[Review] Gabriel Burns (34+35): Ich weiss, was Angst ist & Das Haus der Seele


Gabriel Burns (34+35): Ich weiss, was Angst ist + Das Haus der SeeleGabriel Burns (34/35):
Ich weiss, was Angst ist
Das Haus der Seele

Idee & Konzeption: Decision Products
Regie: Volker Sassenberg
Musik: Matthias Günthert und Volker Sassenberg
Drehbuch: Andreas Gloge und Volker Sassenberg
Tontechnik & Schnitt: Volker Sassenberg & Marc Sander
Tonassistenz: Kay Müller
Illustration: Ingo Masjoshusmann
Grafik: Marion Mühlberg
Produktion: Volker Sassenberg

Veröffentlicht: Folgenreich / Decision Products, 2010

Sprecher:
Jürgen Kluckert, Hans Paetsch, Andreas Ksienzyk, Bernd Vollbrecht, Ernst Meincke, Bianca Krahl, Björn Schalla, Mario von Jascheroff, Norman Matt, Karl Schulz, Silke Super, Stefan Müller-Ruppert, Daniela Thuar.

Inhaltsangabe (34) des Verlags:

In den hölzernen Götzen-Schreinen am Ufer loderten kleine Feuer. Menschen drängten sich um eine Schar barfüßiger Priester. Ein Rauschen, wie die Schwingen eines großen Raubvogels, fiel über das Dorf. Er hatte sie gefunden …

Der Legende nach befand sich in Jangal Mandir der Zugang zur Unsterblichkeit. Hier verschwand der Strom der Seelen …

Von Schlingpflanzen halb bedeckt zeigten die Enden der Steinpritschen raubtierhafte Fratzen. Die Metallröhre mit dem Stein von Akhilesh hing an einem Ledergurt über Bakermans Schulter. Seine Hand ruhte auf dem Verschluss. Hinter den Fensternischen formten sich weitere Mönche aus dem Nassgrau der fahlen Nacht.

Inhaltsangabe (35) des Verlags:

Er lag unter herabgestürztem Schutt begraben. Regen drang durch das Loch im Dach. Und schwemmte das Blut von seiner Stirn. Das Tal hatte sich geöffnet! Die Schächte offenbarten vertikal abfallende Tunnelwände, in deren Flanken hunderte von Grabmälern eingelassen waren. Der Fahle Ort strebte seiner Erfüllung entgegen. Jangal Mandir ertrank im Tosen des Monsuns.

Die Zerstörungskraft von tausend Sonnen, gebündelt in einem menschlichen Herz. Umgeben von der Allgegenwart des Alten Feindes. Gabriel erhob sich unter den Seinen. Er war frei.

Hier … auf der anderen Seite …

Meinung:

Die Steven-Burns-freie Zeit ist vorbei und die Gesamthandlung nimmt hier endlich mal richtig Fahrt auf: In Indien kreuzen sich die Wege von Steven Burns, Larry Newman, Joyce Kramer, Cardieu, Schmidt und Bakerman wieder und es werden einige Dinge enthüllt, die man wirklich nicht mehr als “Kleinigkeiten” bezeichnen kann.

Storytechnisch muss ganz klar gesagt werden, dass Andreas Gloge auf dem besten Wege ist, die Serie zu ihrer alten Stärke zurückzuführen. Hier bekommt man einen Hochhgeschwindigkeits-Plot serviert, der nicht mit Enthüllungen geizt (die allerdings auch gleichsam teilweise für neue Möglichkeiten und Fragen sorgen), sondern der einen trotz aller Ereignisse nicht wie ein ICE überrollt, sondern die Burns-typische, sedierende Art und Weise beibehält, die sich schnell zum Markenzeichen der Serie entwickelte und im Kontext der Serie essentieller Bestandteil der einmaligen Atmosphäre ist.

