MindNapping (7): Das Geschwür


Cover zu MindNapping (7): Das Geschwür.MindNapping (7): Das Geschwür
Idee und Buch: Raimon Weber
Regie: Patrick Holtheuer
Musik, Mix, Mastering: Marcel Schweder
Audionarchie e.K., 2012

 

Sprecher:
Pete Glover: Gordon Piedesack
Sandy Glover: Sylvie Nogler
Ian Glover: Robert Missler
Randolph Schuster: Wolf Frass
Pfarrer Neergard: Konrad Halver
Frank Hagen: Gernot Endemann
Vizegouverneur Larsen: Douglas Welbat
Barkeeper Hank: Sascha Rotermund
Radiomoderator Bob: Tammo Kaulbarsch
Avril Gunderson: Julia Fölster
Soldat mit Megaphon: Leonhard Mahlich
Automatenstimme am Telefon: Merete Brettschneider
Nackter Irrer: Patrick Holtheuer

Inhaltsangabe des Verlags:

Der Winter kam früh. Sogar für North Dakota.
Der Schnee nahte unaufhaltsam aus nordöstlicher
Richtung. Ich konnte ihn bereits spüren. Himmel und Horizont verschmolzen zu einem diffusen Grau. Die sichtbare Welt schrumpfte auf wenige Quadratkilometer. Ich stand auf meiner Veranda und dachte darüber nach, dass meinem Heimatort Easthope mal wieder eine harte Zeit bevorstand.
Ich sollte mich irren: Es würde unerträglich werden. Mit dem Schnee zog das namenlose Grauen in die Stadt ein. Und niemand war da, um uns zu retten.

Meine Meinung:

Wer in den späten 70ern und 80ern aufwuchs, wird sicherlich kaum an John Carpenter vorbei gekommen sein. „Die Klapperschlange“, „Halloween“, „Das Ding aus einer anderen Welt“, „The Fog“, „Das Philadelphia-Experiment“ waren Filme, die aus dem menschenscheuen Regisseur eine Stilikone machten. Und genau in diese Richtung geht „Das Geschwür“, und zwar nicht nur von der Geschichte her, für die nach „Die 9mm-Erbschaft“ erneut Raimon Weber gewonnen wurde, sondern als Gesamtwerk.
Die Story an sich bietet Freunden von Verschwörungs- und Zivilisationsuntergangsszenarien einen Gourmetgang im Gesamten, Fans von Filmen wie „The Crazies“, „Salvage – Die Epidemie“ & Co. im Besonderen. Weber versteht es einmal mehr, eine per se schon bedrohliche Geschichte zu einem atmosphärischen Trip der Sonderklasse werden zu lassen – packend bis zur wortwörtlich letzten Sekunde. Dabei beschränkt er sich wieder auf eine recht kleine Gruppe von Charakteren, die sich in einem Netz aus Wahnsinn wieder finden und mit den „Auflösungserscheinungen“ der Gesellschaft zurecht kommen müssen. Dazu noch ein ordentlicher Schuß Verschwörungsthriller und fertig ist eine, wenn nicht gar die bislang beklemmendste Story in der Reihe.

Bei den Sprechern bleibt alles wie gewohnt im verdammt guten Bereich. Gordon Piedesack fungiert hier als Ich-Erzähler sowohl als eben dieser Erzähler, als auch als Charakter – die Übergänge sind fließend und insgesamt verleiht es der Figur des Pete Glover eine deutlichere Tiefe, als wenn man es mit einer regulären Erzähler-Charakter-Trennung zu tun hätte. Schlicht beeindruckend ist Douglas Welbat als Vizegouverneur Larsen – wenn ich Wahnsinn sage, ist das wortwörtlich so gemeint: Vor solchen Leistungen ziehe ich meinen (virtuellen) Hut. Explizit erwähnen muß man auch Wolf Frass, der hier eine Glanzleistung als „der nette Mann von nebenan“ abliefert: Glovers Nachbar wird Dank Frass zu einem extrem starken, bedrohlichen Element der Geschichte.
Der „Rest“, darunter fallen Sylvie Nogler, Robert Missler, Konrad Halver, Sascha Rotermund, Tammo Kaulbarsch, Julia Fölster, Leonhard Mahlich, Merette Brettschneider und Patrick Holtheuer selbst als „nackter Irrer“, liefet ebenfalls sehr starke Leistungen ab, die den Hörer vergessen lassen, daß es sich „nur“ um ein Hörspiel handelt. Kurz gesagt: Verdammt stark.

