Rhue, und im Falle von „Ich knall euch ab“ tut er dies obendrein mit einer gewagten, indes gänzlich überzeugenden Stilform: Als Nachbereitung. So kommen mehrere Personen aus dem Leben der zwei fiktiven Amokläufer zu Wort, wie auch die beiden Täter selbst – in ihren Abschiedsbriefen.

Es ist keine Erzählung an sich. Es gibt keine Linearität, keine Abfolge von Handlungspunkten. Es werden Kommentare abgegeben – von eben den Personen, die die (Gefühls-)Welt der beiden Amokläufer seit dem siebten Schuljahr bis hin zur Tat beleuchten.

Es mag anfangs gewöhnungsbedürftig sein, doch gerät das Ziel, ein Gesamtbild der Tat sowie deren Wurzeln zu vermitteln, mit diesem Kniff wesentlich authentischer als man es mit einer typischen, spannungsorientierten Handlung hätte erreichen können.

Passend ist zudem, daß die unterschiedlichen Charaktere auch von jeweils unterschiedlichen Sprecherinnen und Sprechern gelesen werden – viele zudem noch unbekannt und gerade deshalb um ein vieles authentischer, als wenn man den obligatorischen „Hollywood-Kader“ vor’s Mikrofon gebeten hätte.

Ob seiner  andauernden Aktualität und der erschreckend authentisch wirkenden Hörbuchversion ist „Ich knall euch ab“ eine klare Empfehlung – und es bleibt die Hoffnung, daß wenn die Fiktion ein derart nachhaltig zum Denken anregendes Bild zu zeichnen vermag, auch die Massenmedien und somit ein Teil der Bevölkerung umdenken und zu handeln vermögen – im Sinne einer Gesellschaft und nicht der modernen Hexenjagd auf quotenträchtige „schwarze Peter“.

http://www.hergehoert.de/morton_rhue__ich_knall_euch_ab.html