Zu den Sprechern kann man einzig sagen: Hoch die Tassen! Volker Sassenberg versteht es nicht nur, großartige Namen richtig für die Rollen zu besetzen, unter seiner Regie laufen die Sprecherinnen und Sprecher auch zu Hochleistungen auf und dabei ist es egal, ob es die alten Burns-Recken Bernd Vollbrecht, Bianca Krahl, Ernst Meincke oder Björn Schalla oder Sprecher wie Mario von Jascheroff sind.

Herausheben möchte ich allerdings Jürgen Kluckert. Er hat in dieser Folge zwar auch den Part des Erzählers einmal mehr großartig absolviert, bietet indes auch eine kleine Überraschung, die ich an dieser Stelle nicht verraten möchte. Nur soviel: Gänsehaut garantiert.

Beim Sound ist und bleibt Burns eine Bank. Eine derart dichte und durchdachte Atmosphäre bekommt man selten geboten – einmal mehr kann man sich kaum der durch dieses brillante Sounddesign erschaffenen Atmosphäre kaum entziehen und wird unweigerlich in diesen düsteren Trip hineingezogen. Auch hier sei jedem Hörer angeraten, sich die Folgen auch über Kopfhörer anzuhören – was das Team um Volker Sassenberg hier erneut erschaffen hat, verdient Respekt.

Als Fazit:
Die Serie bleibt auf Kurs und hält derzeit eine gute und vor allem gut funktionierende Waage zwischen “bei der Stange halten” und Auflösungen. Vorgetragen von einem verdammt guten Sprecherensemble unter einer hervorragenden Regie, begleitet von einem Sounddesign auf höchstem Niveau, werden die Hörer hier auf einen bizarren Trip mitgenommen, den man sich gern auch mehrfach geben kann. Bitte weiter so!

http://www.hergehoert.de/gabriel_burns__34+35.html

[Review] Anonymus: Das Buch ohne Staben


Anonymus: Das Buch ohne Staben (gelesen von Stefan Kaminski, Lübbe Audio - 2010)Anonymus: Das Buch ohne Staben
Gelesen von Stefan Kaminski

Veröffentlicht: Lübbe Audio, 2010
4 Audio-CDs
Länge: 296 Minuten
ISBN: 978-3-7857-4321-8

Inhaltsangabe des Verlags:

Auch ein Massenmörder muss an seine Rente denken. Und so kommt es, dass der sensible Killer Bourbon-Kid seinen Job an den Nagel hängen will. Doch als der Mönch Peto plötzlich die Jagd auf ihn eröffnet, steckt die ganze Stadt bald in einem Blutbad zusammen mit diversen Vampir-Gangs, einem seltsamen Werwolf, einem aufdringlichen Barkeeper und dem Dunklen Lord höchstpersönlich. Rente hin oder her. Bourbon-Kid hat die Nase voll und erstellt seine eigene Abschussliste. Und diesmal verschont er niemanden!

Meinung:

Wenn Elvis höchstselbst Vampire abschießt, wenn comichaft überzeichnete Charaktere in noch überzogeneren Handlungssträngen aufeinanderprallen, wenn Blut in Unmengen fließt, dann ist man entweder bei Quentin Tarantino und Robert Rodriguez gelandet… Oder bei Anonymus.

 

Ja, der Bourbon Kid ist zurück. Und er hat eine Scheiß-Laune wegen des untoten Vampirgesocks. Nach dem furiosen Erstling, “Das (Hör-)Buch ohne Namen” wartet nun die zweite Runde auf den geneigten Hörer – und Autor Anonymus gibt hier wieder richtig Gas: Hanebüchene Situationen und Situationskomik gepaart mit wortwörtlich irren Charakteren, einer schieren Freude an Exploitation Movies, völlig überzeichnete Gewaltexzesse, kurz: Alles, was irgendwie anstößig ist und doch Spaß macht 🙂

Gespielt, nein: regelrecht zelebriert wird diese irrwitzige Geschichte von Stefan Kaminski, dem fleischgewordenen Stimmenchameleon. Was Kaminiski hier abliefert, ist ein wahres Feuerwerk an Darstellungskünsten durchgeknallter Figuren. Es passt wie die Faust auf’s Auge und dürfte so ziemlich das Optimum sein, was ein Sprecher leisten kann. Grandios wäre schlicht untertrieben.

