[Review] Mark Brandis: Pilgrim 2000 (Teil 1 und 2)


Cover zu Mark Brandis: Pilgrim 2000 | © 2011 folgenreich / Universal Music Entertainment GmbHMark Brandis: Pilgrim 2000
Nach dem gleichnamigen Roman von Nikolai von Michalewsky

Manuskript: Balthasar von Weymarn
Musik & Sounddesign: Jochim-C. Redeker
Aufnahme: Tommi Schneefuß, Thomas Weichler und Sven-Michael Bluhm
Produktion, Regie und Schnitt: Jochim-C. Redeker & Balthasar von Weymarn
Artwork: Alexander Preuss
Layout/ Satz: Jürgen Straub
Product Management: dp

SPRECHER:
Dr. Rebecca Levy: Claudia Urbschat-Mingues
Cmdr. Mark Brandis: Michael Lott
Cpt. Grigori »Grischa« Romen: David Nathan
Bordsystem CORA: Mira Christine Mühlenhof
Lt. Pablo Torrente: Martin Keßler
Prolog: Wolf Frass
Lt. Iwan Stroganow: Martin Wehrmann
Lt. Konstantinos Simopoulos: Gernot Endemann
Judith: Katarina Tomaschewsky
Melchior: Klaus Sonnenschein

Teil 1:
ISBN: 978-3-8291-2436-2
Gesamtspielzeit: ca. 57 Minuten
Altersempfehlung: ab 12 Jahren

Teil 2:
ISBN: 978-3-8291-2437-9
Gesamtspielzeit: ca. 56 Minuten
Altersempfehlung: ab 12 Jahren

INHALTSANGABE DES VERLAGS:

Teil 1:
2127: Commander Brandis und seine Crew sind auf der erdabgewandten Seite der Sonne. Nach Reparaturen an einer Raumstation ist die HERMES bereits auf dem Rückweg, als die Kommunikation ausfällt. Erst in 17 Tagen wird sie wieder Kontakt zur Erde erhalten. Die Nähe zur Sonne hat die Sehfähigkeiten der sechs Raumfahrer beeinträchtigt. Doch dann taucht ein seit Jahrzehnten verschollenes Generationenschiff vor ihnen auf, und Brandis ergreift die Chance, herauszufinden, ob noch jemand an Bord lebt …
Teil 2:
2127: Die HERMES ist jenseits Seite der Sonne von der Kommunikation zur Erde abgeschnitten. Mark Brandis und seine Crew haben Bewohner an Bord der PILGRIM 2000 gefunden. Ihr Rückweg zur Schleuse, an der die HERMES angedockt liegt, ist versperrt — durch ein Heer hundegroßer Ratten. Da das Generationenschiff dem Untergang geweiht ist, bleibt Brandis nur wenig Zeit, um einen zweiten Fluchtweg zu finden. Und die Ratten sind nicht die einzige Gefahr an Bord …

MEINUNG:
Ein äußerst interessante und spannende Ausgangslage: Ein scheinbar verlassenes Generationschiff, welches in wenigen Tagen in die Sonne stürzen wird. Das verspricht viel – viel Dramatik, viel Spannung. Leider jedoch hat man die Möglichkeiten nicht voll ausgeschöpft. Es wird beispielsweise immer wieder mal erwähnt, daß „Pilgrim 2000“ in Bälde verglühen wird, allerdings wenig dramatisch und derart beiläufig, daß gerade in diesem Punkt sehr viel Potential dieser permanenten Bedrohung verschenkt wurde. Insgesamt kommt die Geschichte in Gänze auch für bisherige „Mark Brandis“-Verhältnisse ziemlich zahm daher, auch wenn sie immer noch genügend Spannung bietet, insbesondere im zweiten Teil, um im überdurchschnittlichen Brandis-Bereich zu landen. Doch im Vergleich zu den bisher vertonten Geschichten, fällt „Pilgrim 2000“ ein wenig ab.

Sprechermäßig allerdings bleibt alles wie gewohnt: Vorzeigeensemble mit nahezu durchgehend großartigen Leistungen. Das einzige, was auffällt, ist die etwas (überraschend) hölzerne Art, mit der Gernot Endemann spricht. Ansonsten gibt es rundherum gute Leistungen zu vermelden. Michael Lott als Mark Brandis nebst seiner bekannten Crew (David Nathan als Grisha Romen, Martin Wehrmann als Iwan Stroganow, Martin Keßler als Pablo Torrente und Mira Christine Mühenhof als CORA) ihre jeweiligen Figuren gewohnt überzeugend ins Ohr bringen.
Besonders erwähnen sollte man Claudia Urbschat-Mingues, die hier eine toughe Dr. Rebecca Levy zum Besten gibt, sowie Klaus Sonnenschein als Melchior, der den dezenten Wahnsinn dieser Figur perfekt rüberbringt, ohne dabei einen klischeetriefenden „Bösewicht“ draus zu machen.

