MindNapping (7): Das Geschwür


Cover zu MindNapping (7): Das Geschwür.MindNapping (7): Das Geschwür
Idee und Buch: Raimon Weber
Regie: Patrick Holtheuer
Musik, Mix, Mastering: Marcel Schweder
Audionarchie e.K., 2012

 

Sprecher:
Pete Glover: Gordon Piedesack
Sandy Glover: Sylvie Nogler
Ian Glover: Robert Missler
Randolph Schuster: Wolf Frass
Pfarrer Neergard: Konrad Halver
Frank Hagen: Gernot Endemann
Vizegouverneur Larsen: Douglas Welbat
Barkeeper Hank: Sascha Rotermund
Radiomoderator Bob: Tammo Kaulbarsch
Avril Gunderson: Julia Fölster
Soldat mit Megaphon: Leonhard Mahlich
Automatenstimme am Telefon: Merete Brettschneider
Nackter Irrer: Patrick Holtheuer

Inhaltsangabe des Verlags:

Der Winter kam früh. Sogar für North Dakota.
Der Schnee nahte unaufhaltsam aus nordöstlicher
Richtung. Ich konnte ihn bereits spüren. Himmel und Horizont verschmolzen zu einem diffusen Grau. Die sichtbare Welt schrumpfte auf wenige Quadratkilometer. Ich stand auf meiner Veranda und dachte darüber nach, dass meinem Heimatort Easthope mal wieder eine harte Zeit bevorstand.
Ich sollte mich irren: Es würde unerträglich werden. Mit dem Schnee zog das namenlose Grauen in die Stadt ein. Und niemand war da, um uns zu retten.

Meine Meinung:

Wer in den späten 70ern und 80ern aufwuchs, wird sicherlich kaum an John Carpenter vorbei gekommen sein. „Die Klapperschlange“, „Halloween“, „Das Ding aus einer anderen Welt“, „The Fog“, „Das Philadelphia-Experiment“ waren Filme, die aus dem menschenscheuen Regisseur eine Stilikone machten. Und genau in diese Richtung geht „Das Geschwür“, und zwar nicht nur von der Geschichte her, für die nach „Die 9mm-Erbschaft“ erneut Raimon Weber gewonnen wurde, sondern als Gesamtwerk.
Die Story an sich bietet Freunden von Verschwörungs- und Zivilisationsuntergangsszenarien einen Gourmetgang im Gesamten, Fans von Filmen wie „The Crazies“, „Salvage – Die Epidemie“ & Co. im Besonderen. Weber versteht es einmal mehr, eine per se schon bedrohliche Geschichte zu einem atmosphärischen Trip der Sonderklasse werden zu lassen – packend bis zur wortwörtlich letzten Sekunde. Dabei beschränkt er sich wieder auf eine recht kleine Gruppe von Charakteren, die sich in einem Netz aus Wahnsinn wieder finden und mit den „Auflösungserscheinungen“ der Gesellschaft zurecht kommen müssen. Dazu noch ein ordentlicher Schuß Verschwörungsthriller und fertig ist eine, wenn nicht gar die bislang beklemmendste Story in der Reihe.

Bei den Sprechern bleibt alles wie gewohnt im verdammt guten Bereich. Gordon Piedesack fungiert hier als Ich-Erzähler sowohl als eben dieser Erzähler, als auch als Charakter – die Übergänge sind fließend und insgesamt verleiht es der Figur des Pete Glover eine deutlichere Tiefe, als wenn man es mit einer regulären Erzähler-Charakter-Trennung zu tun hätte. Schlicht beeindruckend ist Douglas Welbat als Vizegouverneur Larsen – wenn ich Wahnsinn sage, ist das wortwörtlich so gemeint: Vor solchen Leistungen ziehe ich meinen (virtuellen) Hut. Explizit erwähnen muß man auch Wolf Frass, der hier eine Glanzleistung als „der nette Mann von nebenan“ abliefert: Glovers Nachbar wird Dank Frass zu einem extrem starken, bedrohlichen Element der Geschichte.
Der „Rest“, darunter fallen Sylvie Nogler, Robert Missler, Konrad Halver, Sascha Rotermund, Tammo Kaulbarsch, Julia Fölster, Leonhard Mahlich, Merette Brettschneider und Patrick Holtheuer selbst als „nackter Irrer“, liefet ebenfalls sehr starke Leistungen ab, die den Hörer vergessen lassen, daß es sich „nur“ um ein Hörspiel handelt. Kurz gesagt: Verdammt stark.

