MindNapping (9): Monatana oder Eine seltsame Schleife


Cover zu "MindNapping (9): Montana oder Eine seltsame Schleife"MindNapping (9): Montana oder Eine seltsame Schleife

Idee und Buch: Astrid Meirose und Volker Pruß
Regie und Schnitt: Patrick Holtheuer
Co-Regie: Marko Peter Bachmann
Musik: Dominik und Sebastian Pobot
Mix und Mastering: Björn Korthof
Gestaltung, Layout und Fotos: Daniel Klages-Saxler

Sprecher:
Dr. Kate Manson: Anne Moll
Tim Montana / „Tom“ Togquos: Gordon Piedesack
Dave Pullman: Douglas Welbat
Claude Montana: Peter Weis
Chief Kid Douglas: Konrad Halver
Koko: Julia Fölster
Officer Holland: Gernot Endemann
Barkeeper: Sascha Rotermund
Kameramann: Leonhard Mahlich
Flughafenmitarbeiterin: Merete Brettschneider
Kellnerin: Kerstin Draeger
Sprechstundenhilfe: Sabine Schmidt-Kirchner

Inhaltsangabe des Verlags:

Kurz nachdem der bekannte Drehbuchautor Claude Montana die letzte Szene in seinem Drehbuch beendet hat, wird er tot in seinem Apartment gefunden. Mord oder Selbstmord? Während die Polizei noch ermittelt, machen sich die Erben daran, seinen letzten Wunsch zu erfüllen: Laut Testament muss das letzte Drehbuch verfilmt werden, sonst fällt das gesamte Erbe an den Indianerstamm der Blackfeet. Während der Dreharbeiten zu dem Film, in dem jeder der Erben seine Rolle hat, beginnen Fiktion und Realität, Gegenwart und Vergangenheit ineinanderzulaufen. Was geschah vor über vierzig Jahren im Leben von Claude Montana? Welche Rolle spielt ein indianischer Zwillingsmythos? Wird der Film das Rätsel um seinen Tod auflösen?


Meine Meinung:

Die Folge wird die Hörerschaft spalten, so viel ist sicher. Wer mit rekursiven Erzählungen nichts anfangen kann, dafür aber temporeiche Action und/oder „typische“ Thriller mag, wird hier sicherlich nicht glücklich. Allen aber, denen diese Erzählart zusagt, werden hier ein reines Fest vorfinden, bei dem man letztlich selbst angehalten ist, sich Gedanken über die Bedeutung zu machen – und ob man nicht selbst mit eben diesem Hörspiel Teil der Erzählung ist.

Bei den Sprechern kann man wie in bislang allen Folgen der Reihe nichts anderes sagen als „Daumen hoch“. Besonders hervorzuheben ist Peter Weis, der als Claude Montana zwar nicht den Löwenanteil an Spielzeit hat, aber in seinen Momenten einfach mit Bravour spielt. Gordon Piedesack in einer „Doppelrolle“ – großartig gemacht. Douglas Welbat: Super. Konrad Halver und Gernot Endemann: Dito. Und auch bei den Damen gibt es nur Gutes zu vermelden: Anne Moll und Julia Fölster liefern ebenfalls sehr starke Leistungen ab – was sich auch von den nicht explizit erwähnten weiteren Sprecherinnen und Sprechern sagen lässt. Einmal mehr räumt „MindNapping“ in dieser Kategorie die volle Punktzahl ab.

Effekte und Musiken, bislang ebenfalls eine Paradedisziplin der Reihe, führt diese Strecke natürlich fort. Diesmal stammt die Musik von Dominik und Sebastian Pobot und ist essentieller Bestandteil der Atmosphäre, sowohl dramaturgisch, als auch in beschreibender Funktion: Man ist nicht einfach nur „dabei“, man ist in Monatana. Dazu die wie immer passenden Geräuscheffekte, die eine realistische Klangkulisse bilden, genauso wie es für das Hörspiel angemessen ist – da gibt es nichts, aber auch gar nichts zu beanstanden.

Bleibt als Fazit:
Fans von Filmen von z. Bspl. David Lynch erwartet ein Fest von Hörspiel, das man auch gern öfters hören wird – man muß allerdings in der Lage sein, sich auf rekursive Erzählungen einlassen zu können.
Technisch wie immer erstklassig, starke Sprecherleistungen, ebenso starke Musik- und Effektuntermalung. Und mit Sicherheit ein einzigartiges Hörerlebnis, das allerdings nicht jedem „schmecken“ wird und kann.

