MindNapping (9): Monatana oder Eine seltsame Schleife


Cover zu "MindNapping (9): Montana oder Eine seltsame Schleife"MindNapping (9): Montana oder Eine seltsame Schleife

Idee und Buch: Astrid Meirose und Volker Pruß
Regie und Schnitt: Patrick Holtheuer
Co-Regie: Marko Peter Bachmann
Musik: Dominik und Sebastian Pobot
Mix und Mastering: Björn Korthof
Gestaltung, Layout und Fotos: Daniel Klages-Saxler

Sprecher:
Dr. Kate Manson: Anne Moll
Tim Montana / „Tom“ Togquos: Gordon Piedesack
Dave Pullman: Douglas Welbat
Claude Montana: Peter Weis
Chief Kid Douglas: Konrad Halver
Koko: Julia Fölster
Officer Holland: Gernot Endemann
Barkeeper: Sascha Rotermund
Kameramann: Leonhard Mahlich
Flughafenmitarbeiterin: Merete Brettschneider
Kellnerin: Kerstin Draeger
Sprechstundenhilfe: Sabine Schmidt-Kirchner

Inhaltsangabe des Verlags:

Kurz nachdem der bekannte Drehbuchautor Claude Montana die letzte Szene in seinem Drehbuch beendet hat, wird er tot in seinem Apartment gefunden. Mord oder Selbstmord? Während die Polizei noch ermittelt, machen sich die Erben daran, seinen letzten Wunsch zu erfüllen: Laut Testament muss das letzte Drehbuch verfilmt werden, sonst fällt das gesamte Erbe an den Indianerstamm der Blackfeet. Während der Dreharbeiten zu dem Film, in dem jeder der Erben seine Rolle hat, beginnen Fiktion und Realität, Gegenwart und Vergangenheit ineinanderzulaufen. Was geschah vor über vierzig Jahren im Leben von Claude Montana? Welche Rolle spielt ein indianischer Zwillingsmythos? Wird der Film das Rätsel um seinen Tod auflösen?


Meine Meinung:

Die Folge wird die Hörerschaft spalten, so viel ist sicher. Wer mit rekursiven Erzählungen nichts anfangen kann, dafür aber temporeiche Action und/oder „typische“ Thriller mag, wird hier sicherlich nicht glücklich. Allen aber, denen diese Erzählart zusagt, werden hier ein reines Fest vorfinden, bei dem man letztlich selbst angehalten ist, sich Gedanken über die Bedeutung zu machen – und ob man nicht selbst mit eben diesem Hörspiel Teil der Erzählung ist.

Bei den Sprechern kann man wie in bislang allen Folgen der Reihe nichts anderes sagen als „Daumen hoch“. Besonders hervorzuheben ist Peter Weis, der als Claude Montana zwar nicht den Löwenanteil an Spielzeit hat, aber in seinen Momenten einfach mit Bravour spielt. Gordon Piedesack in einer „Doppelrolle“ – großartig gemacht. Douglas Welbat: Super. Konrad Halver und Gernot Endemann: Dito. Und auch bei den Damen gibt es nur Gutes zu vermelden: Anne Moll und Julia Fölster liefern ebenfalls sehr starke Leistungen ab – was sich auch von den nicht explizit erwähnten weiteren Sprecherinnen und Sprechern sagen lässt. Einmal mehr räumt „MindNapping“ in dieser Kategorie die volle Punktzahl ab.

Effekte und Musiken, bislang ebenfalls eine Paradedisziplin der Reihe, führt diese Strecke natürlich fort. Diesmal stammt die Musik von Dominik und Sebastian Pobot und ist essentieller Bestandteil der Atmosphäre, sowohl dramaturgisch, als auch in beschreibender Funktion: Man ist nicht einfach nur „dabei“, man ist in Monatana. Dazu die wie immer passenden Geräuscheffekte, die eine realistische Klangkulisse bilden, genauso wie es für das Hörspiel angemessen ist – da gibt es nichts, aber auch gar nichts zu beanstanden.