Musik und Effekte.
John Carpenter wurde bereits erwähnt – auch, daß „Das Geschwür“ eben nicht nur von der Geschichte her, sondern als Gesamtwerk in seiner Tradition steht. Das gilt für die Musik besonders – Marcel Schweders minimalistische Stücke, die mit ihren analogen Synthsounds die späten 70er, frühen 80er Jahre wieder auferstehen lassen schaffen eine in der Reihe bislang einmalige Atmosphäre.

Fazit:
Mit „Das Geschwür“ liegt der perfekte John Carpenter Film für die Ohren vor. Raimon Weber hat eine, für mich sogar die bislang beste „MindNapping“-Story vorgelegt, welche von einem superben und verdammt gut aufgelegten Sprecherensemble gespielt und von einem wahren Hammer von musikalischer und Effektuntermalung in die gehörte Realität geholt werden. Der bislang stärkste Eintrag in der Reihe „MindNapping“. Go get it!

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Mord in Serie: Das 12. Opfer


Das Cover zu "Mord in Serie: Das 12. Opfer"Mord in Serie: Das 12. Opfer
Buch: Markus Topf
Konzept & Regie: Christoph Piasecki
Sounddesign & Musik: Konrad Dornfels
Cover & Design: Kito Sandberg
Produktion: © & ® Contendo Media GmbH

Sprecher:
Lisa Wagner – Uta Dänekamp
Nora Winkler – Katja Brügger
David Kühn – Sascha Rotermund
Viktor Haas – Jan-David Rönfeldt
Ahmed Yilmaz – Martin May
Rolf Clemens – Konrad Halver
Emma Wagner – Marion von Stengel
Jaron Raymann – Gordon Piedesack
Richter Büscher – Wolf Frass
Sekretärin – Reinhilt Schneider
Kellner – Stephan Chrzescinski
Juristin – Christine Pappert
Gegenüberstellungen – Patrick Bach, Rüdiger Schulzki
Polizisten – Ursela Monn, Frank Otto Schenk, Mathis Landwehr
Abspann – Martin Sabel
Inhaltsangabe des Verlags:

Diese Nacht wird Lisa Wagner niemals vergessen. Eigentlich wollte die junge Frau mit ihrer Schwester Emma auf einer Party über den Dächern Frankfurts ausgelassen feiern. Stattdessen findet sie sich in einem dreckigen Kellerverlies wieder und wird Zeuge, wie ihre Schwester brutal ermordet wird. Doch der wahre Albtraum beginnt erst nach ihrer Flucht. Emmas Mörder ist schnell gefunden, doch die Beweise reichen für eine Verhaftung nicht aus. Für Lisa wird es Zeit, selbst etwas zu unternehmen. Mit dem charismatischen Staatsanwalt und der engagierten Mordermittlerin heftet sie sich an die Fersen des Täters und kommt einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur.

Meine Meinung:

