Jack Slaughter: Bedrohung aus dem All


Cover zu Jack Slaughter: Bedrohung aus dem All

© Universal Music Family Entertainment

Jack Slaughter: Bedrohung aus dem All.

Idee, Konzeption & Story: Lars Peter Lueg
Dialogbücher: Devon Richter & Nikola Frey
Musik, Arrangements, Instrumente: Andy Matern
Weitere Gitarren: Stefan Ellerhorst
Regie, Produktion & Dramaturgie: Lars Peter Lueg
Aufnahmeleitung: Anno Storbeck
Artwork: Alexander Lux, torius
Product Management: dp

SPRECHER:
Till Hagen, David Nathan, Sven Plate, Simon Jäger, Arianne Borbach, Andy Matern, Dietmar Wunder, Michael Pan, Lutz Mackensy, Thomas Nero Wolff, Ulrike Stürzbecher, Gisela Fritsch, Lutz Riedel, Delphin Mitzi, Klaus Dieter Klebsch, Rainer Fritzsche, Cathleen Gawlich, Fang Yu

INHALTSANGABE DES VERLAGS:

Ein Meteorit ist in Jacksonville eingeschlagen. Die Regierung versucht etwas zu vertuschen. Als nach und nach die Kämpfer für das Gute nicht mehr sie selbst sind, wird eines klar: Die Körperfresser sind gelandet! Nur Bob, der eigentlich Robert Stark heißt und ein erfahrener Weltraum-Cop ist, kann die Gefahr aus dem Weltraum abwenden. Doch reicht ein einzelner Mann aus, um gegen eine ganze Armee von Gehirnsoldaten anzutreten?

MEINUNG:

Die Affen sind los. Jacksonville sieht sich in dieser Episode einer heimtückischen Invasion aus dem All gegenüber – die Körperfresser in Hörspielform sozusagen. Vorab sei erwähnt, daß in diesem Punkt auch genau das Hauptproblem mit dieser Folge liegt: Wer auf die serientypische Horror-Satire wartet, wartet vergebens. Denn ja, es sind natürlich die bekannten Charaktere dabei, aber nein, auf die  Veralberung typischer Grusel- und Horrorklischees wartet man hier vergebens. Statt dessen entpuppt sich die Episode als waschechte SciFi-Karikatur. Wer also auf klassische Slaughter-Kost hofft, wird hier massiv enttäuscht sein.
Wer jedoch mit diesem Genreumschwung kein Problem hat und den sehr speziellen Slaughter-Humor mag, wird von den aberwitzigen Anspielungen auf Genreklassiker erstklassig unterhalten.

Damit dann aber ab zu den Sprechern. Hier kann man es kurz machen: Gewohnt gut.   Besonders gelungen ist meiner Meinung nach der Auftritt Dietmar Wunders als Bobs „sprechfähige“ Version Robert „Bob“ Stark, der hier bewußt einen auf Daniel-Craig-007 macht. Auch Sven Plate als garstiges Äffchen General Wilson darf nicht unerwähnt bleiben. Er macht aus dem Kapuzineräffchen ein herrlich fieses Mistvieh – im positivsten Sinne des Wortes.

Musik und Effekte bieten die gewohnt schräge, dennoch passende Geräuschkulisse und Untermalung, wie sie derzeit wohl nur bei Slaughter funktionieren kann.

So bleibt am Ende ein zwiespältiges Produkt: Slaughter-Puristen, die Horror- und Gruselelemente parodiert hören möchten, werden mit „Bedrohung  aus dem All“ sicherlich nicht glücklich, da genau diese Elemente fehlen und selbst Professor Doom zu einer Nebenfigur degradiert wird.
Wer allerdings Gefallen an SciFi-Persiflagen und dem typischen Jack-Slaughter-Humor findet, kann hier ohne Probleme zugreifen, denn spaßig und gut produziert ist die Episode allemal.