Bleibt als Fazit:
Fans von Filmen von z. Bspl. David Lynch erwartet ein Fest von Hörspiel, das man auch gern öfters hören wird – man muß allerdings in der Lage sein, sich auf rekursive Erzählungen einlassen zu können.
Technisch wie immer erstklassig, starke Sprecherleistungen, ebenso starke Musik- und Effektuntermalung. Und mit Sicherheit ein einzigartiges Hörerlebnis, das allerdings nicht jedem „schmecken“ wird und kann.

MindNapping (7): Das Geschwür


Cover zu MindNapping (7): Das Geschwür.MindNapping (7): Das Geschwür
Idee und Buch: Raimon Weber
Regie: Patrick Holtheuer
Musik, Mix, Mastering: Marcel Schweder
Audionarchie e.K., 2012

 

Sprecher:
Pete Glover: Gordon Piedesack
Sandy Glover: Sylvie Nogler
Ian Glover: Robert Missler
Randolph Schuster: Wolf Frass
Pfarrer Neergard: Konrad Halver
Frank Hagen: Gernot Endemann
Vizegouverneur Larsen: Douglas Welbat
Barkeeper Hank: Sascha Rotermund
Radiomoderator Bob: Tammo Kaulbarsch
Avril Gunderson: Julia Fölster
Soldat mit Megaphon: Leonhard Mahlich
Automatenstimme am Telefon: Merete Brettschneider
Nackter Irrer: Patrick Holtheuer

Inhaltsangabe des Verlags:

Der Winter kam früh. Sogar für North Dakota.
Der Schnee nahte unaufhaltsam aus nordöstlicher
Richtung. Ich konnte ihn bereits spüren. Himmel und Horizont verschmolzen zu einem diffusen Grau. Die sichtbare Welt schrumpfte auf wenige Quadratkilometer. Ich stand auf meiner Veranda und dachte darüber nach, dass meinem Heimatort Easthope mal wieder eine harte Zeit bevorstand.
Ich sollte mich irren: Es würde unerträglich werden. Mit dem Schnee zog das namenlose Grauen in die Stadt ein. Und niemand war da, um uns zu retten.

Meine Meinung:

Wer in den späten 70ern und 80ern aufwuchs, wird sicherlich kaum an John Carpenter vorbei gekommen sein. „Die Klapperschlange“, „Halloween“, „Das Ding aus einer anderen Welt“, „The Fog“, „Das Philadelphia-Experiment“ waren Filme, die aus dem menschenscheuen Regisseur eine Stilikone machten. Und genau in diese Richtung geht „Das Geschwür“, und zwar nicht nur von der Geschichte her, für die nach „Die 9mm-Erbschaft“ erneut Raimon Weber gewonnen wurde, sondern als Gesamtwerk.
Die Story an sich bietet Freunden von Verschwörungs- und Zivilisationsuntergangsszenarien einen Gourmetgang im Gesamten, Fans von Filmen wie „The Crazies“, „Salvage – Die Epidemie“ & Co. im Besonderen. Weber versteht es einmal mehr, eine per se schon bedrohliche Geschichte zu einem atmosphärischen Trip der Sonderklasse werden zu lassen – packend bis zur wortwörtlich letzten Sekunde. Dabei beschränkt er sich wieder auf eine recht kleine Gruppe von Charakteren, die sich in einem Netz aus Wahnsinn wieder finden und mit den „Auflösungserscheinungen“ der Gesellschaft zurecht kommen müssen. Dazu noch ein ordentlicher Schuß Verschwörungsthriller und fertig ist eine, wenn nicht gar die bislang beklemmendste Story in der Reihe.

Bei den Sprechern bleibt alles wie gewohnt im verdammt guten Bereich. Gordon Piedesack fungiert hier als Ich-Erzähler sowohl als eben dieser Erzähler, als auch als Charakter – die Übergänge sind fließend und insgesamt verleiht es der Figur des Pete Glover eine deutlichere Tiefe, als wenn man es mit einer regulären Erzähler-Charakter-Trennung zu tun hätte. Schlicht beeindruckend ist Douglas Welbat als Vizegouverneur Larsen – wenn ich Wahnsinn sage, ist das wortwörtlich so gemeint: Vor solchen Leistungen ziehe ich meinen (virtuellen) Hut. Explizit erwähnen muß man auch Wolf Frass, der hier eine Glanzleistung als „der nette Mann von nebenan“ abliefert: Glovers Nachbar wird Dank Frass zu einem extrem starken, bedrohlichen Element der Geschichte.
Der „Rest“, darunter fallen Sylvie Nogler, Robert Missler, Konrad Halver, Sascha Rotermund, Tammo Kaulbarsch, Julia Fölster, Leonhard Mahlich, Merette Brettschneider und Patrick Holtheuer selbst als „nackter Irrer“, liefet ebenfalls sehr starke Leistungen ab, die den Hörer vergessen lassen, daß es sich „nur“ um ein Hörspiel handelt. Kurz gesagt: Verdammt stark.