MindNapping (7): Das Geschwür


Cover zu MindNapping (7): Das Geschwür.MindNapping (7): Das Geschwür
Idee und Buch: Raimon Weber
Regie: Patrick Holtheuer
Musik, Mix, Mastering: Marcel Schweder
Audionarchie e.K., 2012

 

Sprecher:
Pete Glover: Gordon Piedesack
Sandy Glover: Sylvie Nogler
Ian Glover: Robert Missler
Randolph Schuster: Wolf Frass
Pfarrer Neergard: Konrad Halver
Frank Hagen: Gernot Endemann
Vizegouverneur Larsen: Douglas Welbat
Barkeeper Hank: Sascha Rotermund
Radiomoderator Bob: Tammo Kaulbarsch
Avril Gunderson: Julia Fölster
Soldat mit Megaphon: Leonhard Mahlich
Automatenstimme am Telefon: Merete Brettschneider
Nackter Irrer: Patrick Holtheuer

Inhaltsangabe des Verlags:

Der Winter kam früh. Sogar für North Dakota.
Der Schnee nahte unaufhaltsam aus nordöstlicher
Richtung. Ich konnte ihn bereits spüren. Himmel und Horizont verschmolzen zu einem diffusen Grau. Die sichtbare Welt schrumpfte auf wenige Quadratkilometer. Ich stand auf meiner Veranda und dachte darüber nach, dass meinem Heimatort Easthope mal wieder eine harte Zeit bevorstand.
Ich sollte mich irren: Es würde unerträglich werden. Mit dem Schnee zog das namenlose Grauen in die Stadt ein. Und niemand war da, um uns zu retten.

Meine Meinung:

Wer in den späten 70ern und 80ern aufwuchs, wird sicherlich kaum an John Carpenter vorbei gekommen sein. „Die Klapperschlange“, „Halloween“, „Das Ding aus einer anderen Welt“, „The Fog“, „Das Philadelphia-Experiment“ waren Filme, die aus dem menschenscheuen Regisseur eine Stilikone machten. Und genau in diese Richtung geht „Das Geschwür“, und zwar nicht nur von der Geschichte her, für die nach „Die 9mm-Erbschaft“ erneut Raimon Weber gewonnen wurde, sondern als Gesamtwerk.
Die Story an sich bietet Freunden von Verschwörungs- und Zivilisationsuntergangsszenarien einen Gourmetgang im Gesamten, Fans von Filmen wie „The Crazies“, „Salvage – Die Epidemie“ & Co. im Besonderen. Weber versteht es einmal mehr, eine per se schon bedrohliche Geschichte zu einem atmosphärischen Trip der Sonderklasse werden zu lassen – packend bis zur wortwörtlich letzten Sekunde. Dabei beschränkt er sich wieder auf eine recht kleine Gruppe von Charakteren, die sich in einem Netz aus Wahnsinn wieder finden und mit den „Auflösungserscheinungen“ der Gesellschaft zurecht kommen müssen. Dazu noch ein ordentlicher Schuß Verschwörungsthriller und fertig ist eine, wenn nicht gar die bislang beklemmendste Story in der Reihe.

Bei den Sprechern bleibt alles wie gewohnt im verdammt guten Bereich. Gordon Piedesack fungiert hier als Ich-Erzähler sowohl als eben dieser Erzähler, als auch als Charakter – die Übergänge sind fließend und insgesamt verleiht es der Figur des Pete Glover eine deutlichere Tiefe, als wenn man es mit einer regulären Erzähler-Charakter-Trennung zu tun hätte. Schlicht beeindruckend ist Douglas Welbat als Vizegouverneur Larsen – wenn ich Wahnsinn sage, ist das wortwörtlich so gemeint: Vor solchen Leistungen ziehe ich meinen (virtuellen) Hut. Explizit erwähnen muß man auch Wolf Frass, der hier eine Glanzleistung als „der nette Mann von nebenan“ abliefert: Glovers Nachbar wird Dank Frass zu einem extrem starken, bedrohlichen Element der Geschichte.
Der „Rest“, darunter fallen Sylvie Nogler, Robert Missler, Konrad Halver, Sascha Rotermund, Tammo Kaulbarsch, Julia Fölster, Leonhard Mahlich, Merette Brettschneider und Patrick Holtheuer selbst als „nackter Irrer“, liefet ebenfalls sehr starke Leistungen ab, die den Hörer vergessen lassen, daß es sich „nur“ um ein Hörspiel handelt. Kurz gesagt: Verdammt stark.