Musikalisch gibt es das gleiche Stück wie im Vorgänger – passt und steht dem Hörbuch gut zu Gesicht.

Als Fazit:
Freunde abgedrehter, streckenweise urkomischer Unterhaltung mit liebenswerten, aber völlig durchgeknallten Charakteren und jeder Menge Fun, Action und Gesplatter – vorgetragen von einem Stefan Kaminski in Bestform. Zugreifen und Spaß haben – ‘Das Buch ohne Staben’ ist ein Hörbuch mit Referenzcharakter!

http://www.hergehoert.de/anonymus-das-buch-ohne-staben.html

[Review] Sebastian Fitzek: Der Augensammler | Fest für Thrillerfans


Sebastian Fitzek: Der Augensammler (Hörbuch, Lübbe Audio, 2010)Sebastian Fitzek: Der Augensammler
Gelesen von Simon Jäger.

Veröffentlicht: Lübbe Audio, 2010

4 Audio-Cds
Länge: 310 Minuten
ISBN: 978-3-7857-4368-3

Inhaltsangabe des Verlags:

Erst tötet er die Mutter, dann verschleppt er das Kind und gibt dem Vater 45 Stunden Zeit für die Suche. Das ist seine Methode. Nach Ablauf der Frist stirbt das Opfer. Doch das Grauen endet nicht: Den aufgefundenen Kinderleichen fehlt jeweils das linke Auge.

Bislang hat der „Augensammler“ keine brauchbare Spur hinterlassen. Da meldet sich eine blinde Physiotherapeutin, die angeblich in die Vergangenheit ihrer Patienten sehen kann. Und gestern habe sie womöglich den Augensammler behandelt …

Meinung:

Nach Werken wie “Splitter”, “Das Kind” oder “Der Seelenbrecher” waren die Erwartungen bezüglich Sebastian Fitzeks  “Der Augensammler” fast schon astronomisch hoch. Doch ohne zuviel zu verraten, können etwaige Zweifel direkt zerstreut werden: Fitzek wäre nicht Fitzek, böte er den Lesern und Hörern nicht genau das, worin er seit Jahren meisterlich ist: Packende Thrillerunterhaltung mit bösem Twist.

Handlungsmäßig bleibt Fitzek sich treu: Ein eigentlich schon kaputter Hauptcharakter wird auf eine Achterbahnfahrt durch menschliche Abgründe geladen, die mit dem großen Paukenschlag endet – garniert mit reichlich perfiden Szenarien, diesmal sogar ein sehr gut gelungenes Nicken Richtung “Saw”, ohne jedoch in die erschreckende Einfallslosigkeit selbiger Serie ab Teil 2 zu verfallen – und als Selbstzweck wird diese auch nicht verwendet, keine Sorge.

Der Augensammler” packt den Hörer von Anfang an und endet nicht mit dem Ausklingen des Jingles auf der letzten CD. Ok, physisch gesehen schon, aber wie so oft bei Fitzek: Es bleibt im Kopf. Stück für Stück setzt sich das Puzzle um den “Augensammler” zusammen, nur um an Ende doch noch mit einer Riesenüberraschung aufzuwarten.

Wie immer wird auch dieser Fitzek von Simon Jäger gelesen und wie bei den bisherigen Hörbüchern auch erweist sich das als absolute Stärke. Jäger gelingt es erneut, dass ein Hörbuch eher zu einem Hörspiel wird, eine One-Man Show im positiven Sinne. Nicht nur, dass Jäger ein begnadeter Erzähler ist, nein, er färbt die einzelnen Charaktere erneut mit seiner markanten Stimme, spielt mit Betonungen – und baut diesmal sogar den Berliner Dialekt ein, was dem so gesprochenen Charakter absolut zu Gute kommt.

Auf einzigartige Weise schafft Jäger es zudem auch, die Atmosphäre von Fitzeks Story durch seine Stimme einzufangen und zu verstärken – einmal mehr bleibt lediglich eine großartige Leistung zu bescheinigen, die schlicht beindruckt.