Musik und Effekte.
John Carpenter wurde bereits erwähnt – auch, daß „Das Geschwür“ eben nicht nur von der Geschichte her, sondern als Gesamtwerk in seiner Tradition steht. Das gilt für die Musik besonders – Marcel Schweders minimalistische Stücke, die mit ihren analogen Synthsounds die späten 70er, frühen 80er Jahre wieder auferstehen lassen schaffen eine in der Reihe bislang einmalige Atmosphäre.

Fazit:
Mit „Das Geschwür“ liegt der perfekte John Carpenter Film für die Ohren vor. Raimon Weber hat eine, für mich sogar die bislang beste „MindNapping“-Story vorgelegt, welche von einem superben und verdammt gut aufgelegten Sprecherensemble gespielt und von einem wahren Hammer von musikalischer und Effektuntermalung in die gehörte Realität geholt werden. Der bislang stärkste Eintrag in der Reihe „MindNapping“. Go get it!

Mord in Serie: Das 12. Opfer


Das Cover zu "Mord in Serie: Das 12. Opfer"Mord in Serie: Das 12. Opfer
Buch: Markus Topf
Konzept & Regie: Christoph Piasecki
Sounddesign & Musik: Konrad Dornfels
Cover & Design: Kito Sandberg
Produktion: © & ® Contendo Media GmbH

Sprecher:
Lisa Wagner – Uta Dänekamp
Nora Winkler – Katja Brügger
David Kühn – Sascha Rotermund
Viktor Haas – Jan-David Rönfeldt
Ahmed Yilmaz – Martin May
Rolf Clemens – Konrad Halver
Emma Wagner – Marion von Stengel
Jaron Raymann – Gordon Piedesack
Richter Büscher – Wolf Frass
Sekretärin – Reinhilt Schneider
Kellner – Stephan Chrzescinski
Juristin – Christine Pappert
Gegenüberstellungen – Patrick Bach, Rüdiger Schulzki
Polizisten – Ursela Monn, Frank Otto Schenk, Mathis Landwehr
Abspann – Martin Sabel
Inhaltsangabe des Verlags:

Diese Nacht wird Lisa Wagner niemals vergessen. Eigentlich wollte die junge Frau mit ihrer Schwester Emma auf einer Party über den Dächern Frankfurts ausgelassen feiern. Stattdessen findet sie sich in einem dreckigen Kellerverlies wieder und wird Zeuge, wie ihre Schwester brutal ermordet wird. Doch der wahre Albtraum beginnt erst nach ihrer Flucht. Emmas Mörder ist schnell gefunden, doch die Beweise reichen für eine Verhaftung nicht aus. Für Lisa wird es Zeit, selbst etwas zu unternehmen. Mit dem charismatischen Staatsanwalt und der engagierten Mordermittlerin heftet sie sich an die Fersen des Täters und kommt einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur.

Meine Meinung:

Um es Neugierigen gleich vorweg zu sagen: Contendo Media gibt mit dem „12. Opfer“ einen Bomben-Einstand in die neue Reihe „Mord in Serie“ – und während anderswo gern schon mal Geschichten aufgeblasen werden, damit auch ja 2 CDs rausspringen, besinnt man sich hier auf die Stärken „alter“ Hörspiele: Kurz, knapp, ohne Längen. Gut, eine Stunde beansprucht „Das 12. Opfer“ schon, aber es ist keine Minute Langeweile auf dem Silberling.
Markus Topf erfindet das Genre nicht neu (woher diese irrsinnige, aber mittlerweile fast zwingende Erwartungshaltung bei vielen Hörern kommt, entzieht sich meiner Kenntnis), versteht es indes den Spannungsbogen von Beginn an aufrecht zu erhalten und spickt die nicht ganz so neue „Täter wird gestellt, aber entlassen, weil…“-Thematik mit einigen bösen Wendungen. Ganz ehrlich? Ich brauche nicht mit jedem Hörspiel den Neubeginn des Genres – ich bin mit verdammt guter Unterhaltung auch zufrieden, und genau das bietet die Story.
Zimperlich geht es dabei genregemäß nicht zu – in meinen Augen, bzw. Ohren ein gutes Zeichen, denn es belegt, daß man das Genre und die Fans ernst nimmt und nicht alles schön auf Stromlinienförmigkeit bürstet.

Bei den Sprechern findet man haufenweise klangvolle und vielversprechende, sowie altbekannte Namen, egal ob es Katja Brügger, Konrad Halver, Gordon Piedesack, Wof Frass, Reinhilt Schneider, Sascha Rotermund, Martin May, Marion von Stengel, Patrick Bach, Rüdiger Schulzki oder Stephan Chrzescinski sind – oder eben die beeindruckende Uta Dänekamp als Protagonistin. Und man kann es kurz und knapp machen: Unter der Regie Christoph Piaseckis liefern alle eine hervorragend Leistung ab und das ist für das Funktionieren der „fiktiven Realität“ unabdingbar. Gerade Katja Brügger, die vielen Fans der Macabors-Hörspiele von EUROPA wohl noch als rassige Carminia Brado im Gehör ist, überzeugt hier als Mordermittlerin Nora Winkler auf ganzer Spur. Und daß Jan-David Rönfeldt überzeugend *richtig* fiese Typen spielen kann, weiß man spätestens seit „Darkside Park“ (und er war bei den „Animorphs“ doch immer soooo nett :)).

Musik und Effekte – beides im absoluten Top-Bereich. Gerade die Party-Stimmung am Anfang kommt verflucht gut rüber – Danke an Contendo Media, daß der Party-Track, ein großartiger Synthpop-Track in Reinkultur, als Bonus auf der CD zu finden ist. Realistisch, packend und punktgenau eingesetzt, bieten sowohl die Musiken (packend und punktgenau), als auch die Effekte (realistisch und punktgenau) die nahezu perfekte Untermalung.

Bleibt als Fazit:
Rausgehen. Kaufen. Jetzt! „Das 12. Opfer“ ist ein Traum von einer Einstandsfolge, die sich kein Thrillerfan entgehen lassen sollte. Eine spannende, kurzweilige Geschichte aus der Feder von Markus Topf wird von bekannten Namen der Hörspielbranche packende gespielt und von starken Musik- und Effektuntermalungen unterstützt.
Auftakt wunderbar geglückt – und damit dann auf zu Folge 2.

[REVIEW] MindNapping (3): Der Trip


Cover zu MindNapping (3): Der TripMindNapping (3): Der Trip
Idee: Patrick Holtheuer und Marcus Görner
Buch: Marcus Görner
Regie: Patrick Holtheuer
Co-Regie: Marko Peter Bachmann
Gestaltung & Layout: Daniel Klages-Saxler
Fotos: Christian Belz
Schnitt, Musik, Mix & Mastering: Marko Peter Bachmann

Inhaltsangabe des Verlags:

Was für fünf junge Leute eine Mutprobe im alten Oakley-Haus werden sollte, nimmt eine schreckliche Wendung. Geht es dort um? Haust dort etwas im Keller?
Der Trip wird zum Albtraum! Wer wird überleben?