Um es Neugierigen gleich vorweg zu sagen: Contendo Media gibt mit dem „12. Opfer“ einen Bomben-Einstand in die neue Reihe „Mord in Serie“ – und während anderswo gern schon mal Geschichten aufgeblasen werden, damit auch ja 2 CDs rausspringen, besinnt man sich hier auf die Stärken „alter“ Hörspiele: Kurz, knapp, ohne Längen. Gut, eine Stunde beansprucht „Das 12. Opfer“ schon, aber es ist keine Minute Langeweile auf dem Silberling.
Markus Topf erfindet das Genre nicht neu (woher diese irrsinnige, aber mittlerweile fast zwingende Erwartungshaltung bei vielen Hörern kommt, entzieht sich meiner Kenntnis), versteht es indes den Spannungsbogen von Beginn an aufrecht zu erhalten und spickt die nicht ganz so neue „Täter wird gestellt, aber entlassen, weil…“-Thematik mit einigen bösen Wendungen. Ganz ehrlich? Ich brauche nicht mit jedem Hörspiel den Neubeginn des Genres – ich bin mit verdammt guter Unterhaltung auch zufrieden, und genau das bietet die Story.
Zimperlich geht es dabei genregemäß nicht zu – in meinen Augen, bzw. Ohren ein gutes Zeichen, denn es belegt, daß man das Genre und die Fans ernst nimmt und nicht alles schön auf Stromlinienförmigkeit bürstet.

Bei den Sprechern findet man haufenweise klangvolle und vielversprechende, sowie altbekannte Namen, egal ob es Katja Brügger, Konrad Halver, Gordon Piedesack, Wof Frass, Reinhilt Schneider, Sascha Rotermund, Martin May, Marion von Stengel, Patrick Bach, Rüdiger Schulzki oder Stephan Chrzescinski sind – oder eben die beeindruckende Uta Dänekamp als Protagonistin. Und man kann es kurz und knapp machen: Unter der Regie Christoph Piaseckis liefern alle eine hervorragend Leistung ab und das ist für das Funktionieren der „fiktiven Realität“ unabdingbar. Gerade Katja Brügger, die vielen Fans der Macabors-Hörspiele von EUROPA wohl noch als rassige Carminia Brado im Gehör ist, überzeugt hier als Mordermittlerin Nora Winkler auf ganzer Spur. Und daß Jan-David Rönfeldt überzeugend *richtig* fiese Typen spielen kann, weiß man spätestens seit „Darkside Park“ (und er war bei den „Animorphs“ doch immer soooo nett :)).

Musik und Effekte – beides im absoluten Top-Bereich. Gerade die Party-Stimmung am Anfang kommt verflucht gut rüber – Danke an Contendo Media, daß der Party-Track, ein großartiger Synthpop-Track in Reinkultur, als Bonus auf der CD zu finden ist. Realistisch, packend und punktgenau eingesetzt, bieten sowohl die Musiken (packend und punktgenau), als auch die Effekte (realistisch und punktgenau) die nahezu perfekte Untermalung.

Bleibt als Fazit:
Rausgehen. Kaufen. Jetzt! „Das 12. Opfer“ ist ein Traum von einer Einstandsfolge, die sich kein Thrillerfan entgehen lassen sollte. Eine spannende, kurzweilige Geschichte aus der Feder von Markus Topf wird von bekannten Namen der Hörspielbranche packende gespielt und von starken Musik- und Effektuntermalungen unterstützt.
Auftakt wunderbar geglückt – und damit dann auf zu Folge 2.

MindNapping (5): Witchboard


Cover zu MindNapping (5): WitchboardMindNapping (5): Witchboard
Idee & Buch: Carsten Steenbergen
Regie & Schnitt: Patrick Holtheuer
Co-Regie: Marko Peter Bachmann
Musik, Mix & Mastering: Marcel Schweder
Gestaltung & Layout: Daniel Klages-Saxler
Fotos: Christian Belz

Inhaltsangabe des Verlags:

Coraline, ihre neue Liebe Ron, ein College-Baseball-Spieler, Eugene, ihr bester Freund und die anstregende Ashley fahren gemeinsam Richtung Florida, um dort ihre Semesterferien zu verbringen. Doch mitten im Great Smoky Mountains Nationalpark streikt plötzlich der Wagen. Die vier Studenten sind gezwungen, in einem einsam gelegenen Haus zu  übernachten.
Als Coraline bei einer Séance Botschaften aus dem Jenseits empfängt, die vor Ron warnen, wandelt sich die Nacht in den Bergen zu einer mörderischen Odyssee.