Bleibt als Fazit:
Der Augensammler” ist Fitzek in Reinkultur mit allen Stärken: Eine packende, mysteriöse Story, Wendungen und einem verdammt gut aufgelegten Simon Jäger, der sich hier erneut als Sprecher der Extraklasse beweist. Fitzek-Fans müssen zugreifen, doch auch wer Thrillern per se nicht abgeneigt ist, wird hier voll und ganz auf seine Kosten kommen – nebst Überraschung. Wieder mal.

http://www.hergehoert.de/sebastian-fitzek__der-augensammler.html

[Review] Mark Brandis: Raumsonde Epsilon | Roddenberrys dunkler Bruder


Mark Brandis: Raumsonde Epsilon (1)Mark Brandis: Raumsonde Epsilon (2)Mark Brandis: Raumsonde Epsilon (1+2)

Manuskript: Balthasar von Weymarn
Sounddesign und Musik:  Jochim-C. Redeker
Aufnahme: Thomas Weichler, Tommy Schneefuß, Sven-Alexander Bluhm
Produktion, Regie: und Schnitt: Balthasar von Weymarn und Jochim-C. Redeker
Product Manager folgenreich: Doerte Poschau

Veröffentlicht: Folgenreich / INTERPLANAR Produktion GbR., 2010

SPRECHER:
Michael Lott, Julien Haggége, Christine Mühlenhof, Tomasina Ulbricht, Mark Bremer, Martin Wehrmann, Michael Westphal, Michael Pan, Wolf Frass, Gerhart Hinze, Stefan Peters, Oliver Seidler, Udo Schenk, Cho See- Young, Stefan Gossler u.a.

Raumsonde Epsilon (1)
1 Audio-CD
ISBN-Nr. 978-3-8291-2317-4

Raumsonde Epsilon (2)
1 Audio CD
ISBN-Nr. 978-3-8291-2318-1

Meinung:

Mark Brandis“ hat sich über die letzten Jahre im Hörspielbereich nicht nur einen guten, sondern einen wortwörtlich ausgezeichneten Namen gemacht. Das Team um Balthasar von Weymarn und Jochim-C. Redeker (tatsächlich Jochim, nicht Joachim) hat mit dem Segen der Witwe des Brandis-Schöpfers, Reinhild von Michalewsky, eine tatsächlich epische Serie ins Leben gerufen, die es bislang immer wieder verstand Maßstäbe zu setzen. „Raumsonde Epsilon“ steht dem glücklicherweise in Nichts nach.

Raumsonde Epsilon“ knüpft nahtlos an den vorangegangenen Zweiteiler an – allerdings muss man diesen nicht kennen, um sich zurecht zu finden. Wichtiges wird kurz erklärt, ansonsten reicht es zu wissen, daß Brandis und Crew mit einem geborgenen Schiff auf dem Rückflug zur Erde sind – alles weitere bekommt man im wahrsten Sinne des Wortes live mit.

Auch wenn der erste Teil streckenweise ein wenig lang geraten ist, entwickelt sich gerade im zweiten Teil eine tempo- und actionreiche, allerdings auch wieder für eine derartige Serie überrasched stark auf Charaktere zugeschnittene und nicht mit nachdenklich stimmenden, gesellschaftskritischen Einwürfen geizende Story, die -wenn man denn schon unbedingt das Haar in der Suppe sucht- einzig zu Beginn hätte etwas kürzer ausfallen können. Es ist aber nicht falsch zu verstehen: Gegähnt wird hier keinesfalls und in Gesamtheit bekommt das Fanherz wieder genau das, was es sich wünscht: Raumschlachten, Intrigen, politische Machtspielchen, eine gehörige Portion Drama, Gesellschaftskritik und zum Ende hin weht sogar ein Hauch eines etwas desillusionierten Gene Roddenberry durch die Geschichte.