Sprecher:
Warren King: Daniel Welbat
Brad Cooper: Jannik Endemann
Ryan O´Neill: Tammo Kaulbarsch
Lissy Parker: Julia Fölster
Katie Collins: Linn MacKenzie
Dr. Reading: Reent Reins
Officer August: Stephan Chrzescinski
Officer Decker: Gordon Piedesack
Obdachloser 1 (Jeremiah): Konrad Halver
Obdachloser 2 (Paul): Martin Sabel
Björk Müllmann: Simon Gosejohann
Kongo der Riesenfrosch: Thilo Gosejohann
Radiomoderator: John Ment
Meine Meinung:
War Folge 2 her fast ein elegischer Trip, so gestaltet sich diese Folge 3 mit dem Titel „Der Trip“ zu einer unterhaltsamen und packenden Hommage an die klassischen Gruselhörspiele und -filme der 80er, mit allem was dazu gehört: Die Gruppe junger Leute, die kein Klischee auslässt, die Sprüche, die Handlung an sich, alles nickt Richtung „80er“. Doch Mindnapping wäre nicht Mindnapping, gäbe es nicht den bekannten „Haken“. Und der kommt auch.
Sehr temporeich, einige Hommagen, ein satirischer Moment, dazu eine kurze und kurzweilige Spieldauer – so darf es gern weitergehen.

Zu den Sprechern:
Daniel Welbat als Draufgänger passt wunderbar. Jannik Endemann, Linn MacKenzie, Julia Fölster und Tammo Kaulbarsch komplettieren die Clique und spielen ebenfalls überzeugend.
Hörbar Spaß an seiner (kurzen) Rolle hatte Konrad Halver als „Penner“ – und auch Reent Reins hat seinen Part offenbar auch gut gelaunt eingesprochen.
Stephan Chrzescinski und Gordon Piedesack nehmen ihre Rollen aus Folge 1 wieder auf und als Special Guests geben die Gebrüder Gosejohann als Björk Müllmann und Kongo, der Riesenfrosch (Macabros-Fans dürften sofort wissen, um was es geht), eine humorvolle Parodie auf eben jene Serie ab.

Musik und Effekte haben sich bereits in den ersten beiden Folgen als Stärke der Reihe erwiesen und auch hier bietet sich dem Hörer eine passende Untermalung, welche den Gruselanstrich der Folge perfekt einfängt und begleitet.

Bleibt als Fazit:
Fast könnte man meinen, „MindNapping goes Backwood Horror“, aber ganz so ist es dann doch nicht. Die Geschichte ist eine Hommage an klassische Gruselfilme und -hörspiele der 80er Jahre, bietet allerdings auch den MindNapping typischen Überraschungsmoment. Vorgetragen wird dies von motivierten Sprechern, die durchweg gute Leistungen abliefern, begleitet von einer atmosphärischen und passenden Musik- und Effektuntermalung.
„Der Trip“ ist kurzweilig, unterhaltsam und dürfte vor allem Fans obig genannter Genres begeistern.

MindNapping (2): Die 9mm-Erbschaft


MindNapping (2): Die 9mm-Erbschaft (Idee und Buch: Raimon Weber; Audionarchie e.K., 2011)MindNapping (2): Die 9mm-Erbschaft
Idee und Buch: Raimon Weber

Erschienen: Audionarchie e.K., 2011

Sprecher:
Gordon Piedesack, Rüdiger Schulzki, Patrick Bach, Christine Pappert, Martin May, Sylvie Nogler, Wolf Frass, Konrad Halver, Sascha Rotermund, John Ment

Inhaltsangabe des Verlags:

Erst der Selbstmord ihres Vaters bringt die Brüder Richard und Brendan wieder zusammen.
Sie besuchen die Orte ihrer glücklosen Kindheit. Tief in den Wäldern der amerikanischen Ostküste. Doch sie sind nicht allein. Etwas folgt ihnen. Schlägt immer wieder brutal zu. Konfrontiert die Brüder mit den Schrecken der Vergangenheit. Und treibt sie in den Wahnsinn …

Meinung:

Nach dem gelungenen Einstieg in die Reihe, liegt mit der zweiten Folge ein Hörspiel aus der Feder von Raimon Weber und ein absolutes Kontrastprogramm zum Vorgänger vor.

Webers Stärken kommen auch hier voll zum Einsatz: Kaum jemand schafft es derart albtraumartige Beklemmung in fulminanter, düster-eleganter, teilweise elegischer Wortkunst zu zelebrieren ohne dabei die Geschichte an sich zu vernachlässigen, wie er.

Die Story an sich, das sei ohne Spoiler verraten, fußt natürlich wieder in der Realität, obschon einige Begebenheiten im Reich des Übernatürlichen angesiedelt scheinen. „MindNapping“ bleibt Psychothriller, kein „Sixth Sense“.

