[Review] Gruselkabinett: Das Schloß des weissen Lindwurms (Bram Stoker)


Gruselkabinett: Das Schloss des weißen Lindwurms (nach Bram Stoker; Titania Medien, 2009)Gruselkabinett: Das Schloß des weißen Lindwurms
Basierend auf dem Roman von Bram Stoker

Regie: Marc Gruppe
Veröffentlicht: Titania Medien; 2009

SPRECHER:
Markus Pfeiffer, Hasso Zorn, Joachim Pukaß, Katja Nottke, David Nathan, Melanie Hinze, Peter Reinhardt, Anja Stadlober.

1 Audio-CD
ISBN-Nr.: 978-3-7857-3825-2

Inhaltsangabe des Verlags:

Der junge Australier Adam Salton folgt der Einladung seines einzigen noch lebenden Verwandten nach Lesser Hill. Richard Salton hofft, dass sein Großneffe dort eines Tages sein Erbe antreten wird. Der Familiensitz liegt in einer äußerst geschichtsträchtigen Gegend, der es nicht an exzentrischen Bewohnern mangelt. Eine von ihnen ist die faszinierende Lady Arabella March, die Herrin eines auf einer Halbinsel gelegenen Schlosses…

Meinung:

Das Schloss des weißen Lindwurms“ erzählt die dramatischen Erlebnisse des jungen Australiers Adam Salton, der auf Wunsch seines Großonkels Richard Salton dessen Erbe auf Lesser Hill antreten soll. Samt Hab, Gut und Mungo Mr. Bagles macht sich der junge Salton auf nach England und findet sehr zu seinem Entzücken neben neben einem sehr netten Großonkel und einem loyalen, alten Freund (gewisse Ähnlichkeiten zu einem Abraham van Helsing sind sicherlich nicht ganz zufällig…) auch eine junge Dame, die seinen Annäherungsversuchen nicht abgeneigt ist.

Soweit, so gut? Nicht ganz, denn Stoker ist bekanntlich nicht der „Gute Laune“-Papst unter den Schriftstellern. So schleicht, oder besser gesagt: Schlängelt sich hier das Grauen heimlich, still und leise ein, denn nach und nach entdeckt Adam, daß die an sich so idyllische Gegend eine nicht ganz idyllische Geschichte hat.

Vorab sei erwähnt, daß es sich bei der vorliegenden Version keinesfalls um eine 1:1-Umsetzung handelt. Einige Dinge wurden gestrafft, andere weggelassen. Dennoch, oder gerade deshalb, gelingt es Gruppe einmal mehr, einen ordentlichen Spannungsbogen über die gesamte Laufzeit zu spannen – bis auf das Ende, denn dieses ist  in meinen Ohren leider nicht glücklich gewählt: Der “Showdown” ist dramaturgisch schlicht zu knapp gehalten. Überhaupt kam das titelgebende Fabelwesen viel zu kurz weg, so daß eine tatsächlich greifbare Bedrohung kaum vorhanden ist. Hier wäre es definitiv wünschenswert, hätte man sich an den Originalroman gehalten.

Neben der imho zu kurz geratenen Einbindung des Lindwurms, kommt leider auch Lady Arabella nicht ganz so bösartig und bedrohlich rüber, wie sie es sollte. Exemplarisch sei erwähnt, daß Arabella im Hörspiel zwar nicht gerade freundlich auf Saltons Mungo reagiert, dies in der Vorlage jedoch deutlich drastischer ausfällt… – auch hier kommt man nicht richtig auf „Betriebstemperatur“, leider – und so stiehlt der eigentliche „Nebenfiesling“ Edgar Caswell (herrlich-schmierig gesprochen von David Nathan) der „Hauptschurkin“ dann auch die Show, was dramaturgisch gesehen ebefalls absolut unglücklich ist.

Technisch gesehen punktet das Hörspiel jedoch wieder auf ganzer Linie: Neben einem erstklassigen Sprecherensemble ist das gesamte Hörspiel -einmal mehr- mit brillanten und brilliant eingesetzten Geräuscheffekten unterlegt, begleitet von einer sich nahtlos in die Atmosphäre einfügenden Musik. Hier ist Titania Medien seit Jahr und Tag vorbildlich und untermauert dies gekonnt mit dieser Folge.

Bleibt als Fazit:
Das Schloss des weissen Lindwurms“ ist sicherlich ein gutes und atmosphärisches Hörspiel, allerdings diesmal nicht in der Titania üblichen Referenzklasse. Dafür gibt es leider einige dramaturgische Punkte, die dies verhindern – da hätte der eine oder andere ausgelassene Punkt der Vorlage einiges retten können, doch kommen in der vorliegenden Version leider kaum Bedrohung und Bösartigkeit der Hauptschurkin auf, ebensowenig wie der titelgebende Lindwurm für greifbaren Grusel sorgt.