Musik und Effekte sind seit Anbeginn der Serie nicht nur innerhalb selbiger Qualitätsgarant, sondern spielen auch in der Liga der Großen in der Topregion ganz weit vorn mit. Das, was hier erneut an Effektfeuerwerken und musikalischen Untermalungen abgefeuert wird, ist schlicht und einfach Referenzklasse. Besonders beeindruckend ist die Atmosphäre des (nahezu) verlassenen titelgebenden Generationenschiffs „Pilgrim 2000“. Und Klaus Sonnenscheins „Gott-Modus“ wird sicher beim ersten Hören bei einigen für einen guten Schauer sorgen (Tip: Über ein paar richtig gute Kopfhörer genießen).

Als Fazit bleibt:
Eine gute, wenn gleich im „Brandis“-Universum ungewohnt zahme und unpolitische Geschichte wird erneut von verdammt gut aufgelegten Sprechern gespielt, bei denen lediglich Gernot Endemann etwas hölzern daherkommt. Effekte und Musiken bieten gewohnte Kost, respektive Referenzklasse. Wer auf Space-Abenteuer (und die Betonung liegt diesmal auf Abenteuer!) steht, wird mit „Pilgrim 2000“ extremst gut bedient. Wer allerding „Brandis as usual“ erwartet, könnte diesmal ein wenig „enttäuscht“ sein. Aber ein wenig Abwechslung ist auf Dauer vielleicht gar nicht mal verkehrt. Summa summarum bleibt dennoch auch hier: Verdammt gute SciFi-Unterhaltung in Referenzklasse.


Advertisements

Mark Brandis: Die Vollstrecker (Teil 1 und 2)


Mark Brandis:
Die Vollstrecker (1+2)

Manuskript: Balthasar v. Weymarn
Sounddesign und Musik: Joachim-C. Redeker
Aufnahme: Tommi Schneefuß, Sven-Michael Bluhm
Produktion, Regie und Schnitt: Balthasar v. Weymarn und Joachim-C. Redeker
Product Manager folgenreich: Doerte Poschau
Veröffentlicht: 2010, Folgenreich / Universal Music GmbH / INTERPLANAR Produktion GbR.

SPRECHER:
Michael Lott, Oliver Rohrbeck, Torsten Sense, Gernot Endemann, Wolf Frass, Dorothea Anna Hagena, Martin Wehrmann, David Nathan, Christine Mühlenhof, Marina Krogull,  u.a.

INHALTSANGABE/N DES VERLAGS:

2127: Der rätselhafte Rücktritt des Ministers Tschou Fang-Wu hatte die Beziehungen zwischen der Union und den Republiken nach dem Bürgerkrieg erkalten lassen. Auf INTERPLANAR XII soll nun die erste große Friedenskonferenz stattfinden. Mark Brandis ist für die Sicherheit der Delegationen verantwortlich. Doch ein Anschlag bringt die Großmächte an den Rand eines neuen Weltkriegs …
Mark Brandis‘ ehemaliger Pilot Robert Monnier steht vor Gericht: er soll den Terroristen sein Schiff, die Ares, in die Hände gespielt haben. Brandis soll nun als Vertreter der Anklage seinem alten Freund den Prozess machen. Da berichtet ein Betreuer der Homo Factus-Hilfstruppe auf der japanischen Insel Tsushima von einer Beobachtung, die enthüllt, was die »Vollstrecker« vielleicht wirklich vorhaben …

MEINUNG:

SCIENCE-FICTION HÖRSPIELE:    Brandis, Mark : Vollstrecker, Die (Teil 1 und 2).

An dieser Stelle könnte man mit dem  Review eigentlich aufhören, denn für mich ist Mark Brandis: Die Vollstrecker nicht weniger als die derzeitige Definition des Begriffs “Science-Fiction Hörspiel”.

Das beginnt bei der Story: Ein leider immer aktuelle Thema wird hier mit einer Spannung abgehandelt, die die Länge des Zweiteilers nicht nur kinoreif erscheinen, sondern auch genauso klingen lässt: Es wird sich genug Zeit für den Aufbau genommen, ohne dabei in zähe Passagen abzudriften, Action- und Thrillermomente gibt es ebenso grandiose wie die All-Ausflüge. Insgesamt gibt es von meiner Seite aus nichts, was handlungsmäßig zu beanstanden wäre – alles wird in einem verdammt guten Tempo gebracht, mal mehr, mal weniger “auf’s Gas gedrückt”, passend, rund, kurz: Auf den Punkt.

Selbiges gibt es bei den Sprechern zu vermelden: Diesmal hat man einen durch und und durch astreinen und bis in die letzte Rolle überzeugend agierenden Cast, der den dargestellten Charakteren nicht nur Leben einhaucht, sondern schlicht und einfach zeigt, wo genau die Stärken eines SPIELS liegen. Zudem werden einmal mehr Brandis’ innere Monologe auf bewegende Art und Weise von Michael Lott zum Besten gegeben werden, die Gänsehaut verursachen.