Musik und Effekte.
John Carpenter wurde bereits erwähnt – auch, daß „Das Geschwür“ eben nicht nur von der Geschichte her, sondern als Gesamtwerk in seiner Tradition steht. Das gilt für die Musik besonders – Marcel Schweders minimalistische Stücke, die mit ihren analogen Synthsounds die späten 70er, frühen 80er Jahre wieder auferstehen lassen schaffen eine in der Reihe bislang einmalige Atmosphäre.

Fazit:
Mit „Das Geschwür“ liegt der perfekte John Carpenter Film für die Ohren vor. Raimon Weber hat eine, für mich sogar die bislang beste „MindNapping“-Story vorgelegt, welche von einem superben und verdammt gut aufgelegten Sprecherensemble gespielt und von einem wahren Hammer von musikalischer und Effektuntermalung in die gehörte Realität geholt werden. Der bislang stärkste Eintrag in der Reihe „MindNapping“. Go get it!

MindNapping (8): Der schwarze Vogel


Cover zu MindNapping (8): Der schwarze VogelMindNapping (8): Der schwarze Vogel
Idee und Buch: Franjo Franjkovic
Regie: Patrick Holtheuer
Musik: Sebastian Pobot
Audionarchie, 2012
Sprecher:

Chloe Watson: Kerstin Draeger
Aron Watson: Oliver Böttcher
Coon: Gernot Endemann
Mia: Mia Diekow
Schwester Kate: Sabine Schmidt-Kirchner
Zuhörer: Klaus Dittmann

Inhaltsangabe des Verlags:

Nach dem Erfolg ihres Debütromans taumelt die Autorin Chloe Watson in eine tiefe Krise, denn ihre zweite Erzählung wird von den Kritikern und der Leserschaft verrissen. Ihr Absturz in die Bedeutungslosigkeit ist vorprogrammiert, doch dann entdeckt sie bei einem Spaziergang die Leiche einer jungen Frau. Wäre das nicht der perfekte Aufhänger für einen neuen Roman? Auf eigene Faust beginnt sie zu ermitteln. Ein fataler Fehler…

Meine Meinung:

Einmal mehr wird das „Psycho“ bei MindNapping groß geschrieben: Franjo Franjkovics „Der schwarze Vogel“ birgt zwar für Genrekenner die Gefahr, daß man recht schnell ahnt, wie der Hase läuft, doch bietet das Script eine andere große Stärke: Atmosphäre. Die Geschichte an sich ist eine Achterbahnfahrt durch Wahn (oder nicht Wahn?), Intrigen, Realitätsverlust – kurz: durch die Psyche.

Getragen wird das Hörspiel hautpsächlich von Kerstin Draeger, die die Rolle der Chloe Watson sehr gut rüber bringt. Der dubiose Mr. Coon wird von Gernot Endemann ebenfalls überzeugend gespielt und auch Oliver Böttcher als Chloes Lebenspartner gibt eine gute Figur ab.
Mia Diekow trägt einen weiteren wichtigen Part und vermag ebenfalls zu überzeugen. Und zuletzt sei noch Klaus Dittmann erwähnt, der in einer kurzen Szene zu Beginn mal richtig schön granteln darf.

Effekte und Musik sind seit Beginn der Reihe eine absolut Stärke und auch Sebastian Pobots musikalische Untermalung gliedert sich nahtlos ein. Zusammen mit den Effekten bietet die Folge eine absolut großartige Atmosphäre.