Musik und Effekte.
John Carpenter wurde bereits erwähnt – auch, daß „Das Geschwür“ eben nicht nur von der Geschichte her, sondern als Gesamtwerk in seiner Tradition steht. Das gilt für die Musik besonders – Marcel Schweders minimalistische Stücke, die mit ihren analogen Synthsounds die späten 70er, frühen 80er Jahre wieder auferstehen lassen schaffen eine in der Reihe bislang einmalige Atmosphäre.

Fazit:
Mit „Das Geschwür“ liegt der perfekte John Carpenter Film für die Ohren vor. Raimon Weber hat eine, für mich sogar die bislang beste „MindNapping“-Story vorgelegt, welche von einem superben und verdammt gut aufgelegten Sprecherensemble gespielt und von einem wahren Hammer von musikalischer und Effektuntermalung in die gehörte Realität geholt werden. Der bislang stärkste Eintrag in der Reihe „MindNapping“. Go get it!

MindNapping (8): Der schwarze Vogel


Cover zu MindNapping (8): Der schwarze VogelMindNapping (8): Der schwarze Vogel
Idee und Buch: Franjo Franjkovic
Regie: Patrick Holtheuer
Musik: Sebastian Pobot
Audionarchie, 2012
Sprecher:

Chloe Watson: Kerstin Draeger
Aron Watson: Oliver Böttcher
Coon: Gernot Endemann
Mia: Mia Diekow
Schwester Kate: Sabine Schmidt-Kirchner
Zuhörer: Klaus Dittmann

Inhaltsangabe des Verlags:

Nach dem Erfolg ihres Debütromans taumelt die Autorin Chloe Watson in eine tiefe Krise, denn ihre zweite Erzählung wird von den Kritikern und der Leserschaft verrissen. Ihr Absturz in die Bedeutungslosigkeit ist vorprogrammiert, doch dann entdeckt sie bei einem Spaziergang die Leiche einer jungen Frau. Wäre das nicht der perfekte Aufhänger für einen neuen Roman? Auf eigene Faust beginnt sie zu ermitteln. Ein fataler Fehler…

Meine Meinung:

Einmal mehr wird das „Psycho“ bei MindNapping groß geschrieben: Franjo Franjkovics „Der schwarze Vogel“ birgt zwar für Genrekenner die Gefahr, daß man recht schnell ahnt, wie der Hase läuft, doch bietet das Script eine andere große Stärke: Atmosphäre. Die Geschichte an sich ist eine Achterbahnfahrt durch Wahn (oder nicht Wahn?), Intrigen, Realitätsverlust – kurz: durch die Psyche.

Getragen wird das Hörspiel hautpsächlich von Kerstin Draeger, die die Rolle der Chloe Watson sehr gut rüber bringt. Der dubiose Mr. Coon wird von Gernot Endemann ebenfalls überzeugend gespielt und auch Oliver Böttcher als Chloes Lebenspartner gibt eine gute Figur ab.
Mia Diekow trägt einen weiteren wichtigen Part und vermag ebenfalls zu überzeugen. Und zuletzt sei noch Klaus Dittmann erwähnt, der in einer kurzen Szene zu Beginn mal richtig schön granteln darf.

Effekte und Musik sind seit Beginn der Reihe eine absolut Stärke und auch Sebastian Pobots musikalische Untermalung gliedert sich nahtlos ein. Zusammen mit den Effekten bietet die Folge eine absolut großartige Atmosphäre.

Als Fazit kann einmal mehr nur eine klare Kaufempfehlung ausgesprochen werden. „Der schwarze Vogel“ mag diesmal von der Geschichte her nicht ganz in der Spitzenklasse mitspielen, von der Atmosphäre her dafür umso mehr. Gespielt von überzeugenden Sprechern und begleitet von einer extrem starken Musik- und Effektuntermalung, sei die Folge vor allem Fans von Psychothrillern à la „Dédales“ ans Herz,bzw. Ohr gelegt. Und wer per se atmosphärisch starke Hörpsiele, zudem mit Thriller- und Verschwörungseinschlag mag, sollte ebenfalls zugreifen und reinhören.