Bei den Sprechern bleibt alles wie gehabt: Michael Lott, Martin Wehrmann, Michael Pan, Udo Schenk, Julien Haggége, Mark Bremer, fast alle liefern makellose Leistungen ab – fast, denn wie bereits beim Vorgänger kritisiert, fällt Tomasina Ulbrichts Leistung stark gegen die der anderen erwähnten ab. Es ist zwar gut, daß man Kontinuität wahrt und sie auch für diese beiden Folgen aufgenommen hat und die Szenen, in denen sie zu hören ist, sind ob ihrer Gesamtheit gut hörbar, dennoch ist diese Emotionslosigkeit, mit der der Charakter Ludmilla Wolska gesprochen, oder besser: gelesen wird ein Manko, das nicht überhört werden kann. Egal ob beim ausgelassenen Würfelspiel, in Gefangennahme oder kurz vor einer drohenden Exekution: Sie klingt immer gleich emotionslos und das ist letztlich schade, denn eine gewisse Authentizität sollte schon vorhanden sein.

Beim Sound hat sich Joachim-C. Redeker einmal mehr ausgetobt: Was dieser Mann aus Geräuschen, Soundeffekten und Musik schafft, ist für mich bislang unerreicht: „Mark Brandis“ zieht den Hörer wirklich mit ins All und obschon die Abenteuer natürlich jenseits unserer jetzigen Realität spielen, fühlt man sich doch in einer realitätsnäheren (Klang-)Welt als es manch eine Produktion, die in „unserer“ Realtität verankert ist, zu leisten vermag. Und einmal mehr schafft dieses Serie etwas bei mir, was nur verdammt selten gelingt: Gerade die Monologe Brandis‘ in Kombination mit Geräuschen und Redekers Musik sind Gänsehaut-Garanten!

Bleibt als Fazit: „F*ckin‘ epic!“
Ein etwas gestreckter Start und eine emotionslose Dr. Wolska vermögen den Gesamteindruck nicht zu schmälern: Diese Doppelfolge ist technisch erneut ein wahrer Hammer, ein Gänsehaut-Garant (nicht im Sinne von gruselig, auch nicht im Sinne von „Boah, wat schlecht“, keine Sorge) und bietet alles, wofür der Name „Mark Brandis“ steht: Summa summarum gute Story, viele im Ohr bleibende Szenen, ein großartiges Sprecher-Ensemble und ein absolut überragendes Sounddesign – SO muss Science Fiction geschrieben sein und klingen! Danke dafür.

http://www.hergehoert.de/mark_brandis__raumsonde_epsilon.html

[Review] Jack Slaughter (11): Im Haus des Todes | Herzhafte Hörnahrung


Jack Slaughter (11): Im Haus des TodesJack Slaughter (11): Im Haus des Todes

Regie, Produktion & Dranaturgie: Lars-Peter Lueg
Musik, Arrangements & Instrumente: Andy Matern
Veröffentlicht: LPL Records / folgenreich, 2010

SPRECHER:
Till Hagen, Simon Jäger, David Nathan, Arianne Borbach, Klaus-Dieter Klebsch, Jan Spitzer, Frank Röth  u.a.

Meinung:

Wenn der ewig griesgrämige Oberdämon Professor Doom (Klaus-Dieter Klebsch) auf den ewig fröhlichen Mr. Happy trifft, kommt dies einem Erdbeben gleich – und für den Hörer kommt es zu einem Frontalangriff auf die Lachmuskeln.

Die bewährte Art der Serie wird natürlich beibehalten: Groschenromanklischees werden genüßlich und dennoch auch als Unterhaltungsfolge funktionierend durch den Kakao gezogen und zum Schreien komisch auf die Spitze getrieben. Egal ob es Professor Doom mit seinem bizarren Kabinett der schrägen Charaktere ist oder Jack, die Tochter des Lichts, die, Verzeihung: der mehr auf Blut und Gewalt denn auf die Schminktipps seiner verstorbenen Großmutter steht, sind. Diesmal treibt man es jedoch auf die Spitze: Der immerfröhliche Mr. Happy bekommt von Professor Doom einen Fluch auf den Hals gehetzt, der den immer gut gelaunten Happy zu einem Kannibalen macht, der gut gelaunt seinem neuen Hunger frönt.