Als Fazit kann einmal mehr nur eine klare Kaufempfehlung ausgesprochen werden. „Der schwarze Vogel“ mag diesmal von der Geschichte her nicht ganz in der Spitzenklasse mitspielen, von der Atmosphäre her dafür umso mehr. Gespielt von überzeugenden Sprechern und begleitet von einer extrem starken Musik- und Effektuntermalung, sei die Folge vor allem Fans von Psychothrillern à la „Dédales“ ans Herz,bzw. Ohr gelegt. Und wer per se atmosphärisch starke Hörpsiele, zudem mit Thriller- und Verschwörungseinschlag mag, sollte ebenfalls zugreifen und reinhören.

MindNapping (5): Witchboard


Cover zu MindNapping (5): WitchboardMindNapping (5): Witchboard
Idee & Buch: Carsten Steenbergen
Regie & Schnitt: Patrick Holtheuer
Co-Regie: Marko Peter Bachmann
Musik, Mix & Mastering: Marcel Schweder
Gestaltung & Layout: Daniel Klages-Saxler
Fotos: Christian Belz

Inhaltsangabe des Verlags:

Coraline, ihre neue Liebe Ron, ein College-Baseball-Spieler, Eugene, ihr bester Freund und die anstregende Ashley fahren gemeinsam Richtung Florida, um dort ihre Semesterferien zu verbringen. Doch mitten im Great Smoky Mountains Nationalpark streikt plötzlich der Wagen. Die vier Studenten sind gezwungen, in einem einsam gelegenen Haus zu  übernachten.
Als Coraline bei einer Séance Botschaften aus dem Jenseits empfängt, die vor Ron warnen, wandelt sich die Nacht in den Bergen zu einer mörderischen Odyssee.

Sprecher:

Ashley: Merete Brettschneider
Coraline: Mia Diekow
Eugene: Leonhard Mahlich
Ron: Daniel Welbat
Parkplatzwächter: Wolf Frass
Tankstellenfrau: Sylvie Nogler
Officer Decker: Gordon Piedesack

Meine Meinung:

Mit „Witchboard“ hat man nach Folge 3, „Der Trip„, eine weitere Folge mit einem scheinbar übernatürlichen Anstrich. Autor Carsten Steenbergen wartet mit dem Aufbau des Spannungsbogens nicht lang und hält ihn bis zum Ende aufrecht und bedient sich dabei sowohl klassischer Thrillerelemente, als auch okulter Gruselmomente, und serviert einen ungemein packenden Thriller.

Bei den Sprechern spielt sich der größte Teil kammerspielartig zwischen den vier Protagonisten ab, die von Merette Brettschneider, Mia Diekow, Leonhard Mahlich und Daniel Welbat sehr glaubwürdig gespielt werden und den „Sog des Wahnsinns“ überzeugend rüberbringen.
Dazu gesellen sich einmal mehr Gordon Piedesack, dann noch Sylvie Nogler und Wolf Frass. Rundum gut. Mehr gibt’s hier nicht zu sagen.

Effekte und Musik – auch hier bleibt es wie gehabt: Sehr sauber, gut gewählt und passend platziert, wird der Realismus stark gefördert und die Atmosphäre an genau den richtigen Punkten lanciert.

Bleibt als Fazit:
„Witchboard“ ist ein gelungener Thriller der Reihe „MindNapping“, spielt geschickt mit regulären Thriller-, aber auch mit Okult-Elementen. Gespielt von einem durchweg gut agierenden Cast und unterstützt von der -wie immer- passenden und Atmosphäre verstärkenden Musik- und Effektuntermalung. Definitiv hörenswert!