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[Review] Mark Brandis: Pilgrim 2000 (Teil 1 und 2)


Cover zu Mark Brandis: Pilgrim 2000 | © 2011 folgenreich / Universal Music Entertainment GmbHMark Brandis: Pilgrim 2000
Nach dem gleichnamigen Roman von Nikolai von Michalewsky

Manuskript: Balthasar von Weymarn
Musik & Sounddesign: Jochim-C. Redeker
Aufnahme: Tommi Schneefuß, Thomas Weichler und Sven-Michael Bluhm
Produktion, Regie und Schnitt: Jochim-C. Redeker & Balthasar von Weymarn
Artwork: Alexander Preuss
Layout/ Satz: Jürgen Straub
Product Management: dp

SPRECHER:
Dr. Rebecca Levy: Claudia Urbschat-Mingues
Cmdr. Mark Brandis: Michael Lott
Cpt. Grigori »Grischa« Romen: David Nathan
Bordsystem CORA: Mira Christine Mühlenhof
Lt. Pablo Torrente: Martin Keßler
Prolog: Wolf Frass
Lt. Iwan Stroganow: Martin Wehrmann
Lt. Konstantinos Simopoulos: Gernot Endemann
Judith: Katarina Tomaschewsky
Melchior: Klaus Sonnenschein

Teil 1:
ISBN: 978-3-8291-2436-2
Gesamtspielzeit: ca. 57 Minuten
Altersempfehlung: ab 12 Jahren

Teil 2:
ISBN: 978-3-8291-2437-9
Gesamtspielzeit: ca. 56 Minuten
Altersempfehlung: ab 12 Jahren

INHALTSANGABE DES VERLAGS:

Teil 1:
2127: Commander Brandis und seine Crew sind auf der erdabgewandten Seite der Sonne. Nach Reparaturen an einer Raumstation ist die HERMES bereits auf dem Rückweg, als die Kommunikation ausfällt. Erst in 17 Tagen wird sie wieder Kontakt zur Erde erhalten. Die Nähe zur Sonne hat die Sehfähigkeiten der sechs Raumfahrer beeinträchtigt. Doch dann taucht ein seit Jahrzehnten verschollenes Generationenschiff vor ihnen auf, und Brandis ergreift die Chance, herauszufinden, ob noch jemand an Bord lebt …
Teil 2:
2127: Die HERMES ist jenseits Seite der Sonne von der Kommunikation zur Erde abgeschnitten. Mark Brandis und seine Crew haben Bewohner an Bord der PILGRIM 2000 gefunden. Ihr Rückweg zur Schleuse, an der die HERMES angedockt liegt, ist versperrt — durch ein Heer hundegroßer Ratten. Da das Generationenschiff dem Untergang geweiht ist, bleibt Brandis nur wenig Zeit, um einen zweiten Fluchtweg zu finden. Und die Ratten sind nicht die einzige Gefahr an Bord …

MEINUNG:
Ein äußerst interessante und spannende Ausgangslage: Ein scheinbar verlassenes Generationschiff, welches in wenigen Tagen in die Sonne stürzen wird. Das verspricht viel – viel Dramatik, viel Spannung. Leider jedoch hat man die Möglichkeiten nicht voll ausgeschöpft. Es wird beispielsweise immer wieder mal erwähnt, daß „Pilgrim 2000“ in Bälde verglühen wird, allerdings wenig dramatisch und derart beiläufig, daß gerade in diesem Punkt sehr viel Potential dieser permanenten Bedrohung verschenkt wurde. Insgesamt kommt die Geschichte in Gänze auch für bisherige „Mark Brandis“-Verhältnisse ziemlich zahm daher, auch wenn sie immer noch genügend Spannung bietet, insbesondere im zweiten Teil, um im überdurchschnittlichen Brandis-Bereich zu landen. Doch im Vergleich zu den bisher vertonten Geschichten, fällt „Pilgrim 2000“ ein wenig ab.