So herzallerliebst schräg die Handlung klingt und im Endeffekt auch ist: Es dauert ein wenig, bis Jack, Kim und Tony „in die Puschen“ kommen – das mag für einige ein Problem sein, mir persönlich hat es so jedoch gefallen, weil dadurch insbesondere Doom und Happy ausreichend Zeit für das ultra-schräge Setup der herzigen Jagd bekommen.

Die Sprecher sind einmal mehr durch die Bank weg großartig. Vor allem das „Prima Vista“-Double Simon Jäger und David Nathan, sowie Klaus-Dieter Klebsch verdienen erneut virtuellen Applaus – hörbar Spaß an der Sache haben allerdings alle Beteiligten und es ist in der Tat eine reine Freude diesen großartigen Sprechern zu lauschen.

Musik und Effekte passen sich wieder dem gewohnt schrägen Setting an – genau wie die Klischees der Figuren und der Handlung von Groschenromanen per se durch den Kakao gezogen werden, wir hier auch hier wieder die Musik oftmals „gegen den Strich“ eingesetzt um den bizarr-schrägen Charakter der Serie zu untermalen. Dieser Wahnsinn mit Methode könnte wohl in keiner anderen Serie derzeit funktionieren.

Zu den Effekten sei noch gesagt, daß diese wie immer passend eingesetzt werden und mit Blick auf die herzhaften Mahlzeiten Mr. Happys das Ganze durchaus auch als Diätbegleitung dienen kann 🙂

Bleibt als Fazit:
Eine Folge, bei der ich persönlich gefeiert habe – die einfache Ausgangssituation führt zu etlichen einfach nur zum Brüllen komischen Szenen, die von einem in bester Spiellaune befindlichen Sprecherensemble hervorragend zum Leben erweckt werden, begleitet von der zum Markenzeichen der Serie gewordenen, nicht minder schrägen musikalischen Begleitung, passend genutzten (und streckenweise echt ekeligen) Geräuscheffekten.
Jack Slaughter“ ist und bleibt eine einfach liebenswert schräge Serie, die vor Nichts halt macht und den Zuhörern vor allem mit dieser Folge, dem „Haus des Todes„, eine pfundige Portion allerliebster Unterhaltung mit Herz bietet.

http://www.hergehoert.de/jack-slaughter_11_im-haus-des-todes.html

[Review] Richard Doetsch: Die 13. Stunde | Lehrstück in Sachen Zeitreise und Thriller


Richard Doetsch: Die 13. Stunde (Lübbe Audio, 2010)Richard Doetsch: Die 13. Stunde
(OT: The Thirteenth Hour)
Gelesen von Matthias Koeberlin

Veröffentlicht: Lübbe Audio, 2010

6 Audio-Cds
Länge: 453 Minuten
ISBN: 978-3-7857-4281-5

Inahltsangabe des Verlags:

Nicholas Quinn sitzt im Verhörraum der Polizei. Seine Frau wurde ermordet, und man hält ihn für den Täter. Doch er ist unschuldig. Ihr Tod ist mit dem Schicksal von 212 Menschen verbunden, die bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sind – denn eigentlich sollte Nicholas’ Frau an Bord dieser Maschine sein. Doch aus irgendeinem Grund hat sie die Maschine in letzter Minute verlassen. Dieser Grund ist für den Absturz verantwortlich. Und für ihren Tod.

Ein Fremder betritt das Verhörzimmer. „Ihre Frau lebt noch“, sagt er. „Sie können sie retten und die 212 Passagiere des Flugzeugs.“ Er überreicht Nicholas eine goldene Uhr, auf der die Zeit rückwärts zu laufen scheint. „Sie haben dreizehn Stunden.“

Meinung:

Richard Doetsch war für mich bislang ein unbeschriebenes Blatt im Bereich Thriller. Mit „Die 13. Stunde“ hat sich dies geändert.