Gewiss, Freunde gruseliger Klassiker können auch hier wieder bedenkenlos zugreifen, doch ist man von Titania durchaus andere „Kaliber“ gewohnt – höre „Die Familie des Vampirs“, „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“, „Der Fall Charles Dexter Ward“ oder „Spuk im Hill House“.

 

[Review] Gruselkabinett: Der fliegende Holländer (nach Heinrich Heine)


Gruselkabinett: Der fliegende Holländer (nach Heinrich Heine; Titania Medien, 2007)Gruselkabinett: Der fliegende Holländer
Basierend auf Motiven von Heinrich Heine

Regie: Marc Gruppe
Veröffentlicht: Titania Medien; 2007

SPRECHER:
David Nathan, Wolfgang Condrus, Roland Hemmo, Barbara Adolph, Uli Krohm, Simon Jäger, Tommy Morgenstern, Nicolas Artajo, Thomas Nero Wolff, Dascha Lehmann und Heinz Ostermann.

1 Audio-CD
ISBN-Nr.: 978-3-7857-3350-9

Inhaltsangabe des Verlags:

Bis in alle Ewigkeit verflucht, muss das Geisterschiff des fliegenden Holländers die Weltmeere auf der Suche nach der ersehnten Erlösung der Mannschaft durchstreifen. Unheil droht demjenigen, der dem rotglühenden Dreimaster in stürmischer Nacht begegnet. Verderben hingegen wird dem zuteil, der sich mit dem verfluchten Kapitän des Seglers einlässt …

Meinung:

Lang bevor Disney mit dem „Fluch der Karibik“ die Geister der See wieder einer breiten Masse zugänglich machte und Kapitän Jack Sparrow auf den zu ewigen Leben verdammten Barbossa traf, spukte eine ähnlich klingende Geschichte durch die Welt und fand sich in allerlei Kunstgattungen wieder, in denen sich zwei besonders bekannte Namen befinden. Richard Wagner, der seine gewaltige Oper 1843 uraufführte – und diese nie hätte komponieren können, wäre er nicht einige Jahre zuvor über Heinrich Heines „Die Memoiren des Herren von Schnabelewopski” gestolpert.
Auf Motiven selbiger basiert der bereits zweiundzwanzigste Eintrag in der erfolgreichen Historie von Titania Mediens „Gruselkabinett”.

Marc Gruppe und Stephan Bosenius haben sich von Anfang an der Schauerromantik verschrieben, respektive keine sinn- und handlungslosen Metzelorgien, in denen uninteressante Klischeeinkarnationen durch langweilige Handlungsversätze, so man sie so nennen möchte, von einem Blutbad zum nächsten waten. Sowohl Gruppe, als auch Bosenius haben in den bereits über zwei Dutzend umfassenden Geschichten des „Gruselkabinetts” bewiesen, daß es um mehr geht: Charaktere, die beim Hörer Empathie wecken und Emotionen, die nicht durch hektoliterweise vergossenes (Hör)Blut erzeugt werden können.

In exakt dieser Tradition präsentiert sich auch „Der fliegende Holländer”, und ist, mehr noch als die vorigen Folgen, Aushängeschild für den Begriff „Schauerromantik”. Geradezu brilliant ist die „Erzählung in der Erzählung in der Erzählung”. Das Skript ist von herausragender Qualität, offeriert diese Art der Erzählweise doch gleich etliche Fallen, die indes galant umgangen wurden. Der letztliche Kern aus Protagonisten und antagonistischen Kräften, der beiderseitige Konflikt sowohl auf Seiten des verfluchten Kapitäns, als auch der hübschen Katharina, die beide ihrem Willen nach für einander bestimmt sind und doch scheitern müssen, offenbart in jeder Minute was der Begriff „Schauerromantik” bedeutet.

Getragen wird das Hörspiel von den Sprechern, insbesondere durch die Leistungen von Roland Hemmo, Dascha Lehmann, Barbara Adolph, Wolfgang Condrus und natürlich David Nathan, der dem verfluchten Kapitän genau das richtige Maß an Tragik und Verzweiflung einhaucht.
Gruppe hat ein ungemein gutes Gespür dafür, wie er die Sprecherinnen und Sprecher zu wahren Höchstleistungen führen.