Sprecher:

Ashley: Merete Brettschneider
Coraline: Mia Diekow
Eugene: Leonhard Mahlich
Ron: Daniel Welbat
Parkplatzwächter: Wolf Frass
Tankstellenfrau: Sylvie Nogler
Officer Decker: Gordon Piedesack

Meine Meinung:

Mit „Witchboard“ hat man nach Folge 3, „Der Trip„, eine weitere Folge mit einem scheinbar übernatürlichen Anstrich. Autor Carsten Steenbergen wartet mit dem Aufbau des Spannungsbogens nicht lang und hält ihn bis zum Ende aufrecht und bedient sich dabei sowohl klassischer Thrillerelemente, als auch okulter Gruselmomente, und serviert einen ungemein packenden Thriller.

Bei den Sprechern spielt sich der größte Teil kammerspielartig zwischen den vier Protagonisten ab, die von Merette Brettschneider, Mia Diekow, Leonhard Mahlich und Daniel Welbat sehr glaubwürdig gespielt werden und den „Sog des Wahnsinns“ überzeugend rüberbringen.
Dazu gesellen sich einmal mehr Gordon Piedesack, dann noch Sylvie Nogler und Wolf Frass. Rundum gut. Mehr gibt’s hier nicht zu sagen.

Effekte und Musik – auch hier bleibt es wie gehabt: Sehr sauber, gut gewählt und passend platziert, wird der Realismus stark gefördert und die Atmosphäre an genau den richtigen Punkten lanciert.

Bleibt als Fazit:
„Witchboard“ ist ein gelungener Thriller der Reihe „MindNapping“, spielt geschickt mit regulären Thriller-, aber auch mit Okult-Elementen. Gespielt von einem durchweg gut agierenden Cast und unterstützt von der -wie immer- passenden und Atmosphäre verstärkenden Musik- und Effektuntermalung. Definitiv hörenswert!

[Review] Mark Brandis: Pilgrim 2000 (Teil 1 und 2)


Cover zu Mark Brandis: Pilgrim 2000 | © 2011 folgenreich / Universal Music Entertainment GmbHMark Brandis: Pilgrim 2000
Nach dem gleichnamigen Roman von Nikolai von Michalewsky

Manuskript: Balthasar von Weymarn
Musik & Sounddesign: Jochim-C. Redeker
Aufnahme: Tommi Schneefuß, Thomas Weichler und Sven-Michael Bluhm
Produktion, Regie und Schnitt: Jochim-C. Redeker & Balthasar von Weymarn
Artwork: Alexander Preuss
Layout/ Satz: Jürgen Straub
Product Management: dp

SPRECHER:
Dr. Rebecca Levy: Claudia Urbschat-Mingues
Cmdr. Mark Brandis: Michael Lott
Cpt. Grigori »Grischa« Romen: David Nathan
Bordsystem CORA: Mira Christine Mühlenhof
Lt. Pablo Torrente: Martin Keßler
Prolog: Wolf Frass
Lt. Iwan Stroganow: Martin Wehrmann
Lt. Konstantinos Simopoulos: Gernot Endemann
Judith: Katarina Tomaschewsky
Melchior: Klaus Sonnenschein

Teil 1:
ISBN: 978-3-8291-2436-2
Gesamtspielzeit: ca. 57 Minuten
Altersempfehlung: ab 12 Jahren

Teil 2:
ISBN: 978-3-8291-2437-9
Gesamtspielzeit: ca. 56 Minuten
Altersempfehlung: ab 12 Jahren

INHALTSANGABE DES VERLAGS:

Teil 1:
2127: Commander Brandis und seine Crew sind auf der erdabgewandten Seite der Sonne. Nach Reparaturen an einer Raumstation ist die HERMES bereits auf dem Rückweg, als die Kommunikation ausfällt. Erst in 17 Tagen wird sie wieder Kontakt zur Erde erhalten. Die Nähe zur Sonne hat die Sehfähigkeiten der sechs Raumfahrer beeinträchtigt. Doch dann taucht ein seit Jahrzehnten verschollenes Generationenschiff vor ihnen auf, und Brandis ergreift die Chance, herauszufinden, ob noch jemand an Bord lebt …
Teil 2:
2127: Die HERMES ist jenseits Seite der Sonne von der Kommunikation zur Erde abgeschnitten. Mark Brandis und seine Crew haben Bewohner an Bord der PILGRIM 2000 gefunden. Ihr Rückweg zur Schleuse, an der die HERMES angedockt liegt, ist versperrt — durch ein Heer hundegroßer Ratten. Da das Generationenschiff dem Untergang geweiht ist, bleibt Brandis nur wenig Zeit, um einen zweiten Fluchtweg zu finden. Und die Ratten sind nicht die einzige Gefahr an Bord …

MEINUNG:
Ein äußerst interessante und spannende Ausgangslage: Ein scheinbar verlassenes Generationschiff, welches in wenigen Tagen in die Sonne stürzen wird. Das verspricht viel – viel Dramatik, viel Spannung. Leider jedoch hat man die Möglichkeiten nicht voll ausgeschöpft. Es wird beispielsweise immer wieder mal erwähnt, daß „Pilgrim 2000“ in Bälde verglühen wird, allerdings wenig dramatisch und derart beiläufig, daß gerade in diesem Punkt sehr viel Potential dieser permanenten Bedrohung verschenkt wurde. Insgesamt kommt die Geschichte in Gänze auch für bisherige „Mark Brandis“-Verhältnisse ziemlich zahm daher, auch wenn sie immer noch genügend Spannung bietet, insbesondere im zweiten Teil, um im überdurchschnittlichen Brandis-Bereich zu landen. Doch im Vergleich zu den bisher vertonten Geschichten, fällt „Pilgrim 2000“ ein wenig ab.

Sprechermäßig allerdings bleibt alles wie gewohnt: Vorzeigeensemble mit nahezu durchgehend großartigen Leistungen. Das einzige, was auffällt, ist die etwas (überraschend) hölzerne Art, mit der Gernot Endemann spricht. Ansonsten gibt es rundherum gute Leistungen zu vermelden. Michael Lott als Mark Brandis nebst seiner bekannten Crew (David Nathan als Grisha Romen, Martin Wehrmann als Iwan Stroganow, Martin Keßler als Pablo Torrente und Mira Christine Mühenhof als CORA) ihre jeweiligen Figuren gewohnt überzeugend ins Ohr bringen.
Besonders erwähnen sollte man Claudia Urbschat-Mingues, die hier eine toughe Dr. Rebecca Levy zum Besten gibt, sowie Klaus Sonnenschein als Melchior, der den dezenten Wahnsinn dieser Figur perfekt rüberbringt, ohne dabei einen klischeetriefenden „Bösewicht“ draus zu machen.

Musik und Effekte sind seit Anbeginn der Serie nicht nur innerhalb selbiger Qualitätsgarant, sondern spielen auch in der Liga der Großen in der Topregion ganz weit vorn mit. Das, was hier erneut an Effektfeuerwerken und musikalischen Untermalungen abgefeuert wird, ist schlicht und einfach Referenzklasse. Besonders beeindruckend ist die Atmosphäre des (nahezu) verlassenen titelgebenden Generationenschiffs „Pilgrim 2000“. Und Klaus Sonnenscheins „Gott-Modus“ wird sicher beim ersten Hören bei einigen für einen guten Schauer sorgen (Tip: Über ein paar richtig gute Kopfhörer genießen).

Als Fazit bleibt:
Eine gute, wenn gleich im „Brandis“-Universum ungewohnt zahme und unpolitische Geschichte wird erneut von verdammt gut aufgelegten Sprechern gespielt, bei denen lediglich Gernot Endemann etwas hölzern daherkommt. Effekte und Musiken bieten gewohnte Kost, respektive Referenzklasse. Wer auf Space-Abenteuer (und die Betonung liegt diesmal auf Abenteuer!) steht, wird mit „Pilgrim 2000“ extremst gut bedient. Wer allerding „Brandis as usual“ erwartet, könnte diesmal ein wenig „enttäuscht“ sein. Aber ein wenig Abwechslung ist auf Dauer vielleicht gar nicht mal verkehrt. Summa summarum bleibt dennoch auch hier: Verdammt gute SciFi-Unterhaltung in Referenzklasse.