Bei Zeitreisethematiken gibt es bei mir grundlegend zwei Stimmen im Kopf, die ihren Meinungen kräftig Lautstärke verleihen: Auf der einen die freudige, die erwartungsvoll versucht die andere, skeptische, zu übertönen. Ja, man kann bei Zeitreisethrillern richtig daneben greifen, dafür ist die Thematik allein schon komplex genug. Man kann allerdings, und das schafft Doetsch hier, ein schieres Erlebnis schaffen, das nicht nur einmal, sondern gleich 12 mal die Zeit auf den Kopf stellt und dennoch von Anfang bis Ende zwar wendungsreich, aber auch plausibel bleibt.

Kommen wir kurz zur Story. Viele Autoren scheitern bereits an *einer* Zeitreise – Doetsch hingegen packt insgesamt 12 dieses Thema an und während andere Autoren gern unheilsschwanger Phrasen wie „Jede Handlung, die du jetzt veränderst, hat Auswirkungen auf die Zukunft“ einbauen, man dort jedoch den Regenwald abholzen könnte, ohne daß es großartig dramaturgisch verwertbare Konsequenzen hätte, treibt Doetsch dieses Spiel gekonnt auf die Spitze. Es läuft glücklicherweise nicht auf das Spiel hinaus, daß man nur das eine Element verhindern muss, um ein anderes zu ändern – es ist in schlichter Brillianz ein waschechter Thriller, eine Tätersuche, die sich erst Stück für Stück auflöst – und durch diesen und obig genannten Fakt, daß es hier in Hinsicht auf die Zeitreisethematik einfach konsequenter zugeht als in den meisten anderen Romanen oder Filmen dieser Art, wird „Die 13. Stunde“ zu einem lupenreinen CD-Turner.

Nun ist „Die 13. Stunde“ keine „Krawall-Produktion“, sondern ein krimilastiger Thriller mit einem dezenten SciFi-Anstrich. Sowas verlangt nach einem eher kühlen, ruhigen Erzähler. Nimmt man noch den Fakt dazu, daß der Protagonist Anfang 30 ist, kommt man mit Matthias Koeberlin auf einen Namen, der einfach passt. Koeberlin, der bereits etliche Male sein Können als Erzähler bewies (exemplarisch in „Das Jesus-Video„, den Richard Monatanari Hörbüchern oder Clive Barkers „Das erste Buch des Blutes„), entpuppt sich auch hier als Idealbesetzung. Er bringt Kraft seiner Stimme und Betonung die permanent unheilvolle, bedrückende Atmosphäre der Ungewissheit punktgenau rüber und verleiht dem Ganzen eine sanfte Eindringlichkeit, die bereits „Das Jesus-Video“ nicht umsonst zu einem derart vielgelobten Highlight machte.

Für mich bleibt somit als Fazit ein Hörbuch, das eines der wenigen ist, auf das ich einfach nur abfeiern könnte. Richard Doetsch hat mit „Die 13. Stunde“ einen packenden und einfach faszinierenden Thriller geschrieben, der so einfach und so konsequent mit der Zeitreisethematik spielt, das es einem schlicht die Sprache verschlägt. Vorgetragen von Matthias Koeberlin, dessen Interpretation die Kühle und bedrückende Ungewissheit perfekt einfängt und wiederspiegelt und der sich hier einmal mehr als einer der besten jüngeren Erzähler erweist.

Die 13. Stunde“ ist nichts weniger als ein perfektes Beispiel dafür, wie Zeitreisethriller klingen müssen – von der Story UND vom Erzähler her. Unbedingter Hörtipp!

http://www.hergehoert.de/richard-doetsch__die-13te-stunde.html

[Review] Cody Mcfadyen: Ausgelöscht


Cody Mcfadyen: Ausgelöscht (Lübbe Audio, 2010)Cody Mcfadyen: Ausgelöscht

Gelesen von Franziska Pigulla
Veröffentlicht: Lübbe Audio, 2010

6 Audio-CDs
427 Minuten
ISBN: 978-3-7857-4331-7

Inhaltsanagebe des Verlags:

Während Smoky Barrett und die anderen Gäste auf das Brautpaar am Altar blicken, hält ein Lieferwagen vor der Kirche und eine Frau wird hinausgestoßen. Ihr Kopf ist kahl geschoren, ihre Haut ist blutig. Die Frau wurde vor sieben Jahren entführt. Weitere Frauen werden aufgefunden, die seit Jahren verschwunden waren. Sie alle können nicht mehr sprechen, denn ihnen wurden zentrale Nervenbahnen im Gehirn durchtrennt …

 

Meinung:

Ausgelöscht“ – um es knallhart zu sagen: Der Name ist Programm; leider im negativen Sinne.