Die Sprecher erneut vortrefflich gewählt und eingesetzt. Gordon Piedesack als Erzähler erweist sich als As im Ärmel, denn entgegen Folge 1 trägt hier der Erzähler einen Großteil des Hörspiels und Piedesack erweckt die Düsternis in Webers Texten zu einem substantiellen ‚Hauptdarsteller‘.

Patrick Bach glänzt als Bredan Monroe, dem die schwierige Kindheit unter seinem Vater deutlich zugesetzt hat. Während er den eher labilen, verstörten Bruder gibt, darf Martin May das totale Gegenteil spielen: Sein Richard Monroe ist deutlich extrovertierter, zielgerichteter. Schöner Punkt, daß hier zwei gegensätzliche „Trauma-Verarbeitungsergebnisse“ integriert wurden.
Rüdiger Schulzki spielt den „Alten“ James Edward Monroe mit hörbarem Spaß an diesem durchaus verabscheuungswürdigen Charakter, trifft seine hämischen, böswilligen und gefühllosen Seiten genau.
Definitiv erwähnenswert ist auch Wolf Frass, der hier als Linus Reed den ortskundigen Führer in den endlosen Wäldern der Ostküste gibt und mit seiner leicht grummeligen, dennoch netten Art auch diesen Charakter voll und ganz trifft.

Musik und Effekte – ich wiederhole mich gern aus Folge 1: Passt, dezent, atmosphärisch. Musikalisch ein definitiv gelungener Kniff: Das Titelthema zieht sich durch die Folge – sogar mit Variationen. Mal orchestral, mal solo, wechselnde Instrumente – und durchweg passend und die Atmosphäre verstärkend.

Als Fazit bleibt erneut: Patrick Holtheuer wird auch mit dieser Folge seinem Anspruch gerecht und liefert einen extrem atmosphärischen und nicht minder spannenden Thriller, dessen Stärken hier vor allem die Wortgewaltigkeit eines Raimon Weber in Kombination mit einem hervorragenden Sprecherensemble und einer trefflichen Musik- und Effektuntermalung sind. Kontrastprogramm zum „Quasi-Kammerspiel“ von Folge 1 – wer Thriller mag, einfach mal „frischen Wind“ in seine Hörspielsammlung bringen oder einen „Kurztrip“ in eine wunderbar atmosphärische Hörwelt machen möchte, sollte hier definitiv zugreifen.

MindNapping (1) – Auf gute Nachbarschaft


MindNapping (1) - Auf gute Nachbarschaft (Audionarchie, 2011)MindNapping (1): Auf gute Nachbarschaft

Idee: Patrick Holtheuer und Marcus Görner
Buch: Marcus Görner
Veröffentlicht: 2011, Audionarchie e.K.

SPRECHER:
Sascha Rotermund, Reinhilt Schneider, Konrad Halver, Jan-David Rönfeldt, Detlef Bierstedt, Stephan Chrzescinski, Gordon Piedesack, John Ment.

Inhaltsangabe des Verlags:

Nach dem Tod seiner Eltern fällt der Schriftsteller Hank Lewis in ein tiefes Loch. Bis ein mysteriöser Fremder in das Nachbarhaus einzieht. Hank hat von nun an keine ruhige Minute mehr. Der neue Nachbar scheint ihm nachzustellen und schreckt auch nicht vor Gewalt zurück. Was ist das Motiv des Fremden? Während eines Unwetters kommt es zum grauenvollen Finale …

Meinung:

Mit „MindNapping (1): Auf gute Nachbarschaft“ gibt Patrick Holtheuers Label „Audionarchie“ sein Debüt. Nicht jedoch auf den allgemein florierenden Horrorbereich setzend, sondern mit Psychothrillern soll die Hörerschaft unterhalten werden. Dafür vorab schonmal ‚Daumen hoch‘, denn leichter wäre es sicherlich mit Dämonenjäger No. 123456 gegangen – doch hier wurde bewußt ein anderer Weg gewählt.