MindNapping (2): Die 9mm-Erbschaft


MindNapping (2): Die 9mm-Erbschaft (Idee und Buch: Raimon Weber; Audionarchie e.K., 2011)MindNapping (2): Die 9mm-Erbschaft
Idee und Buch: Raimon Weber

Erschienen: Audionarchie e.K., 2011

Sprecher:
Gordon Piedesack, Rüdiger Schulzki, Patrick Bach, Christine Pappert, Martin May, Sylvie Nogler, Wolf Frass, Konrad Halver, Sascha Rotermund, John Ment

Inhaltsangabe des Verlags:

Erst der Selbstmord ihres Vaters bringt die Brüder Richard und Brendan wieder zusammen.
Sie besuchen die Orte ihrer glücklosen Kindheit. Tief in den Wäldern der amerikanischen Ostküste. Doch sie sind nicht allein. Etwas folgt ihnen. Schlägt immer wieder brutal zu. Konfrontiert die Brüder mit den Schrecken der Vergangenheit. Und treibt sie in den Wahnsinn …

Meinung:

Nach dem gelungenen Einstieg in die Reihe, liegt mit der zweiten Folge ein Hörspiel aus der Feder von Raimon Weber und ein absolutes Kontrastprogramm zum Vorgänger vor.

Webers Stärken kommen auch hier voll zum Einsatz: Kaum jemand schafft es derart albtraumartige Beklemmung in fulminanter, düster-eleganter, teilweise elegischer Wortkunst zu zelebrieren ohne dabei die Geschichte an sich zu vernachlässigen, wie er.

Die Story an sich, das sei ohne Spoiler verraten, fußt natürlich wieder in der Realität, obschon einige Begebenheiten im Reich des Übernatürlichen angesiedelt scheinen. „MindNapping“ bleibt Psychothriller, kein „Sixth Sense“.

Die Sprecher erneut vortrefflich gewählt und eingesetzt. Gordon Piedesack als Erzähler erweist sich als As im Ärmel, denn entgegen Folge 1 trägt hier der Erzähler einen Großteil des Hörspiels und Piedesack erweckt die Düsternis in Webers Texten zu einem substantiellen ‚Hauptdarsteller‘.

Patrick Bach glänzt als Bredan Monroe, dem die schwierige Kindheit unter seinem Vater deutlich zugesetzt hat. Während er den eher labilen, verstörten Bruder gibt, darf Martin May das totale Gegenteil spielen: Sein Richard Monroe ist deutlich extrovertierter, zielgerichteter. Schöner Punkt, daß hier zwei gegensätzliche „Trauma-Verarbeitungsergebnisse“ integriert wurden.
Rüdiger Schulzki spielt den „Alten“ James Edward Monroe mit hörbarem Spaß an diesem durchaus verabscheuungswürdigen Charakter, trifft seine hämischen, böswilligen und gefühllosen Seiten genau.
Definitiv erwähnenswert ist auch Wolf Frass, der hier als Linus Reed den ortskundigen Führer in den endlosen Wäldern der Ostküste gibt und mit seiner leicht grummeligen, dennoch netten Art auch diesen Charakter voll und ganz trifft.

Musik und Effekte – ich wiederhole mich gern aus Folge 1: Passt, dezent, atmosphärisch. Musikalisch ein definitiv gelungener Kniff: Das Titelthema zieht sich durch die Folge – sogar mit Variationen. Mal orchestral, mal solo, wechselnde Instrumente – und durchweg passend und die Atmosphäre verstärkend.