Auch musikalisch gerät das vorliegende Werk ebenfalls zu einer der besten Folgen der Reihe. Oft wird auf die Oper von Wagner verwiesen – kein Wunder also, daß es beeindruckend und regelrecht pompös zugeht und doch passt die Musik in jedem einzelnen Einsatz perfekt und lässt, unterstützt vom ebenfalls vorbildlichen Einsatz von Geräuscheffekten, eine Atmosphäre entstehen, der sich der Hörer kaum zu entziehen vermag.

So kann auch „Der fliegende Holländer” aus dem Hause Titania Medien einzig mit einer deutlichen Empfehlung bedacht werden. Durch die Verquickung aus bestechendem Skript, den zugänglichen Charakteren, perfekt agierenden Sprecherinnen und Sprechern, einer absolut wasserdichten musikalischen und effektmäßigen Untermalung, sowie einer daraus resultierenden, unglaublich dichten Atmosphäre, untermauern Gruppe und Bosenius einmal mehr ihre Fertigkeit, in Zeiten von in Blut ertränkten Schockern mit filigranen und in der Tat schaurig-romantischen Klassikern einen Gegenpol zu setzen, der nicht mit dem Ende der CD in Vergessenheit gerät.

 

[Review] Gruselkabinett: Die obere Koje (nach Francis Crawford)


Gruselkabinett (34): Die obere Koje (nach Francis Crawford)

Gruselkabinett: Die obere Koje
Basierend auf der Erzählung von Francis Crawford

Regie: Marc Gruppe
Veröffentlicht von Titania Medien | 2009

SPRECHER:
Axel Malzacher, Jürgen Thormann, Peter Reinhardt, Tobias Nath, Uwe Büschken, Markus Pfeiffer und Uli Krohm.

1 Audio-CD

ISBN-Nr.: 978-3-7857-3824-5

Inhaltsangabe des Verlags:

Was hat es auf sich mit der oberen Koje in Kabine 105 des Passagierdampfers Kamtschatka? Niemand der Besatzung scheint erfreut zu sein, dass Passagiere für diese Kabine gebucht haben. Nach der ersten Nacht an Bord, wird dem See-Erprobten Reisenden Aldous Brisbane auch klar, warum…

Meinung:

Ende des vorletzten Jahrhunderts schickte sich der in Italien geborene US-Autor Francis Crawford an, eine bis heute im Literaturbereich als „one of the finest ghost stories ever written“ angesehene Kurzgeschichte zu verfassen: „The Upper Berth“. In der Tat ist Crawfords Gespür für das Schreiben gruseliger Geistergeschichten gerade in dieser Geschichte greifbar – und Titania Medien haben mit der Vorlage eine absolut dankbare Geschichte für ihre Reihe von Meisterwerken der Schauerromantik aufgetan.

Vom packenden Einstieg bis zum letzten Ton der Endmusik, nimmt einen Marc Gruppe auf eine unheimliche und unheimlich gut inszenierte Fahrt durch eine ausgeklügelte Geisterbahn akustischer Art.

Das Grauen wird greif-, bzw. hörbar durch die vortrefflichen Leistungen der Sprecher – und wie bereits beim „Freischütz“ ist es wieder einmal Jürgen Thormann, der trotz kleiner Rolle heraussticht.

Damit aber nun das (verdammt gut) gespielte Grauen nachhallt, haben Titania Medien der geisterhaften Schiffsfahrt eine schlicht beeindruckend düstere Atmosphäre geschaffen, die für mich die bislang bestgemischte der Serie ist – insbesondere wenn der Besuch in der titelgebenden oberen Koje stattfindet.  Die Collage aus realen und „übernatürlichen“ Geräuscheffekten, passender Musik und  perkussiven Elementen erinnerte mich manches mal an die „Watchmen“-Verfilmung und den Score Tyler Bates’. Es ist  bedingungslos begeisternd, mit welcher Geschicklichkeit hier eine nicht existente Welt greifbar gemacht wird.

Bleibt als Fazit einzig: Zugreifen! Titanias 34. Eintrag in der Reihe „Gruselkabinett“ bietet angenehmen Grusel, der von einem erstklassigen Cast, sowie einer meisterhaften Einheit aus Musik und Perkussion, sowie natürlichen und „übernatürlichen“ Geräuscheffekten, getragen wird.
Besonders Freunde opulent inszenierter, gruseliger Klassiker sollten bei diesem Werk zugreifen – es ist die lehrbuchmäßige Inszenierung einer Geistergeschichte, die nicht umsonst als einer der Klassiker der ghost stories angesehen wird.

http://www.hergehoert.de/gruselkabinett__die_obere_koje.html