[REVIEW] MindNapping (4): Flutnacht


MindNapping (4): Flutnacht | © 2011 Audionarchie eKMindNapping (4): Flutnacht

Idee & Buch: Simon X. Rost
Regie & Schnitt: Patrick Holtheuer
Co-Regie: Marko Peter Bachmann
Editing & Monate: Marko Peter Bachmann, Stefan Hagen
Musik, Mix & Mastering: Marko Peter Bachmann
Gitarre: Matthias Nawatzki
Gestaltung & Layout: Daniel Klages-Saxler

 

[Hörprobe]

= = = INHALTSANGABE DES VERLAGS = = =

Tim Felton nimmt nach dem Unfalltod seiner Freundin den Job als Vogelwächter auf Brooks Island an – eine einsame Insel an der Küste von Maine. Das beschauliche Forscherleben endet jäh, als Tim Hinweise entdeckt, dass sein Vorgänger unter mysteriösen Umständen verschollen ging und eine geheimnisvolle Schiffbrüchige auf Brooks Island angespült wird. Wenig später weiß Tim nicht mehr, ob er seinen Sinnen noch trauen kann oder ob er das Schicksal des letzten Vogelwartes teilen wird: Paranoia, Wahnsinn und Tod…

= = = MEINUNG = = =

In der Reihe „MindNapping“ bricht in Folge 4 die titelgebende „Flutnacht“ an. Aus der Feder von Simon X. Rost (u.a. Darkside Park, Mitschnitt) stammt ein kammerspielartiger Psychothriller, der mit einem Minimum an Akteuren auskommt. Die Szenerie ist gut gewählt: Eine einsame Insel, das Rätsel um den verschollenen, letzten Vogelwart auf eben selbiger, eine gestrandete Frau, die im Laufe der Geschichte immer undurchsichtiger erscheint, sowie ein aufziehender Sturm – das sind Zutaten, die einen rundum superben Thriller ergeben können. Und im Falle von „Flutnacht“ nicht nur können, sondern dies auch mit Bravour beweisen.
Simon X. Rost versteht es, die Balance zwischen atmosphärischer und Spannungsdichte perfekt zu halten. Es entstehen keine Längen, unnütze Szenen sucht man vergebens, und trotzdem wartet die Geschichte mit einer ungeheuer dichten und packenden Atmosphäre auf.

Bei der Umsetzung hat man ebenfalls keinen Aussetzer zu verzeichnen. Die Sprecher, allen voran Christian Stark als Tim Felton und Marion von Stengel als undurchschaubare Susan liefern hier eine regelrecht Glanzleistung ab. Besonders erwähnenswert ist übrigens auch Udo Schenk, der hier sogar mal nett klingen darf und sich auch in diesem „Modus“ für kommende Produktionen empfiehlt. Zuletzt sei noch Reent Reins genannt, der -oftmals in einem wunderbar realisierten Übergang mit Christian Stark- als verschollener Frank Laughten sehr gut klingt und spielt.

Bei Musik und Effekten bleibt es wie gehabt: Sauber, sauber, sauber – passend, realistisch und atmosphärisch. Auch ein Markenzeichen der Reihe bleibt: Die einzelnen Stücke werden so etwas wie das „Markenzeichen“ der jeweils einzelnen Folge, so daß jede Folge tatsächlich wie beabsichtigt ein eigenständiges Werk ist. So kann es gern weitergehen.

Als Fazit bleibt:
„Flutnacht“ ist ein weiterer extrem starker Eintrag der Psychothriller-Reihe „MindNapping“. Simon X. Rosts Story wurde hervorragend in Szene gesetzt, von sehr guten Sprechern ebenso gesprochen, bzw. gespielt, mit passenden Musiken und Effekten untermalt, so daß sich das „Kopfkino“ voll entfalten kann und man den Charakteren praktisch „über die Schulter“ zu schauen vermag.
Beide Daumen hoch – verdammt geile Folge!

 

[REVIEW] MindNapping (3): Der Trip


Cover zu MindNapping (3): Der TripMindNapping (3): Der Trip
Idee: Patrick Holtheuer und Marcus Görner
Buch: Marcus Görner
Regie: Patrick Holtheuer
Co-Regie: Marko Peter Bachmann
Gestaltung & Layout: Daniel Klages-Saxler
Fotos: Christian Belz
Schnitt, Musik, Mix & Mastering: Marko Peter Bachmann

Inhaltsangabe des Verlags:

Was für fünf junge Leute eine Mutprobe im alten Oakley-Haus werden sollte, nimmt eine schreckliche Wendung. Geht es dort um? Haust dort etwas im Keller?
Der Trip wird zum Albtraum! Wer wird überleben?