Sprechermäßig allerdings bleibt alles wie gewohnt: Vorzeigeensemble mit nahezu durchgehend großartigen Leistungen. Das einzige, was auffällt, ist die etwas (überraschend) hölzerne Art, mit der Gernot Endemann spricht. Ansonsten gibt es rundherum gute Leistungen zu vermelden. Michael Lott als Mark Brandis nebst seiner bekannten Crew (David Nathan als Grisha Romen, Martin Wehrmann als Iwan Stroganow, Martin Keßler als Pablo Torrente und Mira Christine Mühenhof als CORA) ihre jeweiligen Figuren gewohnt überzeugend ins Ohr bringen.
Besonders erwähnen sollte man Claudia Urbschat-Mingues, die hier eine toughe Dr. Rebecca Levy zum Besten gibt, sowie Klaus Sonnenschein als Melchior, der den dezenten Wahnsinn dieser Figur perfekt rüberbringt, ohne dabei einen klischeetriefenden „Bösewicht“ draus zu machen.

Musik und Effekte sind seit Anbeginn der Serie nicht nur innerhalb selbiger Qualitätsgarant, sondern spielen auch in der Liga der Großen in der Topregion ganz weit vorn mit. Das, was hier erneut an Effektfeuerwerken und musikalischen Untermalungen abgefeuert wird, ist schlicht und einfach Referenzklasse. Besonders beeindruckend ist die Atmosphäre des (nahezu) verlassenen titelgebenden Generationenschiffs „Pilgrim 2000“. Und Klaus Sonnenscheins „Gott-Modus“ wird sicher beim ersten Hören bei einigen für einen guten Schauer sorgen (Tip: Über ein paar richtig gute Kopfhörer genießen).

Als Fazit bleibt:
Eine gute, wenn gleich im „Brandis“-Universum ungewohnt zahme und unpolitische Geschichte wird erneut von verdammt gut aufgelegten Sprechern gespielt, bei denen lediglich Gernot Endemann etwas hölzern daherkommt. Effekte und Musiken bieten gewohnte Kost, respektive Referenzklasse. Wer auf Space-Abenteuer (und die Betonung liegt diesmal auf Abenteuer!) steht, wird mit „Pilgrim 2000“ extremst gut bedient. Wer allerding „Brandis as usual“ erwartet, könnte diesmal ein wenig „enttäuscht“ sein. Aber ein wenig Abwechslung ist auf Dauer vielleicht gar nicht mal verkehrt. Summa summarum bleibt dennoch auch hier: Verdammt gute SciFi-Unterhaltung in Referenzklasse.


[Review] Gruselkabinett: Das Schloß des weissen Lindwurms (Bram Stoker)


Gruselkabinett: Das Schloss des weißen Lindwurms (nach Bram Stoker; Titania Medien, 2009)Gruselkabinett: Das Schloß des weißen Lindwurms
Basierend auf dem Roman von Bram Stoker

Regie: Marc Gruppe
Veröffentlicht: Titania Medien; 2009

SPRECHER:
Markus Pfeiffer, Hasso Zorn, Joachim Pukaß, Katja Nottke, David Nathan, Melanie Hinze, Peter Reinhardt, Anja Stadlober.

1 Audio-CD
ISBN-Nr.: 978-3-7857-3825-2

Inhaltsangabe des Verlags:

Der junge Australier Adam Salton folgt der Einladung seines einzigen noch lebenden Verwandten nach Lesser Hill. Richard Salton hofft, dass sein Großneffe dort eines Tages sein Erbe antreten wird. Der Familiensitz liegt in einer äußerst geschichtsträchtigen Gegend, der es nicht an exzentrischen Bewohnern mangelt. Eine von ihnen ist die faszinierende Lady Arabella March, die Herrin eines auf einer Halbinsel gelegenen Schlosses…

Meinung:

Das Schloss des weißen Lindwurms“ erzählt die dramatischen Erlebnisse des jungen Australiers Adam Salton, der auf Wunsch seines Großonkels Richard Salton dessen Erbe auf Lesser Hill antreten soll. Samt Hab, Gut und Mungo Mr. Bagles macht sich der junge Salton auf nach England und findet sehr zu seinem Entzücken neben neben einem sehr netten Großonkel und einem loyalen, alten Freund (gewisse Ähnlichkeiten zu einem Abraham van Helsing sind sicherlich nicht ganz zufällig…) auch eine junge Dame, die seinen Annäherungsversuchen nicht abgeneigt ist.