Zur Story:
Übernatürliche Elemente fehlen, stattdessen wird tatsächlich das geboten, was die Serie verspricht: Ein reinrassiger Psychothriller. Der Spannungsbogen wird konsequent gesteigert, ist gespickt mit Hinweisen, die auf das Ende hindeuten, welches dann genregetreu böse ausfällt und sich nicht an obligatorische Happy-End-Zwänge hält. Der Verzicht auf einen Erzähler bringt die Handlung wesentlich intimer herüber – eine kluge Entscheidung.

Sprechermäßíg gibt es durch die Konzentration auf den Hauptcharakter Hank Lewis und seine Nemesis ein recht kleines Ensemble – dafür aber durchweg klangvolle Namen: Sascha Rotermund gibt einen großartigen Hank Lewis am Rande des Wahnsinns, Reinhilt Schneider mit ihrer unvergleichlichen Stimme Hanks besorgte Tante. Konrad Halver liefert einen wunderbar grantigen Nachbarn, doch den Vogel abgeschossen hat definitiv Jan-David Rönfeldt: Sein Elan Whisk kommt wirklich beängstigend böse rüber. Kein Overacting, nicht der typische „Ich muss alles erklären und halte ellenlange dumme Monologe“-Bösewicht, sondern ein wirklich unglaublich bedrohlicher Geselle dank einer exquisiten Leistung von Rönfeldt.

Musik und Effekte werden passend eingestzt; gerade die Geräusche steigern in Kombination mit dem abstinenten Erzähler die bizarr-realistische Atmosphäre noch. Die Musikuntermalung, bewußt minimal gehalten, bringt die permanente Bedrohung und das mysteriöse Treiben auf den Punkt und verleiht der Folge ein akustisches Gesicht, welches sie beispielsweise von Folge 2 schon komplett unterscheidet.

Summa summarum:
Ein verflucht starker Einstieg in den Markt. Eine durch Genrekenntnis und diverse Hinweise im Hörspiel selbst zu entschlüsselnde Grundidee wird souverän in einen verdammt guten Klangmantel gepackt. Das Spiel der Sprecher kann man, insbesondere auf Sascha Rotermund und Jan-David Rönfeldt bezogen, nur als großartig bezeichnen. Effekte und Musik werden dezent eingesetzt, verleihen der Episode ein eigenständiges, akustisches „Gesicht“ und zaubern eine wunderbar gruselig-intime Atmosphäre, was durch das Fehlen eines Erzählers noch verstärkt wird. „Auf gute Nachbarschft“ kann ich nicht nur Thriller-Freunden, sondern uneingeschränkt empfehlen.

 

Patrick Holtheuer gründet eigenes Hörspiellabel: Die Audionarchie | HOERSPIEL³-Blog


Patrick Holtheuer gründet eigenes Hörspiellabel: Die Audionarchie | HOERSPIEL³-Blog.

Patrick Holtheuers Label, Audionarchie, geht am 25.02.2011 mit zwei Folgen der Psychothriller-Reihe ‚MindNapping‘ an den Start.

MindNapping‚ bietet erfreulicherweise nicht Dämonen-Jäger Nr. 1234567, sondern jeweils abgeschlossene Psychothriller aus den Federn von Raimon Weber (schrieb u.a. für ‚Gabriel Burns‘, ‚Point Whitmark‘, ‚Darkside Park‘), Marcus Görner, Simon X. Rost (u.a. ‚Mitschnitt‘) und anderen.

Bei den Sprechern tummeln sich u.a. Patrick Bach, Detlef Bierstedt, Reinhilt Schneider, Rüdiger Schulzki, Wolf Frass, Martin May, Konrad Halver, Sascha Rotermund, Jan-David Rönfeldt, Gordon Piedesack, ab Folge 3 auch mit Reent Reins, Udo Schenk, Jannik Endemann, Martin Sabel, Tammo Kaulbarsch, Simon und Thilo Gosejohann, Daniel Welbat, Christian Stark, Marion von Stengel u.a.

MindNapping:
Folge 1: Auf gute Nachbarschaft (VÖ 25.02.2011)
Folge 2: Die 9mm-Erbschaft  (VÖ 25.02.2011)
Folge 3: Der Trip  (VÖ vrstl. 29.04.2011)
Folge 4: Flutnacht  (VÖ 24.06.2011)