Sprecher:
Warren King: Daniel Welbat
Brad Cooper: Jannik Endemann
Ryan O´Neill: Tammo Kaulbarsch
Lissy Parker: Julia Fölster
Katie Collins: Linn MacKenzie
Dr. Reading: Reent Reins
Officer August: Stephan Chrzescinski
Officer Decker: Gordon Piedesack
Obdachloser 1 (Jeremiah): Konrad Halver
Obdachloser 2 (Paul): Martin Sabel
Björk Müllmann: Simon Gosejohann
Kongo der Riesenfrosch: Thilo Gosejohann
Radiomoderator: John Ment
Meine Meinung:
War Folge 2 her fast ein elegischer Trip, so gestaltet sich diese Folge 3 mit dem Titel „Der Trip“ zu einer unterhaltsamen und packenden Hommage an die klassischen Gruselhörspiele und -filme der 80er, mit allem was dazu gehört: Die Gruppe junger Leute, die kein Klischee auslässt, die Sprüche, die Handlung an sich, alles nickt Richtung „80er“. Doch Mindnapping wäre nicht Mindnapping, gäbe es nicht den bekannten „Haken“. Und der kommt auch.
Sehr temporeich, einige Hommagen, ein satirischer Moment, dazu eine kurze und kurzweilige Spieldauer – so darf es gern weitergehen.

Zu den Sprechern:
Daniel Welbat als Draufgänger passt wunderbar. Jannik Endemann, Linn MacKenzie, Julia Fölster und Tammo Kaulbarsch komplettieren die Clique und spielen ebenfalls überzeugend.
Hörbar Spaß an seiner (kurzen) Rolle hatte Konrad Halver als „Penner“ – und auch Reent Reins hat seinen Part offenbar auch gut gelaunt eingesprochen.
Stephan Chrzescinski und Gordon Piedesack nehmen ihre Rollen aus Folge 1 wieder auf und als Special Guests geben die Gebrüder Gosejohann als Björk Müllmann und Kongo, der Riesenfrosch (Macabros-Fans dürften sofort wissen, um was es geht), eine humorvolle Parodie auf eben jene Serie ab.

Musik und Effekte haben sich bereits in den ersten beiden Folgen als Stärke der Reihe erwiesen und auch hier bietet sich dem Hörer eine passende Untermalung, welche den Gruselanstrich der Folge perfekt einfängt und begleitet.

Bleibt als Fazit:
Fast könnte man meinen, „MindNapping goes Backwood Horror“, aber ganz so ist es dann doch nicht. Die Geschichte ist eine Hommage an klassische Gruselfilme und -hörspiele der 80er Jahre, bietet allerdings auch den MindNapping typischen Überraschungsmoment. Vorgetragen wird dies von motivierten Sprechern, die durchweg gute Leistungen abliefern, begleitet von einer atmosphärischen und passenden Musik- und Effektuntermalung.
„Der Trip“ ist kurzweilig, unterhaltsam und dürfte vor allem Fans obig genannter Genres begeistern.

MindNapping (1) – Auf gute Nachbarschaft


MindNapping (1) - Auf gute Nachbarschaft (Audionarchie, 2011)MindNapping (1): Auf gute Nachbarschaft

Idee: Patrick Holtheuer und Marcus Görner
Buch: Marcus Görner
Veröffentlicht: 2011, Audionarchie e.K.

SPRECHER:
Sascha Rotermund, Reinhilt Schneider, Konrad Halver, Jan-David Rönfeldt, Detlef Bierstedt, Stephan Chrzescinski, Gordon Piedesack, John Ment.