Soweit, so gut? Nicht ganz, denn Stoker ist bekanntlich nicht der „Gute Laune“-Papst unter den Schriftstellern. So schleicht, oder besser gesagt: Schlängelt sich hier das Grauen heimlich, still und leise ein, denn nach und nach entdeckt Adam, daß die an sich so idyllische Gegend eine nicht ganz idyllische Geschichte hat.

Vorab sei erwähnt, daß es sich bei der vorliegenden Version keinesfalls um eine 1:1-Umsetzung handelt. Einige Dinge wurden gestrafft, andere weggelassen. Dennoch, oder gerade deshalb, gelingt es Gruppe einmal mehr, einen ordentlichen Spannungsbogen über die gesamte Laufzeit zu spannen – bis auf das Ende, denn dieses ist  in meinen Ohren leider nicht glücklich gewählt: Der “Showdown” ist dramaturgisch schlicht zu knapp gehalten. Überhaupt kam das titelgebende Fabelwesen viel zu kurz weg, so daß eine tatsächlich greifbare Bedrohung kaum vorhanden ist. Hier wäre es definitiv wünschenswert, hätte man sich an den Originalroman gehalten.

Neben der imho zu kurz geratenen Einbindung des Lindwurms, kommt leider auch Lady Arabella nicht ganz so bösartig und bedrohlich rüber, wie sie es sollte. Exemplarisch sei erwähnt, daß Arabella im Hörspiel zwar nicht gerade freundlich auf Saltons Mungo reagiert, dies in der Vorlage jedoch deutlich drastischer ausfällt… – auch hier kommt man nicht richtig auf „Betriebstemperatur“, leider – und so stiehlt der eigentliche „Nebenfiesling“ Edgar Caswell (herrlich-schmierig gesprochen von David Nathan) der „Hauptschurkin“ dann auch die Show, was dramaturgisch gesehen ebefalls absolut unglücklich ist.

Technisch gesehen punktet das Hörspiel jedoch wieder auf ganzer Linie: Neben einem erstklassigen Sprecherensemble ist das gesamte Hörspiel -einmal mehr- mit brillanten und brilliant eingesetzten Geräuscheffekten unterlegt, begleitet von einer sich nahtlos in die Atmosphäre einfügenden Musik. Hier ist Titania Medien seit Jahr und Tag vorbildlich und untermauert dies gekonnt mit dieser Folge.

Bleibt als Fazit:
Das Schloss des weissen Lindwurms“ ist sicherlich ein gutes und atmosphärisches Hörspiel, allerdings diesmal nicht in der Titania üblichen Referenzklasse. Dafür gibt es leider einige dramaturgische Punkte, die dies verhindern – da hätte der eine oder andere ausgelassene Punkt der Vorlage einiges retten können, doch kommen in der vorliegenden Version leider kaum Bedrohung und Bösartigkeit der Hauptschurkin auf, ebensowenig wie der titelgebende Lindwurm für greifbaren Grusel sorgt.

Gewiss, Freunde gruseliger Klassiker können auch hier wieder bedenkenlos zugreifen, doch ist man von Titania durchaus andere „Kaliber“ gewohnt – höre „Die Familie des Vampirs“, „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“, „Der Fall Charles Dexter Ward“ oder „Spuk im Hill House“.

 

[Review] Gruselkabinett: Der fliegende Holländer (nach Heinrich Heine)


Gruselkabinett: Der fliegende Holländer (nach Heinrich Heine; Titania Medien, 2007)Gruselkabinett: Der fliegende Holländer
Basierend auf Motiven von Heinrich Heine

Regie: Marc Gruppe
Veröffentlicht: Titania Medien; 2007

SPRECHER:
David Nathan, Wolfgang Condrus, Roland Hemmo, Barbara Adolph, Uli Krohm, Simon Jäger, Tommy Morgenstern, Nicolas Artajo, Thomas Nero Wolff, Dascha Lehmann und Heinz Ostermann.