[Review] Mark Brandis: Pilgrim 2000 (Teil 1 und 2)


Cover zu Mark Brandis: Pilgrim 2000 | © 2011 folgenreich / Universal Music Entertainment GmbHMark Brandis: Pilgrim 2000
Nach dem gleichnamigen Roman von Nikolai von Michalewsky

Manuskript: Balthasar von Weymarn
Musik & Sounddesign: Jochim-C. Redeker
Aufnahme: Tommi Schneefuß, Thomas Weichler und Sven-Michael Bluhm
Produktion, Regie und Schnitt: Jochim-C. Redeker & Balthasar von Weymarn
Artwork: Alexander Preuss
Layout/ Satz: Jürgen Straub
Product Management: dp

SPRECHER:
Dr. Rebecca Levy: Claudia Urbschat-Mingues
Cmdr. Mark Brandis: Michael Lott
Cpt. Grigori »Grischa« Romen: David Nathan
Bordsystem CORA: Mira Christine Mühlenhof
Lt. Pablo Torrente: Martin Keßler
Prolog: Wolf Frass
Lt. Iwan Stroganow: Martin Wehrmann
Lt. Konstantinos Simopoulos: Gernot Endemann
Judith: Katarina Tomaschewsky
Melchior: Klaus Sonnenschein

Teil 1:
ISBN: 978-3-8291-2436-2
Gesamtspielzeit: ca. 57 Minuten
Altersempfehlung: ab 12 Jahren

Teil 2:
ISBN: 978-3-8291-2437-9
Gesamtspielzeit: ca. 56 Minuten
Altersempfehlung: ab 12 Jahren

INHALTSANGABE DES VERLAGS:

Teil 1:
2127: Commander Brandis und seine Crew sind auf der erdabgewandten Seite der Sonne. Nach Reparaturen an einer Raumstation ist die HERMES bereits auf dem Rückweg, als die Kommunikation ausfällt. Erst in 17 Tagen wird sie wieder Kontakt zur Erde erhalten. Die Nähe zur Sonne hat die Sehfähigkeiten der sechs Raumfahrer beeinträchtigt. Doch dann taucht ein seit Jahrzehnten verschollenes Generationenschiff vor ihnen auf, und Brandis ergreift die Chance, herauszufinden, ob noch jemand an Bord lebt …
Teil 2:
2127: Die HERMES ist jenseits Seite der Sonne von der Kommunikation zur Erde abgeschnitten. Mark Brandis und seine Crew haben Bewohner an Bord der PILGRIM 2000 gefunden. Ihr Rückweg zur Schleuse, an der die HERMES angedockt liegt, ist versperrt — durch ein Heer hundegroßer Ratten. Da das Generationenschiff dem Untergang geweiht ist, bleibt Brandis nur wenig Zeit, um einen zweiten Fluchtweg zu finden. Und die Ratten sind nicht die einzige Gefahr an Bord …

MEINUNG:
Ein äußerst interessante und spannende Ausgangslage: Ein scheinbar verlassenes Generationschiff, welches in wenigen Tagen in die Sonne stürzen wird. Das verspricht viel – viel Dramatik, viel Spannung. Leider jedoch hat man die Möglichkeiten nicht voll ausgeschöpft. Es wird beispielsweise immer wieder mal erwähnt, daß „Pilgrim 2000“ in Bälde verglühen wird, allerdings wenig dramatisch und derart beiläufig, daß gerade in diesem Punkt sehr viel Potential dieser permanenten Bedrohung verschenkt wurde. Insgesamt kommt die Geschichte in Gänze auch für bisherige „Mark Brandis“-Verhältnisse ziemlich zahm daher, auch wenn sie immer noch genügend Spannung bietet, insbesondere im zweiten Teil, um im überdurchschnittlichen Brandis-Bereich zu landen. Doch im Vergleich zu den bisher vertonten Geschichten, fällt „Pilgrim 2000“ ein wenig ab.

Sprechermäßig allerdings bleibt alles wie gewohnt: Vorzeigeensemble mit nahezu durchgehend großartigen Leistungen. Das einzige, was auffällt, ist die etwas (überraschend) hölzerne Art, mit der Gernot Endemann spricht. Ansonsten gibt es rundherum gute Leistungen zu vermelden. Michael Lott als Mark Brandis nebst seiner bekannten Crew (David Nathan als Grisha Romen, Martin Wehrmann als Iwan Stroganow, Martin Keßler als Pablo Torrente und Mira Christine Mühenhof als CORA) ihre jeweiligen Figuren gewohnt überzeugend ins Ohr bringen.
Besonders erwähnen sollte man Claudia Urbschat-Mingues, die hier eine toughe Dr. Rebecca Levy zum Besten gibt, sowie Klaus Sonnenschein als Melchior, der den dezenten Wahnsinn dieser Figur perfekt rüberbringt, ohne dabei einen klischeetriefenden „Bösewicht“ draus zu machen.