Inhaltsangabe des Verlags:

Nach dem Tod seiner Eltern fällt der Schriftsteller Hank Lewis in ein tiefes Loch. Bis ein mysteriöser Fremder in das Nachbarhaus einzieht. Hank hat von nun an keine ruhige Minute mehr. Der neue Nachbar scheint ihm nachzustellen und schreckt auch nicht vor Gewalt zurück. Was ist das Motiv des Fremden? Während eines Unwetters kommt es zum grauenvollen Finale …

Meinung:

Mit „MindNapping (1): Auf gute Nachbarschaft“ gibt Patrick Holtheuers Label „Audionarchie“ sein Debüt. Nicht jedoch auf den allgemein florierenden Horrorbereich setzend, sondern mit Psychothrillern soll die Hörerschaft unterhalten werden. Dafür vorab schonmal ‚Daumen hoch‘, denn leichter wäre es sicherlich mit Dämonenjäger No. 123456 gegangen – doch hier wurde bewußt ein anderer Weg gewählt.

Zur Story:
Übernatürliche Elemente fehlen, stattdessen wird tatsächlich das geboten, was die Serie verspricht: Ein reinrassiger Psychothriller. Der Spannungsbogen wird konsequent gesteigert, ist gespickt mit Hinweisen, die auf das Ende hindeuten, welches dann genregetreu böse ausfällt und sich nicht an obligatorische Happy-End-Zwänge hält. Der Verzicht auf einen Erzähler bringt die Handlung wesentlich intimer herüber – eine kluge Entscheidung.

Sprechermäßíg gibt es durch die Konzentration auf den Hauptcharakter Hank Lewis und seine Nemesis ein recht kleines Ensemble – dafür aber durchweg klangvolle Namen: Sascha Rotermund gibt einen großartigen Hank Lewis am Rande des Wahnsinns, Reinhilt Schneider mit ihrer unvergleichlichen Stimme Hanks besorgte Tante. Konrad Halver liefert einen wunderbar grantigen Nachbarn, doch den Vogel abgeschossen hat definitiv Jan-David Rönfeldt: Sein Elan Whisk kommt wirklich beängstigend böse rüber. Kein Overacting, nicht der typische „Ich muss alles erklären und halte ellenlange dumme Monologe“-Bösewicht, sondern ein wirklich unglaublich bedrohlicher Geselle dank einer exquisiten Leistung von Rönfeldt.

Musik und Effekte werden passend eingestzt; gerade die Geräusche steigern in Kombination mit dem abstinenten Erzähler die bizarr-realistische Atmosphäre noch. Die Musikuntermalung, bewußt minimal gehalten, bringt die permanente Bedrohung und das mysteriöse Treiben auf den Punkt und verleiht der Folge ein akustisches Gesicht, welches sie beispielsweise von Folge 2 schon komplett unterscheidet.

Summa summarum:
Ein verflucht starker Einstieg in den Markt. Eine durch Genrekenntnis und diverse Hinweise im Hörspiel selbst zu entschlüsselnde Grundidee wird souverän in einen verdammt guten Klangmantel gepackt. Das Spiel der Sprecher kann man, insbesondere auf Sascha Rotermund und Jan-David Rönfeldt bezogen, nur als großartig bezeichnen. Effekte und Musik werden dezent eingesetzt, verleihen der Episode ein eigenständiges, akustisches „Gesicht“ und zaubern eine wunderbar gruselig-intime Atmosphäre, was durch das Fehlen eines Erzählers noch verstärkt wird. „Auf gute Nachbarschft“ kann ich nicht nur Thriller-Freunden, sondern uneingeschränkt empfehlen.