Bei den Effekten und der Musik zeigt sich ebenfalls erneut, daß Mark Brandis wegweisend ist. Wie hier sowohl an reellen Orten orientierte Settings, als auch die fiktiven Momente allein durch die Geräuscheffekte vor dem inneren Auge erscheinen, ist und bleibt einfach unvergleichlich und insbesondere in diesem Zweiteiler mit all seinen Facetten kann man nicht mehr als seinen virtuellen Hut vor einer derartigen Leistung ziehen.

“Die Vollstrecker” ist für mich die bislang beste und am besten umgesetzte Story um Mark Brandis. Hier stimmt alles, angefangen bei der abwechslungs-, tempo- und actionreichen Story mit ihren Politeinwürfen über einen in Gänze absolut überzeugenden Sprechercast hin zu den vorbildlichen Effekten und Musiken: Mark Brandis ist für mich die Definition von SciFi-Hörspielen!

Medien-Angaben:

Die Vollstrecker (1)
1 Audio-CD
ISBN-Nr. 978-3-8291-2376-1

Die Vollstrecker (2)
1 Audio CD
ISBN-Nr. 978-3-8291-2377-8

Thomas Thiemeyer: KoroNa


Cover des Hörbuchs "Korona", nach dem Roman von Thomas Thiemeyer.Thomas Thiemeyer: Korona
Gelesen von Dietmar Wunder
Argon Verlag, 2010.

6 Audio-Cds
Länge: 476 Minuten
ISBN: 978-3-8398-1053-8

Mit dem Eintreffen eines neuen Teammitglieds in Uganda beginnt für die Gorillaforscherin Imelda Walker ein Abenteuer, das ihre kühnsten Träume übersteigt. Bei einer Expedition ins Hochgebirge stößt ihr Team auf die Ruinen einer versunkenen Hochkultur, die die Forscher vor unerklärliche Phänomene stellt. Bald kann sich die Biologin der Wahrheit nicht länger verschließen: Ihr Team hat das Portal zu einer fremden Dimension durchschritten. Und für die Rückkehr ist es längst zu spät…

MEINUNG:
Was inhaltlich wie eine Mischung aus “Stargate”, “Planet der Affen”, angereichert mit einer Prise “Indiana Jones” klingen mag, entpuppt sich trotz der obig genannten Einflüsse als gänzlich eigenständiges Werk. Thomas Thiemeyer kombiniert einmal mehr fantastische Elemente mit wissenschaftlichen Phänomen und Fakten, so daß trotz aller Fantastik die Geschichte auf einem soliden Fundament aus Glaubwürdigkeit fußt und nicht in unglaubliche Fantastik abdriftet.
Die Einführung der Charaktere und der Ausgangslokalitäten benötigt ein wenig Zeit – beim Ersthören mag man dies als Schwachpunkt ankreiden. Die Stärke dieser scheinbaren Schwäche indes entpuppt sich später überdeutlich: Dadurch, daß Thiemeyer sich recht viel Zeit für die Charaktersierungen nimmt, entsteht eine für das Genre fast untypische Charaktertiefe, die natürlich durch die emotionale Bindung gerade im Abschluß umso stärker ins Gewicht fällt, als wenn man mit eindimensionalen Klischeeinkarnationen gearbeitet hätte.
Und kaum sind die Grundvoraussetzungen geschaffen, schnellt der Spannungsbogen massivst nach oben und bleibt dort bis zum Ende. Die konstant hohe Spannung wird zudem durch die “Mini-Cliffhanger” beim Wechsel zwischen den parallel laufenden Handlungen gehalten, bzw. noch weiter gesteigert.

Gelesen wird das Werk von Dietmar Wunder, der unter anderem auch Thiemeyers “Chroniken der Weltensucher” (Die Stadt der Regenfresser, Der Palast des Poseidon) las. Er nimmt den Hörer hier mit auf eine grandiose Reise – die für sich bereits ungemein packende Abenteuer-Mär gerät dank der Leistung Wunders zu einem famosen ‘Hörfilm’. Die Färbungen der einzelnen Charaktere, das Fingerspitzengefühl beim Erzählen – hier passt schlicht alles.

Als Fazit bleibt:
Eine wortwörtlich abenteuerliche Geschichte, die mit starken Charakteren und trotz genrebekannter Parallelen zu bekannten Filmthemen eigentständig und unglaublich spannend daherkommt und zum wahren CD-Turner wird.
Vorgetragen von einem spielfreudigen und rundum überzeugenden Dietmar Wunder, wird Thomas Thiemeyers “Korona” zu einem Hörbuch, das man durchaus auf den Shortlists der besten Hörbücher 2010 finden sollte. Oder kurz gesagt: Ein Traum von einem Hörbuch.