Musik und Effekte sind seit Anbeginn der Serie nicht nur innerhalb selbiger Qualitätsgarant, sondern spielen auch in der Liga der Großen in der Topregion ganz weit vorn mit. Das, was hier erneut an Effektfeuerwerken und musikalischen Untermalungen abgefeuert wird, ist schlicht und einfach Referenzklasse. Besonders beeindruckend ist die Atmosphäre des (nahezu) verlassenen titelgebenden Generationenschiffs „Pilgrim 2000“. Und Klaus Sonnenscheins „Gott-Modus“ wird sicher beim ersten Hören bei einigen für einen guten Schauer sorgen (Tip: Über ein paar richtig gute Kopfhörer genießen).

Als Fazit bleibt:
Eine gute, wenn gleich im „Brandis“-Universum ungewohnt zahme und unpolitische Geschichte wird erneut von verdammt gut aufgelegten Sprechern gespielt, bei denen lediglich Gernot Endemann etwas hölzern daherkommt. Effekte und Musiken bieten gewohnte Kost, respektive Referenzklasse. Wer auf Space-Abenteuer (und die Betonung liegt diesmal auf Abenteuer!) steht, wird mit „Pilgrim 2000“ extremst gut bedient. Wer allerding „Brandis as usual“ erwartet, könnte diesmal ein wenig „enttäuscht“ sein. Aber ein wenig Abwechslung ist auf Dauer vielleicht gar nicht mal verkehrt. Summa summarum bleibt dennoch auch hier: Verdammt gute SciFi-Unterhaltung in Referenzklasse.


[Review] Morton Rhue: Die Welle


Die Welle (Regie: Sven Stricker; erschienen bei Ravensburger)Die Welle
Regie: Sven Stricker Erschienen bei: Ravensburger

Sprecher:
Gernot Endemann, Isabella Grothe, Christian Stark, Nina Ernst u.a.

Medium: 1 Audio-CD

Inhaltsangabe des Verlags:

In ‚Die Welle ‚beginnt alles mit einem Film über den Holocaust. Der junge Lehrer Ben Ross zeigt den Schülern der Gordon High School Bilder von ausgermergelten Juden im Konzentrationslager. Alle sind angewidert und entsetzt, aber eine Gruppe um Laurie Saunders von der Schülerzeitung kann und will nicht glauben, dass Menschen zu derlei Grausamkeiten überhaupt fähig sind. Um sie und andere zu überzeugen, startet Ross ein Experiment, dass auf fast unbemerkte Art und Weise Methoden der Diktatur installiert. Und plötzlich zerfällt der Klassenverbund in Opfer und Täter — bis die Situation auf schreckliche Weise eskaliert.

Meinung:

Viele Schüler dürften “Die Welle” aus der Schule kennen und wie kaum ein anderes Buch hat sich Morton Rhues Werk zur “Quasipflicht” etabliert – und das nicht ohne Grund. In komprimierter Form bekommt man hier serviert, wie einfach Menschen dem Phänomen “Faschismus” verfallen können. Es ist keine moralisch-triefende Angelegenheit, sondern “nur” ein Spiegel, den man vorgehalten bekommt, ohne daß daraus der “Na na na, *du* bist Schuld. *Du* ganz allein!”-Zeigefinger hervor geschossen kommt.

Sven Stricker, der unter anderem auch ‘Pompeji’, ‘Die Schatzinsel’ und ‘Dracula’ inszenierte, bewies auch in diesem “Frühwerk” sein Gespür für spannende und mit einigen Regiekniffen aufwartende Unterhaltung, wobei: Unterhaltung ist dieses Werk nur im weitesten Sinne.

Von den Sprechern sind wohl Gernot Endemann und Chrstian Stark die bekanntesten und Endemann bietet hier eine beeindruckende und gegen Ende -im positiven Sinne- regelrecht gruselige Leistung. Ansonsten werden die Sprecherinnen und Sprecher durch eine gute Regie zu eben solchen Leistungen gebracht. Grundsolide, im Falle Endemann schlicht atemberaubend.

Geräusche werden nicht des Eigenzwecks halber eingesetzt, passen und lassen eine lebendige Welt entstehen; auf Musik wird nahezu gänzlich verzichtet, was dem Realismus indes ungemein zuträglich ist.

Die Welle” ist nicht nur als Buch Pflichtprogramm. Die Thematik wird wohl auch auf absehbare Zeit leider aktuell bleiben und somit kann ich dieser Hörproduktion nur eine doppelte Empfehlung aussprechen: A. der Thematik wegen und B. einfach deshalb, weil das Hörspiel verdammt gut produziert ist.