 

[Review] David Ignatius: Der Mann, der niemals lebte


David Ignatius: Der Mann, der niemals lebte (Audiobuch Verlag, 2007. Gelesen von Johannes Steck)David Ignatius: Der Mann der niemals lebte
Gelesen von Johannes Steck
Veröffentlicht: Audiobuch Verlag, 2007

Länge: 428 Minuten
6 Audio-CDs
ISBN-Nr.: 978-3-89964-302-2

Inhaltsangabe des Verlags:

Die CIA ist ratlos: Jeder Versuch, einen Maulwurf bei Al-Quaida einzuschleusen, mißlingt. Da kommt der in Jordanien stationierte Agent Ferris auf eine zündende Idee: Wenn man die Organisation nicht infiltrieren kann, muß man eben so tun als ob. Es wird eine Leiche im Libanon plaziert. Und tatsächlich: Das trojanische Pferd erzielt den gewünschten Erfolg. Doch dann wird Ferris plötzlich selbst entführt …

Meinung:

Ein Thriller, der sich den “Krieg gegen den Terrorismus” zum Thema nimmt, kann völlig danben gehen. Glücklicherweise ist David Ignatius dieses Dilemma erspart geblieben, denn mit “Body of Lies”, bzw. “Der Mann, der niemals lebte” liefert er den Beweis dafür, daß intelligente Agententhriller keine triefenden Klischees brauchen, um zu funktionieren.

Gleich vorweg: Wer “heroische Amerikaner schlagen bösen Terroristen (natürlich islamistischen Glaubens) wieder so richtig klischeebeladen ein Schnippchen” erwartet, sollte sich andere Kost suchen. Ignatius hat keine saubere CNN-Variante gezaubert, sondern einen Roman, der auf beiden Seiten, sowohl der Amerikaner, als auch der Araber, das triefende Schwarz/Weiß-Getue verbannt und zeigt, daß auf beiden Seiten Menschen agieren, die manipulieren können, die betrügen, belügen, aber auch lieben und für ihre Prinzipien eintreten können.

Nun ist “Der Mann, der niemals lebte” kein Islam-Bashing, ebensowenig wie ein Anti-Amerika Pamphlet. Exemplarisch hat der “normale” Held in Agenthrillern immer eine reine Weste, schafft ohne ernsthafte Probleme alles – nur hat Roger Ferris weder eine reine Weste, noch durchschreitet er das Intrigenspiel ohne Blessuren.

Andersrum agieren auch die sonst in ähnlichen Romanen immer als rückständig und/oder sinnlos brutal agierenden Araber hier auch nicht den allseits bekannten Klischees entsprechend. Und auch die amerikanische CIA, insbesondere personifiziert durch Ed Hoffman, bekommt eine ordentliche Portion Kritik an der amerikanischen Überheblichkeit den Arabern gegenüber ab, also imho durchaus realistisch(er) als viele andere Romane dieses Genres. Niemand hat in diesem Thriller den “Gut”- oder “Böse”-Schein in reinem Schwarz oder reinem Weiß gepachtet – das darzustellen und vor allem als essentiellen Bestandteil seiner bitterböse durchdachten Handlung zu etablieren, ist Ignatius perfekt gelungen.

Vorgetragen wird das Ganze von Johannes Steck, der nicht nur eine verdammt markante, sondern auch eine passende Stimme hat, wenn es darum geht, Thriller zu tragen.
Steck erweist sich durchweg als Glücksgriff. Er haucht den Figuren Leben ein, variiert den Tonus seiner Stimme entsprechend und lässt auch den hier und da nötigen arabischen Dialekt passend und imo (in meinen Ohren) nicht unfreiwillig komisch einfließen. Steck verleiht zudem den Emotionen der Akteure Gewicht. Er schreit, er röchelt, er flucht – und lässt durch die Authentizität den “Film im Kopf” entstehen.

Bleibt als Fazit:
Der Mann, der niemals lebte” gehört in die Sammlung eines jeden, wirklich jeden Agententhriller-Fans, der einem Schuß Realismus nicht abgeneigt ist. David Ignatius ist ein brillanter Thriller gelungen, der den Hörer in eine ziemlich ungeschönte Welt der Spionage zieht und auf tumbe Schwarz/Weiß-Malerei verzichtet.

Vorgetragen von einem verdammt gut aufgelegten Johannes Steck, avanciert “Der Mann, der niemals lebte” zu einem ungheuer intensiven “Film im Kopf”, den sich Hörbuchfans im Gesamten, Thrillerfreunde im Besonderen definitiv nicht entgehen lassen können.