1 Audio-CD
ISBN-Nr.: 978-3-7857-3350-9

Inhaltsangabe des Verlags:

Bis in alle Ewigkeit verflucht, muss das Geisterschiff des fliegenden Holländers die Weltmeere auf der Suche nach der ersehnten Erlösung der Mannschaft durchstreifen. Unheil droht demjenigen, der dem rotglühenden Dreimaster in stürmischer Nacht begegnet. Verderben hingegen wird dem zuteil, der sich mit dem verfluchten Kapitän des Seglers einlässt …

Meinung:

Lang bevor Disney mit dem „Fluch der Karibik“ die Geister der See wieder einer breiten Masse zugänglich machte und Kapitän Jack Sparrow auf den zu ewigen Leben verdammten Barbossa traf, spukte eine ähnlich klingende Geschichte durch die Welt und fand sich in allerlei Kunstgattungen wieder, in denen sich zwei besonders bekannte Namen befinden. Richard Wagner, der seine gewaltige Oper 1843 uraufführte – und diese nie hätte komponieren können, wäre er nicht einige Jahre zuvor über Heinrich Heines „Die Memoiren des Herren von Schnabelewopski” gestolpert.
Auf Motiven selbiger basiert der bereits zweiundzwanzigste Eintrag in der erfolgreichen Historie von Titania Mediens „Gruselkabinett”.

Marc Gruppe und Stephan Bosenius haben sich von Anfang an der Schauerromantik verschrieben, respektive keine sinn- und handlungslosen Metzelorgien, in denen uninteressante Klischeeinkarnationen durch langweilige Handlungsversätze, so man sie so nennen möchte, von einem Blutbad zum nächsten waten. Sowohl Gruppe, als auch Bosenius haben in den bereits über zwei Dutzend umfassenden Geschichten des „Gruselkabinetts” bewiesen, daß es um mehr geht: Charaktere, die beim Hörer Empathie wecken und Emotionen, die nicht durch hektoliterweise vergossenes (Hör)Blut erzeugt werden können.

In exakt dieser Tradition präsentiert sich auch „Der fliegende Holländer”, und ist, mehr noch als die vorigen Folgen, Aushängeschild für den Begriff „Schauerromantik”. Geradezu brilliant ist die „Erzählung in der Erzählung in der Erzählung”. Das Skript ist von herausragender Qualität, offeriert diese Art der Erzählweise doch gleich etliche Fallen, die indes galant umgangen wurden. Der letztliche Kern aus Protagonisten und antagonistischen Kräften, der beiderseitige Konflikt sowohl auf Seiten des verfluchten Kapitäns, als auch der hübschen Katharina, die beide ihrem Willen nach für einander bestimmt sind und doch scheitern müssen, offenbart in jeder Minute was der Begriff „Schauerromantik” bedeutet.

Getragen wird das Hörspiel von den Sprechern, insbesondere durch die Leistungen von Roland Hemmo, Dascha Lehmann, Barbara Adolph, Wolfgang Condrus und natürlich David Nathan, der dem verfluchten Kapitän genau das richtige Maß an Tragik und Verzweiflung einhaucht.
Gruppe hat ein ungemein gutes Gespür dafür, wie er die Sprecherinnen und Sprecher zu wahren Höchstleistungen führen.

Auch musikalisch gerät das vorliegende Werk ebenfalls zu einer der besten Folgen der Reihe. Oft wird auf die Oper von Wagner verwiesen – kein Wunder also, daß es beeindruckend und regelrecht pompös zugeht und doch passt die Musik in jedem einzelnen Einsatz perfekt und lässt, unterstützt vom ebenfalls vorbildlichen Einsatz von Geräuscheffekten, eine Atmosphäre entstehen, der sich der Hörer kaum zu entziehen vermag.

So kann auch „Der fliegende Holländer” aus dem Hause Titania Medien einzig mit einer deutlichen Empfehlung bedacht werden. Durch die Verquickung aus bestechendem Skript, den zugänglichen Charakteren, perfekt agierenden Sprecherinnen und Sprechern, einer absolut wasserdichten musikalischen und effektmäßigen Untermalung, sowie einer daraus resultierenden, unglaublich dichten Atmosphäre, untermauern Gruppe und Bosenius einmal mehr ihre Fertigkeit, in Zeiten von in Blut ertränkten Schockern mit filigranen und in der Tat schaurig-romantischen Klassikern einen Gegenpol zu setzen, der nicht mit dem Ende der CD in Vergessenheit gerät.