Als Fazit bleibt erneut: Patrick Holtheuer wird auch mit dieser Folge seinem Anspruch gerecht und liefert einen extrem atmosphärischen und nicht minder spannenden Thriller, dessen Stärken hier vor allem die Wortgewaltigkeit eines Raimon Weber in Kombination mit einem hervorragenden Sprecherensemble und einer trefflichen Musik- und Effektuntermalung sind. Kontrastprogramm zum „Quasi-Kammerspiel“ von Folge 1 – wer Thriller mag, einfach mal „frischen Wind“ in seine Hörspielsammlung bringen oder einen „Kurztrip“ in eine wunderbar atmosphärische Hörwelt machen möchte, sollte hier definitiv zugreifen.

[Review] Mark Brandis: Raumsonde Epsilon | Roddenberrys dunkler Bruder


Mark Brandis: Raumsonde Epsilon (1)Mark Brandis: Raumsonde Epsilon (2)Mark Brandis: Raumsonde Epsilon (1+2)

Manuskript: Balthasar von Weymarn
Sounddesign und Musik:  Jochim-C. Redeker
Aufnahme: Thomas Weichler, Tommy Schneefuß, Sven-Alexander Bluhm
Produktion, Regie: und Schnitt: Balthasar von Weymarn und Jochim-C. Redeker
Product Manager folgenreich: Doerte Poschau

Veröffentlicht: Folgenreich / INTERPLANAR Produktion GbR., 2010

SPRECHER:
Michael Lott, Julien Haggége, Christine Mühlenhof, Tomasina Ulbricht, Mark Bremer, Martin Wehrmann, Michael Westphal, Michael Pan, Wolf Frass, Gerhart Hinze, Stefan Peters, Oliver Seidler, Udo Schenk, Cho See- Young, Stefan Gossler u.a.

Raumsonde Epsilon (1)
1 Audio-CD
ISBN-Nr. 978-3-8291-2317-4

Raumsonde Epsilon (2)
1 Audio CD
ISBN-Nr. 978-3-8291-2318-1

Meinung:

Mark Brandis“ hat sich über die letzten Jahre im Hörspielbereich nicht nur einen guten, sondern einen wortwörtlich ausgezeichneten Namen gemacht. Das Team um Balthasar von Weymarn und Jochim-C. Redeker (tatsächlich Jochim, nicht Joachim) hat mit dem Segen der Witwe des Brandis-Schöpfers, Reinhild von Michalewsky, eine tatsächlich epische Serie ins Leben gerufen, die es bislang immer wieder verstand Maßstäbe zu setzen. „Raumsonde Epsilon“ steht dem glücklicherweise in Nichts nach.

Raumsonde Epsilon“ knüpft nahtlos an den vorangegangenen Zweiteiler an – allerdings muss man diesen nicht kennen, um sich zurecht zu finden. Wichtiges wird kurz erklärt, ansonsten reicht es zu wissen, daß Brandis und Crew mit einem geborgenen Schiff auf dem Rückflug zur Erde sind – alles weitere bekommt man im wahrsten Sinne des Wortes live mit.

Auch wenn der erste Teil streckenweise ein wenig lang geraten ist, entwickelt sich gerade im zweiten Teil eine tempo- und actionreiche, allerdings auch wieder für eine derartige Serie überrasched stark auf Charaktere zugeschnittene und nicht mit nachdenklich stimmenden, gesellschaftskritischen Einwürfen geizende Story, die -wenn man denn schon unbedingt das Haar in der Suppe sucht- einzig zu Beginn hätte etwas kürzer ausfallen können. Es ist aber nicht falsch zu verstehen: Gegähnt wird hier keinesfalls und in Gesamtheit bekommt das Fanherz wieder genau das, was es sich wünscht: Raumschlachten, Intrigen, politische Machtspielchen, eine gehörige Portion Drama, Gesellschaftskritik und zum Ende hin weht sogar ein Hauch eines etwas desillusionierten Gene Roddenberry durch die Geschichte.