Ausgelöscht scheint nämlich Mcfadyens Gespür für nervenzerrende Spannungsbögen mit einem dauerhaft vorhandenen Unterton subtiler Bedrohung. Eben jene Elemente, die er so meisterhaft in „Die Blutlinie“ und „Der Todeskünstler“ zelebrierte. Und es ist gewiss nicht der für Mcfadyen ungewohnt zahme Bodycount, denn Spannung lässt sich bekanntlich nicht nach Anzahl der zerstückelten Leichen pro Minute berechnen. Nein, was dieser Geschichte fehlt, sind die unberechenbaren Momente, Augenblicke, in denen man glaubt, alles könne passieren. Doch diese sind rar gesäät, an derer statt findet sich Mcfadyen diesmal leider knietief im Sumpf der Banalitäten und Vorhersehbarkeiten wieder und lässt zudem kein Klischee aus. Zugegeben, auch seine Vorgängerromane erfanden das Rad gewiss nicht neu und suhlten sich streckenweise in Klischees, indes spielte Mcfadyen geradezu virtuos auf der Genreklaviatur, wohingegen er diesmal, bildlich gesprochen, lediglich den Flohwalzer zum Besten gibt.

Das ist bitte nicht falsch zu verstehen und gewiss lesen sich die ersten Zeilen härter, als sie gemeint sind. Im Vergleich: Waren obig genannte „Blutlinie“ und „Todeskünstler“ bluttriefende, zugleich ungeheuer raffiniert angemachte Gourmet-Gänge, so ist „Ausgelöscht“ nach „Das Böse in uns“ nur der konsequente Weitergang in ein Fastfood-Restaurant: Schmack-, aber nicht nahrhaft.

Was also macht „Ausgelöscht“ dennoch schmackhaft?

Zwei Dinge: Zunächst hat man bei der Scriptbearbeitung und der Regie verdammt gut gearbeitet und das, was die Story hergibt, gut zusammengestrichen und arrangiert. Definitiver Pluspunkt.

Zum anderen natürlich ist es einmal mehr Franziska Pigulla, die mit ihrer unverwechselbaren Stimme etliche Macken der Story wettmacht. Pigulla schafft es immer wieder, eine ganz eigene Atmosphäre entstehen zu lassen, wenn sie die unterschiedlichsten Charaktere lebensecht im „Kopfkino“ entstehen lässt – und das ist insbesondere bei einer schwachen Story wie „Ausgelöscht“ ein Rettungsanker, der das Hörbuch zwar nicht in höchste Höhen, aber zumindest über den Durchschnitt reißt.

Somit bleibt als Fazit ein Hörbuch mit der bislang schwächsten Story Mcfadyens, welches jedoch durch die Scriptbearbeitung, die Regie und vor alem durch Franziska Pigullas Leistung aus dem “Absturz” gerettet wird. Ähnlich einem guten Burger „schmeckt“ dieses Hörbuch zwar beim Hören, aber es hat keinen nachhaltigen Mehrwert. Es macht durchaus Spaß, doch bleibt die Hoffnung, daß Mcfadyen sich für den nächsten Band wieder auf seine Stärken besinnt.
Solange können sich Smoky-Barrett-Fans mit „Ausgelöscht“ zwar behelfen, eine generelle Thrillerempfehlung mit Nachhaltigkeit kann ich diesmal jedoch leider nicht aussprechen – und das geht wirklich allein auf die Kappe Mcfadyens.

http://www.hergehoert.de/review__cody-mcfadyen__ausgeloescht.html