 

[Review] Jack Slaughter (11): Im Haus des Todes | Herzhafte Hörnahrung


Jack Slaughter (11): Im Haus des TodesJack Slaughter (11): Im Haus des Todes

Regie, Produktion & Dranaturgie: Lars-Peter Lueg
Musik, Arrangements & Instrumente: Andy Matern
Veröffentlicht: LPL Records / folgenreich, 2010

SPRECHER:
Till Hagen, Simon Jäger, David Nathan, Arianne Borbach, Klaus-Dieter Klebsch, Jan Spitzer, Frank Röth  u.a.

Meinung:

Wenn der ewig griesgrämige Oberdämon Professor Doom (Klaus-Dieter Klebsch) auf den ewig fröhlichen Mr. Happy trifft, kommt dies einem Erdbeben gleich – und für den Hörer kommt es zu einem Frontalangriff auf die Lachmuskeln.

Die bewährte Art der Serie wird natürlich beibehalten: Groschenromanklischees werden genüßlich und dennoch auch als Unterhaltungsfolge funktionierend durch den Kakao gezogen und zum Schreien komisch auf die Spitze getrieben. Egal ob es Professor Doom mit seinem bizarren Kabinett der schrägen Charaktere ist oder Jack, die Tochter des Lichts, die, Verzeihung: der mehr auf Blut und Gewalt denn auf die Schminktipps seiner verstorbenen Großmutter steht, sind. Diesmal treibt man es jedoch auf die Spitze: Der immerfröhliche Mr. Happy bekommt von Professor Doom einen Fluch auf den Hals gehetzt, der den immer gut gelaunten Happy zu einem Kannibalen macht, der gut gelaunt seinem neuen Hunger frönt.

So herzallerliebst schräg die Handlung klingt und im Endeffekt auch ist: Es dauert ein wenig, bis Jack, Kim und Tony „in die Puschen“ kommen – das mag für einige ein Problem sein, mir persönlich hat es so jedoch gefallen, weil dadurch insbesondere Doom und Happy ausreichend Zeit für das ultra-schräge Setup der herzigen Jagd bekommen.

Die Sprecher sind einmal mehr durch die Bank weg großartig. Vor allem das „Prima Vista“-Double Simon Jäger und David Nathan, sowie Klaus-Dieter Klebsch verdienen erneut virtuellen Applaus – hörbar Spaß an der Sache haben allerdings alle Beteiligten und es ist in der Tat eine reine Freude diesen großartigen Sprechern zu lauschen.

Musik und Effekte passen sich wieder dem gewohnt schrägen Setting an – genau wie die Klischees der Figuren und der Handlung von Groschenromanen per se durch den Kakao gezogen werden, wir hier auch hier wieder die Musik oftmals „gegen den Strich“ eingesetzt um den bizarr-schrägen Charakter der Serie zu untermalen. Dieser Wahnsinn mit Methode könnte wohl in keiner anderen Serie derzeit funktionieren.

Zu den Effekten sei noch gesagt, daß diese wie immer passend eingesetzt werden und mit Blick auf die herzhaften Mahlzeiten Mr. Happys das Ganze durchaus auch als Diätbegleitung dienen kann 🙂

Bleibt als Fazit:
Eine Folge, bei der ich persönlich gefeiert habe – die einfache Ausgangssituation führt zu etlichen einfach nur zum Brüllen komischen Szenen, die von einem in bester Spiellaune befindlichen Sprecherensemble hervorragend zum Leben erweckt werden, begleitet von der zum Markenzeichen der Serie gewordenen, nicht minder schrägen musikalischen Begleitung, passend genutzten (und streckenweise echt ekeligen) Geräuscheffekten.
Jack Slaughter“ ist und bleibt eine einfach liebenswert schräge Serie, die vor Nichts halt macht und den Zuhörern vor allem mit dieser Folge, dem „Haus des Todes„, eine pfundige Portion allerliebster Unterhaltung mit Herz bietet.