Bei den Sprechern bleibt alles wie gehabt: Michael Lott, Martin Wehrmann, Michael Pan, Udo Schenk, Julien Haggége, Mark Bremer, fast alle liefern makellose Leistungen ab – fast, denn wie bereits beim Vorgänger kritisiert, fällt Tomasina Ulbrichts Leistung stark gegen die der anderen erwähnten ab. Es ist zwar gut, daß man Kontinuität wahrt und sie auch für diese beiden Folgen aufgenommen hat und die Szenen, in denen sie zu hören ist, sind ob ihrer Gesamtheit gut hörbar, dennoch ist diese Emotionslosigkeit, mit der der Charakter Ludmilla Wolska gesprochen, oder besser: gelesen wird ein Manko, das nicht überhört werden kann. Egal ob beim ausgelassenen Würfelspiel, in Gefangennahme oder kurz vor einer drohenden Exekution: Sie klingt immer gleich emotionslos und das ist letztlich schade, denn eine gewisse Authentizität sollte schon vorhanden sein.

Beim Sound hat sich Joachim-C. Redeker einmal mehr ausgetobt: Was dieser Mann aus Geräuschen, Soundeffekten und Musik schafft, ist für mich bislang unerreicht: „Mark Brandis“ zieht den Hörer wirklich mit ins All und obschon die Abenteuer natürlich jenseits unserer jetzigen Realität spielen, fühlt man sich doch in einer realitätsnäheren (Klang-)Welt als es manch eine Produktion, die in „unserer“ Realtität verankert ist, zu leisten vermag. Und einmal mehr schafft dieses Serie etwas bei mir, was nur verdammt selten gelingt: Gerade die Monologe Brandis‘ in Kombination mit Geräuschen und Redekers Musik sind Gänsehaut-Garanten!

Bleibt als Fazit: „F*ckin‘ epic!“
Ein etwas gestreckter Start und eine emotionslose Dr. Wolska vermögen den Gesamteindruck nicht zu schmälern: Diese Doppelfolge ist technisch erneut ein wahrer Hammer, ein Gänsehaut-Garant (nicht im Sinne von gruselig, auch nicht im Sinne von „Boah, wat schlecht“, keine Sorge) und bietet alles, wofür der Name „Mark Brandis“ steht: Summa summarum gute Story, viele im Ohr bleibende Szenen, ein großartiges Sprecher-Ensemble und ein absolut überragendes Sounddesign – SO muss Science Fiction geschrieben sein und klingen! Danke dafür.

http://www.hergehoert.de/mark_brandis__raumsonde_epsilon.html

Patrick Holtheuer gründet eigenes Hörspiellabel: Die Audionarchie | HOERSPIEL³-Blog


Patrick Holtheuer gründet eigenes Hörspiellabel: Die Audionarchie | HOERSPIEL³-Blog.

Patrick Holtheuers Label, Audionarchie, geht am 25.02.2011 mit zwei Folgen der Psychothriller-Reihe ‚MindNapping‘ an den Start.

MindNapping‚ bietet erfreulicherweise nicht Dämonen-Jäger Nr. 1234567, sondern jeweils abgeschlossene Psychothriller aus den Federn von Raimon Weber (schrieb u.a. für ‚Gabriel Burns‘, ‚Point Whitmark‘, ‚Darkside Park‘), Marcus Görner, Simon X. Rost (u.a. ‚Mitschnitt‘) und anderen.

Bei den Sprechern tummeln sich u.a. Patrick Bach, Detlef Bierstedt, Reinhilt Schneider, Rüdiger Schulzki, Wolf Frass, Martin May, Konrad Halver, Sascha Rotermund, Jan-David Rönfeldt, Gordon Piedesack, ab Folge 3 auch mit Reent Reins, Udo Schenk, Jannik Endemann, Martin Sabel, Tammo Kaulbarsch, Simon und Thilo Gosejohann, Daniel Welbat, Christian Stark, Marion von Stengel u.a.

MindNapping:
Folge 1: Auf gute Nachbarschaft (VÖ 25.02.2011)
Folge 2: Die 9mm-Erbschaft  (VÖ 25.02.2011)
Folge 3: Der Trip  (VÖ vrstl. 29.04.2011)
Folge 4: Flutnacht  (VÖ 24.06.2011)