http://www.hergehoert.de/jack-slaughter_11_im-haus-des-todes.html

Wulf Dorn: Kalte Stille


Wulf Dorn: Kalte Stille (2010, Lübbe Audio. Gelesen von David Nathan)Wulf Dorn: Kalte Stille
Gelesen von David Nathan
Veröffentlicht: 2010, Lübbe Audio

6 Audio-CDs
Länge: 431 Minuten
ISBN: 978-3-7857-4439-0

Inhaltsangabe des Verlags:

Wenn die Stille zum Alptraum wird …
Eine Tonbandaufzeichnung, die in abrupter Stille endet – unerträglicher Stille. Mehr ist Jan Forstner von seinem kleinen Bruder nicht geblieben. Vor dreiundzwanzig Jahren ist Sven spurlos verschwunden. In derselben Nacht verunglückte auch sein Vater unter rätselhaften Umständen. Beide Fälle konnten nie aufgeklärt werden. Als Jan gezwungen ist, an den Ort seiner Kindheit zurückzukehren, holt ihn die Vergangenheit wieder ein. Ein mysteriöser Selbstmord führt ihn zu einem schrecklichen Geheimnis.

MEINUNG

Wulf Dorn ist mit “Kalte Stille” ein Thriller der tatsächlich leisen Töne gelungen – statt auf Krawall, Massaker, Hektoliter Blut und herumfliegende Gedärme im Sekundentakt, präsentiert er hier einen kühlen, stillen Thriller, verstörend in Handlung und Charakterisierung und dennoch ungemein fesselnd. Tatsächlich ist in “Kalte Stille” so gut wie kein Charakter seelisch heil, was nicht nur als Ausgangspunkt wunderbar funktioniert, sondern den Hörer auch mit ihnen im weiteren Verlauf der Geschichte mitfühlen lässt. Dorn umschifft die Klippe, daß Charaktere auf den ersten Blick zwar interessant erscheinen, im weiteren Verlauf jedoch zu wandelnden Klischeeinkarnationen verkommen. Gewiss, einige Male wird auch hier in der Klischeekiste gerührt, doch driftet Dorn nie in Gefilde ab, die auch nur ansatzweise beim Hörer ein Zucken im Finger in Richtung “Stopp”-Taste hervorrufen. Die Geschichte ist vom Anfang bis zum Ende packend erzählt – Dorn lässt den Leser, respektive Hörer bei wichtigen Aspekten immer schön lange “zappeln”, baut Spannung auf und löst dann auf – und das in einer Atmosphäre, die die Kälte aus dem Titel durchaus verdient.

Allerdings sollte eines beachtet werden: “Kalte Stille” kann durchaus als bedrückend empfunden werden – es ist gewiss kein “mal eben Gute Laune hören”-Hörbuch.

Gelesen wird das Werk von David Nathan – allein die Erwähnung des Namens dürfte mittlerweile nicht nur Kennern als Garant für superbe Erzählungen sein. Nathan belegt mit seiner Leistung bei “Kalte Stille” einmal mehr, daß er zu den absoluten Top-Sprechern Deutschlands zählt. Er charakterisiert die Charakter, spielt sie realistisch, kein Overacting, keine Aussetzer – David Nathan ist und bleibt pures Stimmgold und macht “Kalte Stille” zu einem atmosphärischen Erlebnis, das trotz abstinenten Bombasts der Handlung fesselt – oder gerade deshalb.

Musikalisch wie immer Minimalkost – Intro und Outro, dazu noch ein Wechseljingle am Ende jeder CD. “Lübbe as usual”.

Als Fazit bleibt eine tatsächlich eher stille Geschichte, die in ihrer streckenweisen Kälte und der Thematik gleichsam bedrückend wie faszinierend ist, Spannung fernab von Gesplatter und Krachbumm bietet und von einem verflucht guten David Nathan gespielt wird, der einmal mehr seine herausragenden Fähigkeiten als Erzähler unter Beweis stellt.

 

http://www.hergehoert.de/review_wulf-dorn_kalte-stille.html